19. November 2019 - 01:55

Brand in Hollfeld: Nur fünf Minuten an der Katastrophe vorbei

Der Tag nach dem Brand. Foto: Stefan Brand

HOLLFELD. Dramatische Situation am Donnerstagabend in der Hollfelder Altstadt: Um 20.23 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem Wohnhausbrand im Steinweg gerufen. Dass die Aktiven innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein konnten, war einem glücklichen Umstand zu verdanken. Sonst wäre die Lage wohl für manche Bewohner noch weitaus schlimmer gewesen als sie es sowieso schon war – so warf eine Frau ihr Kind aus dem Fenster in die Arme von Passanten. Die Ursache des Feuers, bei dem mehrere Personen verletzt wurden, wird noch ermittelt.  


„Wäre die Feuerwehr nur fünf Minuten später gekommen, hätte das in einer Kataststrophe enden können“, sagt Wolfgang Degen, Vorsitzender der Hollfelder Wehr. Er war selbst im Einsatz, sorgte mit anderen Aktiven dafür, dass das Gebäude auf der Rückseite des Hauses verschont blieb: „Da war schon eine Holzverschalung angekohlt, Gottseidank schlug das Feuer nicht durchs Dach.“

Sechs Wohnungen sind in dem jetzt unbewohnbaren Mehrfamilienhaus untergebracht, rund 20 Personen waren betroffen. Fast alle wurden über – so der Fachjargon der Feuerwehr – Steck- und Schiebeleitern gerettet, da das Treppenhaus nicht mehr passierbar war.

So auch jene Frau, die ihr Kind aus dem Fenster geworfen hatte, sagt Kommandant Martin Degen: „Sie ist hochschwanger, wollte selbst springen, davon konnten wir sie aber noch abhalten.“ Eine weitere Bewohnerin sei mit einer Fluchthaube geborgen worden, „dabei wird man mit Frischluft versorgt, atmet keinen Rauch mehr ein.“ Was die Ursache für meisten Verletzungen war, die meisten Opfer, darunter auch eine syrische Flüchtlingsfamilie, erlitten Rauchgasvergiftungen.

Alles in allem waren rund 160 Feuerwehrleute aus den Wehren Hollfeld, Waischenfeld, Plösen/Gollenbach, Neuhaus, Mistelgau, Breitenlesau, Aufseß, Bayreuth, Thurnau, Sanspareil, Plankenfels, Weiher, Kainach, Treppendorf und Obernsees im Einsatz. Die anrückenden Feuerwehren sammelten sich in der Bamberger Straße und Am Graben.

Ideal wäre es gewesen, sagt Wolfgang Degen, die Drehleiter aus Waischenfeld einsetzen können – „doch als sie kam, war in der engen Gasse schon alles dicht“. Da zeige sich, wie wichtig es wäre, eine Drehleiter auch in Hollfeld vorhalten zu können. „Ich war immer dafür, der Stadtrat hat die Anschaffung leider abgelehnt“, sagt Degen, der zugleich dritter Bürgermeister ist.

Von den Flammen eingeschlossen

Schon bei der Alarmmeldung war klar, dass wohl mehrere Personen von den Flammen eingeschlossen sind. Die Hollfelder Wehr konnte rasch vor Ort sein – weil sie vor kurzem ein neues Löschfahrzeug bekommen hat, für das die Aktiven eine Einweisung erhalten – so auch an diesem Donnerstagabend. Beim Eintreffen der Wehr schlugen im Erdgeschoss Flammen aus der Eingangstür, „der dahinterliegende Flur stand in Vollbrand“, heißt es im Einsatzbericht.  Und, so der Kommandant: „Im Obergeschoss standen Personen hilfeschreiend am Fenster, hinter ihnen drang dichter schwarzer Rauch aus.“

Nachbarn wiesen die Rettungskräfte auf weitere verzweifelte Bewohner im zweiten Obergeschoss hin, die auf sich aufmerksam machten. Während ein erster Trupp unter Atemschutz ins Erdgeschoss vordrang und mit der Brandbekämpfung begann, begann im Außenbereich die Rettungsaktion mit den erwähnten Leitern. Nach dem Eintreffen weiterer Feuerwehren wurde der Atemschutzeinsatz im Haus massiv ausgeweitet.

