23. Oktober 2019 - 16:58

Bewährung: Glimpfliches Urteil für Waffennarren

Foto: Daniel Karmann

BAYREUTH/HOF. Der Mann, den die Hofer Beamten mit einer funktionstüchtigen Maschinenpistole, vier Magazinen und 128 Schuss Munition auf dem Autobahnparkplatz bei Streitau im März geschnappt hatten, stand gestern vor dem Bayreuther Schöffengericht. Urteil: zwei Jahre auf Bewährung für Viktor R. (42).


Einer der Gründe dafür war sein Geständnis, unmittelbar nachdem ihn die Hofer Beamten geschnappt hatten. Seine Angaben, das bestätigte ein Beamter des Berliner Landeskriminalamts, haben die Ermittler auf die Waffenhändler aufmerksam gemacht. Mehr als 100 Waffen, darunter Maschinenpistolen, Sturmgewehre und sogar ein Maschinengewehr, zogen die Ermittler aus dem Verkehr, bevor sie über dunkle Kanäle verkauft werden konnten.

Ein Zufalltreffer der Polizei

Es war buchstäblich ein Zufallszugriff, als eine Streife der Hofer VPI am frühen Morgen des 18. März am Brückenrasthof ein Auto kontrollierten. Die Überprüfung der Personalien machte die Polizisten stutzig. Der Mann hatte sich schon einmal wegen des Kaufs illegaler Waffen und auch Drogen über das Darknet schuldig gemacht, stand unter Bewährung. Die Tatsache, dass der Fahrer 2000 Euro Bargeld bei sich hatte und nicht so wirklich sagen konnte, wofür er das viele Geld brauchte, veranlasste die Streife, ihren Kollegen einen Tipp zu geben und das Kennzeichen des Wagens zur Überprüfung auszuschreiben. Es sollte nur wenige Stunden dauern, bis am Nachmittag erneut eine Hofer Streifenwagenbesatzung genau dieses Auto auf der A 9 in Fahrtrichtung Bayreuth entdeckte.

Vollautomatische Maschinenpistole gekauft

Die Überraschung war groß, als einer der Beamten auf dem Parkplatz bei Streitau den Mann kontrollierte und in einer Tasche am Körper des Mannes den Verschluss für eine Langwaffe fand. Im Kofferraum, unter einer Abdeckung, entdeckten die Beamten dann noch viel mehr: Eine vollautomatische sowjetische PPS-43 samt Zubehör, Magazinen und Munition war dort versteckt. 700 Schuss pro Minute können mit dieser Waffe abgegeben werden, die nur Dauerfeuer ausführen kann. Sie schießt, so lange man den Finger am Abdruck hat und Munition vorhanden ist. Nach dem Gesetz ist der Kauf, der Besitz und das Führen einer solchen Waffe ein Verbrechen, auf das eine Mindeststrafe von einem Jahr steht. Unmittelbar nach seiner Festnahme kam R. in U-Haft.

Seine „Liebe zu Waffen“ kann im Gefängnis enden

Das Schöffengericht folgte dem Antrag von Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach. Auch er hatte eine Freiheitsstrafe als alternativlos gesehen. Anders als Staatsanwältin Janina Leinhäupl, die den Waffenkäufer einsitzen lassen wollte, sprach sich Schmidtgall für eine Bewährung aus. Sein Mandant habe unglücklicherweise eine „Affinität für Waffen“. Er habe aber nie beabsichtigt, damit etwas anzustellen. Und habe gar nicht wirklich geglaubt, tatsächlich die angebotene Waffe vorzufinden. Zu abenteuerlich sei das Angebot zustandegekommen. Der 42-Jährige habe auf Youtube ein Video über die PPS-43 angeschaut und einen Kommentar hinterlassen, dass er von einer solchen Waffe träume. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Es müsse nicht beim Traum bleiben. Auf Anweisung des Waffenhändlers lud sich der 42-Jährige eine bestimmte APP aus dem Netz. Darüber wurde der Kontakt geknüpft. Schließlich fuhr der Mann am 18. März los zu einer Straßenecke in Berlin.

Ermittlungen gegen Waffenring in Berlin

Dort stieg der Händler zu, lotste ihn zu einem Keller, wo schon eine Sporttasche mit der Maschinenpistole und dem Zubehör fertig für ihn bereitlag. 1000 Euro hat der Mann für die verbotene Waffe bezahlt. Er hat sie nur wenige Stunden besessen, bevor sie ihm die Hofer Polizisten wieder abnahmen und damit die Ermittlungen gegen den Waffenhändlerring in Berlin auf den Weg gebracht werden konnten. Richter Daniel Götz machte R. klar, dass es keine Bewährung mehr gebe, sollte noch einmal die „Liebe für Waffen“ die Oberhand bekommen. Dann müsse R. mit mehreren Jahren Gefängnis rechnen.