17. November 2019 - 14:17

Staatsstraße 2181: Die Gefahr kommt mit dem Tempo

Foto: Eric Waha

BAYREUTH/WEIDENBERG. Erst am Montagabend verunglückte bei Untersteinach ein Motorradfahrer und erlag seinen Verletzungen. Es war der schlimmste von 30 Unfällen auf der Staatsstraße 2181 zwischen Bayreuth und Weidenberg seit Jahresbeginn. Einige fordern nun bauliche Veränderungen. Andere weisen auf die individuelle Verantwortung der Fahrer hin.


„Die Strecke ist eine Rennstrecke“, sagt Margit Rieß. Die 54-Jährige aus Weidenberg ist in Döhlau neben der Staatsstraße aufgewachsen. „Ich habe einige Leute gekannt, die gestorben sind. Oft trifft es Unschuldige.“ Doch: Was können Behörden tun? Und kracht es dort wirklich häufiger als anderswo?

Thomas Linke von der Polizei Bayreuth-Land, Sachbearbeiter Verkehr für den Kreis Bayreuth, hat Zahlen. Vom Kreisel bei Laineck bis zur Einmündung der Staatsstraße 2177 bei Weidenberg hat es 2019 bereits 30-mal gekracht. Häufigste Ursache: Wildunfälle (17). Dazu drei Kleinunfälle, fünf Sachschadenunfälle sowie fünf Unfälle mit Verletzten – darunter der tote Motorradfahrer sowie ein Schwerverletzter. In den fünf Jahren zuvor waren es zwischen 49 (2015) und 65 (2018) Unfälle pro Jahr.
„Verkehrsteilnehmer halten sich nicht daran“

„Auf der kurvenreichen Staatsstraße 2181 ereignen sich im Vergleich zu anderen Staatsstraßen mehr Unfälle“, sagt Linke. An allen Gefahrenpunkten gebe es aber Begrenzungen der Geschwindigkeit. „Kontrollen zeigen, dass sich manche Verkehrsteilnehmer nicht daran halten. Hinzu kommen persönliche Fehler, die teilweise zu schweren Unfällen führen.“

Burkhard Schubert ist Sachgebietsleiter Planung und Bau für den Kreis Bayreuth am Staatlichen Bauamt. Experten seiner Behörde, vom Landratsamt und der Polizei bilden die Unfallkommission. Das Bauamt teilt die Ansicht der Polizei. Die Strecke birgt eine gewisse Gefahr, wird aber meist erst durch unangepasste Fahrweise wirklich gefährlich. „Die Straßenmeisterei legt die Sichtfelder frei“, sagt Schubert. Ferner sei die Straße in den zurückliegenden Jahren an einigen Punkten verbreitert worden. Zudem wurden die Straßendecke saniert, Markierungen erneuert und Schutzplanken nachgerüstet.

Weidenbergs Bürgermeister Hans Wittauer (FWG) appelliert an die Vernunft der Fahrer. „Regulierung ist das eine, das Befolgen das andere.“ Schwere Unfälle seien meist auf das Verhalten Einzelner zurückzuführen. Zustimmung von Peter Hübner, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht. Die Strecke sei relativ gut ausgebaut. „Vor 20 Jahren gab es dort zwei bis drei Tote pro Jahr. Es ist viel geschehen.“ Dennoch: Es gibt neuralgische Punkte – unter die Lupe genommen von West nach Ost.

Abzweigung Döhlau-West: Sie liegt in einer Kurve. Für Einfahrer und Linksabbieger ist es schwer, heranrauschende Fahrzeuge zu sehen. Seit kurzem steht dort ein neuer Wegweiser in die umliegenden Orte. Margit Rieß: „Warum wird dort abgeleitet und nicht über die übersichtlichere Abzweigung Döhlau-Ost?“ Polizist Linke: „Das Schild führt zur Verbesserung der Verkehrssituation. Fahrer werden auf die Einmündung hingewiesen. Außerdem gibt es bei Döhlau-West einen beschrankten, bei Ost einen unbeschrankten Bahnübergang.“

Rechtskurve bei Untersteinach: Unübersichtlich geht es scharf herum. „Ich fordere hier wie überall Tempo 80.“ Doch Polizist Linke entgegnet: „Auf der engsten Kurve der Strecke gibt es kaum Probleme. Alle fahren vorsichtiger.“

Abbiegung nach Goldkronach: Das gerade Stück an Untersteinach vorbei wird oft zum Überholen genutzt. Gleichzeitig versuchen andere einzubiegen. Tempobeschränkung (80) und Überholverbot gelten nur teilweise. „Es muss durchgehend Tempo 80 geben, bei der Abbiegung 60“, fordert Gemeinde- und stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz (CSU). „Das Überholverbot muss verlängert werden.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Böhner will einen Kreisverkehr. „Der Kreisel bei Laineck ist ein positives Beispiel.“ Auch Bürgermeister Wittauer ist dafür, etwas zu tun. Er favorisiert eine Ampel, „weil im Kreisverkehr keiner blinkt“. Polizist Linke sagt grundsätzlich: „Wir können nicht überall das Tempo begrenzen und Überholverbote einführen. Das sprengt den Rahmen.“ Die Straßenverkehrsordnung rege zum achtsamen Fahren an.

Einmündung Staatsstraße 2177: Wo es eigentlich übersichtlich ist, ist die Unfallhäufung laut Polizei am höchsten. Deshalb beschloss die Unfallkommission: Eine Ampel soll her. Bauamtsexperte Schubert: „Wir sind in der technischen Planung, danach werden Gespräche mit Eigentümern wegen der zusätzlichen Abbiegespur geführt.“ Klappt das, könnte die Ampel 2020 stehen.