21. Oktober 2019 - 21:10

Untreue-Verdacht: Vorstand der Emtmannsberger Bank in Haft

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BAYREUTH. Ein Banker aus dem Landkreis Bayreuth steht unter Untreueverdacht. Der Mann soll nach Kurier-Informationen bei der Raiffeisenbank Emtmannsberg Gelder in Millionenhöhe in seine eigene Tasche umgeleitet haben. Stefan L. sitzt seit einigen Tagen in Untersuchungshaft. Kurier-Informationen über eine Durchsuchung in der Bank bestätigte am Montagabend Polizeisprecher Alexander Czech auf Anfrage.


Ermittler des Kommissariats für Vermögensdelikte und Buchprüfer rückten bei dem Kreditinstitut an und beschlagnahmten in dem Büro des Beschuldigten Unterlagen und Computer. Laut Polizeisprecher Czech wird das Verfahren von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Hof geführt. Demnach stehe ein Mitarbeiter der Bank in Verdacht, gegen den der Untersuchungsrichter auch Haftbefehl erlassen habe. Die Informationen der Polizei wiederum bestätigte danach der Vorstandsvorsitzende des Kreditinstituts auf weitere Anfrage.

Wie der Kurier erfuhr, handelt es sich bei dem beschuldigten Banker um Stefan L., einen von zwei Vorständen der Bank. Sein Name ist mittlerweile aus dem Impressum des Kreditinstituts gelöscht. Dass der Beschuldigte seines Postens enthoben wurde, bestätigte Emtmannsbergs Bürgermeister Thomas Kreil, der ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Bank ist. Der Verdacht auf die mutmaßlich kriminellen Vorgänge in der Bank sei durch interne Prüfung in der Bank bekannt geworden, die Bank habe Anzeige bei den Ermittlungsbehörden erstattet, sagte Kreil. Zur genauen Höhe der mutmaßlich veruntreuten Gelder nannten weder die Polizei noch der Vorstandsvorsitzende konkrete Zahlen. Der geschäftsführende Vorstand Jan Kalbitz erklärte am Dienstagmorgen: „Die genaue Summe steht tatsächlich noch nicht fest.“

Offenbar ist auch noch nicht endgültig klar, wohin das Geld umgeleitet wurde. Alles werde derzeit überprüft: Immobilien, Konten, Fahrzeuge. Nach Kurier-Informationen soll auch die Privatwohnung des Beschuldigten durchsucht worden sein. Der Vorstandsvorsitzende Kreil und der Vorstand Kalbitz erklärten zudem, sie seien von den Ermittlungsbehörden dringend gebeten worden, mit Informationen aus ermittlungstaktischen Gründen noch zurückhaltend zu sein.

Ursprünglich hatte der Bankvorstand geplant, im Interesse der Anleger, Mitglieder und Kunden mit den Vorgängen „transparent und offensiv“ umzugehen, sprich: eine detaillierte Erklärung zu dem Fall zu veröffentlichen. Diese Maßnahme, die den Gerüchten, dem Gerede und einem damit einhergehenden Vertrauensverlust entgegen wirken sollte, müsse nun noch ein paar Tage zurückgestellt werden.

Dann könne man womöglich klarer sehen, ob und wie viel von dem veruntreuten Geld gesichert werden könne. Dennoch, so versicherten sowohl Kreil als auch Kalbitz: Die Einlagen und Gelder der Mitglieder und Kunden seien nicht gefährdet, das Risiko eines möglichen Verlustes sei über genossenschaftliche Sicherungseinrichtungen zu 100 Prozent gedeckt.

Der beschuldigte Bankvorstand Stefan L. galt als äußerst beliebter Mann, sowohl bei Kollegen als auch bei Kunden. Die geschädigte Bank veröffentlichte im Jahr 2018 eine Bilanzsumme von 67 Millionen Euro. Sie hat rund 3000 Kunden.