19. Juli 2019 - 01:26

Bayreuth: Geldstrafe für Pfefferspray-Polizist

Foto: red

BAYREUTH. Er hat sich von der Film-Branche losgesagt, aber das Image haftet an ihm. Christian G. (46) ist im richtigen Leben Polizeihauptmeister, hat aber auch in Serien wie K11 oder Rosenheim-Cops vor der Kamera als Polizist gestanden.


Als Künstlernamen hat er Chris van Varenberg gewählt, den Geburtsnamen des Hau-Drauf-Film-Stars Jean Claude van Damme. Und ausgerechnet bei einer friedlichen Feier im Juli vergangenen Jahres machte er diesem Namen alle Ehre: Ohne ersichtlichen Grund und ohne Vorwarnung versprühte er seinen ganzen Pfefferspray-Vorrat gegen russische Fußballfans. Dafür erhielt er vor dem Amtsgericht Bayreuth eine Geldstrafe von 7200 Euro. Richter Holger Gebhard rügte G., er habe „deutlich übers Ziel hinausgeschossen.“

Polizist kein unbeschriebenes Blatt

Das Urteil hätte härter ausfallen können. Die Staatsanwältin hatte ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert. Dies hätte das Ende der Polizei-Laufbahn von G. bedeutet, der wegen unerlaubten Munitionsbesitzes als vorbestraft gilt. Mehr als 100 Patronen wurden bei ihm im Keller seiner Wohnung in einem Schloss in der Fränkischen Schweiz gefunden.

Videos belegen Tathergang

Im Wesentlichen, so Richter Holger Gebhard, habe alles so stattgefunden, wie es angeklagt war. G.s Rambo-Einsatz am 1. Juli 2018 dokumentieren mehrere Videos, die auch dem Kurier vorliegen. Russen feierten den Einzug Russland ins WM-Halbfinale. Sie tanzten am Ring, direkt vor dem Rotmain-Center.

Wenige Sekunden, nachdem G. vor Ort und aus seinem Auto ausgestiegen war, ging er auf sie zu und sprühte los. Alles sei klar bewiesen, so der Richter. Handy-Videos zeigen eine friedliche Feier, hupende Autos und Fahnen schwingende Fußballfans. Andere Polizisten, die vor Ort waren, machten nur wenige aufmüpfige Fans aus, die allerdings schwer dazu zu bewegen waren, die Straße zu verlassen. Stattdessen gingen sie immer wieder auf die Straße und feierten dort weiter. Die Platzverweise nützten nichts.

Pfefferspray kein geeignetes Mittel

Trotzdem: Im bayerischen Polizei-Aufgabengesetz steht nichts davon, dass Pfefferspray ein geeignetes Mittel ist, um einen Platzverweis durchzusetzen. Außerdem sei es laut Richter Gebhard möglich gewesen, den Einsatz anzudrohen. Außerdem sei Pfeffer „unverhältnismäßig“ – auch nicht wenn es darum gehe, für einen reibungslosen Verkehr zu sorgen. Fazit des Richters: „Nicht vertretbar.“ Zumal keine Gefahr bestanden habe, auch nicht für den Polizisten selbst. G. hingegen hatte angegeben, er habe sich bedroht gefühlt. In seinen 29 Jahren im Polizeidienst sei dies einer seiner gefährlichsten Einsätze gewesen.

Revision steht noch im Raum

Aber selbst der Einsatzleiter (27) hielt den Einsatz des Sprays für nicht gerechtfertigt. Und so blieb G. der einzige Polizist, der solche drastischen Mittel einsetzte. Sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert. Ob er gegen das Urteil Revision einlegt, sei noch nicht sicher. Auch nicht sicher ist, ob G. weitere, nämlich dienstrechtliche Konsequenzen zu befürchten hat. Vor Gericht sagte G., der als Model arbeitete, als Stuntman, einen Ritterroman schreibt (Domschatten) und mit Nahrungsergänzungsmittel handelt und nach seiner Vorstrafe neu anfangen wollte: „Es tut mir leid.“