21. September 2019 - 03:15

185 Stellen betroffen: BAT schließt Bayreuther Produkt-Zentrum

Foto: Reporter24

BAYREUTH. Schwerer Schlag für Bayreuth: British American Tobacco (BAT) schließt sein Produktzentrum in Bayreuth und entlässt 185 Mitarbeiter, wie das Unternehmen mitteilte. Bereits 2017 hatte der Zigarettenhersteller in Bayreuth 950 Beschäftigte entlassen. Die Gewerkschaft NGG sprach von einem Skandal.


Als Ergebnis einer strategischen Überprüfung der weltweiten Forschungs- und Entwicklungszentren habe die British American Tobacco Gruppe entschieden, die Produktentwicklung zu bündeln, um Überkapazitäten abzubauen und sich an die veränderten Marktbedingungen anzupassen, teilte BAT in Hamburg auf Nachfrage des „Nordbayerischen Kuriers“ mit. Ziel sei es gewesen, eine optimale Ausrichtung und Auslastung der Labore und Testanlagen sicherzustellen, um in Zukunft verstärkt in die Entwicklung neuartiger, potenziell risikoreduzierter Produkte zu investieren. Im Zuge dieser Neuausrichtung werde das regionale Produkt-Zentrum in Bayreuth geschlossen. Die Aufgaben des Entwicklungszentrums werden an verschiedene Standorte außerhalb Deutschlands übertragen. Die Verlagerung soll in spätestens 24 Monaten abgeschlossen sein. „Diese Veränderungen werden zu einem Stellenabbau von 185 Arbeitsplätzen in Bayreuth führen“, erklärte das Unternehmen.

In Anbetracht der aktuellen Marktentwicklungen seien „diese schmerzhaften Anpassungen“ notwendig, um sicherzustellen, dass die British American Tobacco Gruppe wettbewerbsfähig bleibe. „Wir setzen jetzt alles daran, in einem konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern eine faire Lösung für die betroffenen Mitarbeiter zu finden“, erklärte Ralf Wittenberg, Sprecher der deutschen Geschäftsführung in Hamburg. Mit künftig rund 200 Arbeitsplätzen bleibe Bayreuth ein wichtiger Standort für BAT in Europa. Die Produktion von Volumentabak, Stopftabak sowie von Casing & Flavour werde fortgesetzt. Zudem sei der Standort Bayreuth jüngst zum Logistikzentrum für Fertigware und Halbfertigprodukte in Westeuropa ausgebaut worden.

Die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wurde nach eigenen Angaben am gestrigen Donnerstag gegen 9 Uhr von der örtlichen BAT-Werkleitung über den vorgesehenen Stellenabbau informiert. Für Bayreuth sei der geplante Abbau von etwa 180 Arbeitsplätzen bei British American Tobacco ein weiterer Einschnitt. BAT habe zudem darüber informiert, dass man sich mit dem Betriebsrat in Gesprächen bezüglich eines Sozialplans befinde. „Ich bedauere sehr, dass BAT erneut die Konzernentscheidung getroffen hat, in Bayreuth Arbeitsplätze abzubauen“, sagte Merk-Erbe. Diese Entscheidung zeige erneut, dass Standorttreue für Konzerne wie BAT im Gegensatz zu vielen mittelständischen Unternehmen eine geringe Rolle spielt. Sie hoffe sehr, dass es den betroffenen Mitarbeitern gelingt, zügig neue Beschäftigungsverhältnisse zu finden. Stadt und Region hätten mit Unterstützung der Staatsregierung bewiesen, dass solche Konzernentscheidungen, so schmerzlich sie auch sind, mittel- und langfristig durch das große Engagement der Menschen in der Region aufgefangen werden können.

Der Bayreuther BAT-Betriebsratsvorsitzende Ulrich Popp sprach von einem weiteren Kahlschlag für den Standort. 2016 seien im Werk Bayreuth bereits 950 Beschäftigte entlassen worden. Am Standort werden künftig noch rund 180 Beschäftigte verbleiben. „Die Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar“, betonte Popp. Man werde nun um vernünftige Abfindungen kämpfen. Die Entlassungen seien „nicht absehbar“ gewesen“.

Michael Grundl, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in Oberfranken, sprach von einem „Skandal“, nachdem vor drei Jahren bereits 950 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Aufgrund von Fehlentscheidungen des Managements müssten nochmals knapp 200 Mitarbeiter das Werk verlassen. Er bezeichnete das Vorgehen als „unanständig“. Die Entlassungen seien um 15 Uhr auf einer Belegschaftsversammlung verkündet worden, „es sind Tränen geflossen“.

Die Bayreuther Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU) zeigte sich erschüttert über die Entlassungen. „Wir müssen alles dafür tun, damit über die Agentur für Arbeit bestmögliche Beschäftigungsalternativen gefunden werden können.“ Ein „Trost“ sei, dass rund 200 Arbeitsplätze erhalten bleiben und dass die Auszubildenden an gleichwertige Arbeitgeber vor Ort vermittelt werden. „In so einer Situation sehen wir, wie wertvoll unsere standorttreuen, mittelständischen und überwiegend familiengeführten Unternehmen sind. Diese müssen wir weiterhin tatkräftig unterstützen“, erklärte Brendel-Fischer. Nach Medienberichten plant BAT, weltweit 2300 Stellen abzubauen.