Die Flure und das Treppenhaus brannten mittlerweile auf allen Etagen. Mehrere Trupps durchkämmten die teilweise verwinkelten Wohnungen, um dort nach weiteren Personen zu suchen. Während ein Hund gerettet werden konnte, kam für zwei Katzen jede Hilfe zu spät. Auch drohten die Flammen auf ein angrenzendes Wohnhaus in der dicht bebauten Altstadt überzugreifen, was wie erwähnt verhindert werden konnte.

Nachdem das Feuer gelöscht war, wurde das Gebäude „entraucht“ und durch das THW gesichert. Die schwerer verletzten Personen wurden auf umliegende Krankenhäuser verteilt. Eine nun obdachlose Familie kam unbürokratisch im Hollfelder Altenheim unter. Am Freitagvormittag fand im Rathaus eine Krisensitzung statt, bei der beraten wurde, wo mnah die Bewohner vorläufig wohnen lassen kann.

Drei Hubschrauber im Anflug

Aufgrund der vielen Verletzten kamen auch 114 Sanitäter mit 35 Fahrzeugen zum Einsatz. Auch drei Rettungshubschrauber waren auf Anflug, wovon zwei abbestellt werden konnten. Die Einsatzleitung des Rettungsdienstes hatte ihr Hauptquartier an der Grundschule aufgeschlagen, ein Hubschrauberlandeplatz wurde am ASV-Sportplatz eingerichtet.

Hier konnte Vorsitzender Hans-Peter Härtl Hilfestellung geben. Die Thurnauer Wehr wollte mangels Ortskenntnis zunächst den Hauptplatz als Landeplatz ausleuchten – „doch wir hatten gerade Training am Nebenplatz, der ja über Flutlicht verfügt, da bin ich schnell rüber und habe das klären können“.

Einsatzende für die Feuerwehr Hollfeld war übrigens gegen 2.45 Uhr. Am Freitagvormittag begannen zwei Brandermittler der Bayreuther Kriminalpolizei, nach der Ursache für das Feuer zu suchen. Der Hausbesitzer, der auch kurz vor Ort war, verweigerte ein Gespräch mit unserer Zeitung und suchte eilig das Weite.

Neue Unterkunft gefunden

Das ging schnell, war aber „ein Kraftakt“, wie Bürgermeisterin Karin Barwisch am Freitagmittag im Kurier-Gespräch betonte: Alle 19 Personen, die vom Brand im Steinweg betroffen sind, haben für die nächste Zeit eine Unterkunft. Das sei kein Selbstläufer gewesen, „vor allem bei den Familien, Einzelne bekommt man in der Regel schnell unter“.

Anders die Lage vor allem bei den beiden kinderreichen syrischen Familien, „da ging es um sechs und im zweiten Fall um sieben Menschen“. Für alle habe man ein Quartier organisieren können, „das läuft in erster Linie über Ferienwohnungen“.

Vom Altenheim über die Einrichtung In der Heimat wohnen bis zum Job-Center und zu privaten Angeboten: „Ich finde es ganz großartig, wie sich die Hollfelder da so schnell engagiert und Hilfe angeboten haben“, sagt Barwisch. Da zeige sich – gerade mit Blick auf die beiden Familien aus Syrien, die ein dauerhaftes Bleiberecht haben– „wie wichtig es ist, wenn Menschen Menschen helfen, das sorgt für ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, für ein Miteinander unabhängig von jeder Weltanschauung“.

Das könne man gar nicht hoch genug würdigen – was am Freitag auch andere Hollfelder, gerade aus den Reihen der Hilfskräfte, bestätigten. Nächste Woche beginnt nun die Suche nach einer dauerhaften Lösung für die obdachlosen Brandopfer.