Rock im Park 2019: Die Camping-Guerillas

Tim Lepke (28), Sancho (wollte partout nicht seinen Nachnamen sagen, 27), Linda Dietz (23), Alisa Wolfring (21). Die beiden sind die Zeltnachbarn der Mädels und haben ihnen am Donnerstag geholfen, bei strömenden Regen das Zelt aufzubauen. Foto: Lutz

NÜRNBERG. Bombastisches Wetter, gute Laune und viel Bier. Der Freitag lief bei Rock im Park hervorragend. Auch Alisa Wolfring (21) und ihre Freundin Linda Dietz (23) aus Bayreuth campen am Festivalgelände. Die Anreise am Donnerstagabend war allerdings beschwerlich. Viele fanden keinen Zeltplatz.


Durch die Wildnis führt der Weg, hin zu ihrem Lager. Das ist direkt im Wald. Einen Lendenschurz haben sie sich umgebunden… Nein, ganz so schlimm ist es nicht, wo Alisa und Linda ihr Zelt aufgeschlagen haben. Aber weit ab vom Schuss. Seit Donnerstagabend schlafen sie tatsächlich „in einem Busch“, sagen sie. Sie lachen aber trotzdem. „Die Anreise war der blanke Horror“, erzählt Linda, die zusammen mit Alisa in einem „bis zum Anschlag vollgepackten Auto“ angereist ist.
„Es war sehr regnerisch und chaotisch. Es gab einfach keinen Platz mehr am Campinggelände, viele sind herumgeirrt und wussten nicht, wo sie ihr Zelt aufstellen sollen. Es war super voll.“ Ihre Nachbarn, Sancho und Tim aus Esslingen, haben ihnen bei strömenden Regen geholfen, ihr Lager aufzuschlagen. Nun haben sich die vier angefreundet und werden auch die restlichen Festivaltage zusammen verbringen.
Alisa und ihre Freundin Linda haben ihr Zelt buchstäblich im Busch aufgeschlagen. Der Campingplatz war am Donnerstag heillos überfüllt. Beide sind dennoch bestens gelaunt und genießen das Festival. Foto: Lutz
Die Vorzeichen für das Festival standen nicht gerade gut – wenige Tage vor Beginn waren mehrere Bäume von Eichenprozessionzsspinnern befallen. Und obwohl die Stadt rund 100 befallene Bäume bis Donnerstag von den Krabbeltieren befreit hat, waren am Freitag erneut Bäume befallen, wie André Winkel, Pressesprecher vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum, im Kuriergespräch sagt. Er beruhigt allerdings: „Die betroffenen Bäume sind mit Flatterband abgesperrt. Dort ist das Camping auf eigene Gefahr. Dennoch muss man klar sagen: Es besteht bei Kontakt mit den Tieren definitiv keine Lebensgefahr.“
Alisa und Linda haben selbst aber keine befallenen Bäume gesehen und lassen sich die Laune davon nicht vermiesen. Ihr Highlight war am Freitagnachmittag die Band „Architects“. „Die haben wir schon achtmal gesehen“, erzählt Alisa, es ist ihre Lieblingsband. Die beiden Mädels sind gerne auf Festivals, denn es geht ihnen dabei nicht nur um die große Bandbreite an Bands, die bei Rock im Park aus unterschiedlichen Genres stammen. „Man lernt immer ganz interessante Menschen kennen“, sagt Alisa. An eine Geschichte erinnert sie sich ganz besonders: „Vor zwei Jahren hat uns ein Typ mit Honig ins Zelt gelockt und wir dachten, er sei Imker. Dabei wollte er uns nur anlocken, um uns Bier zu geben.“
Die Mädels sind am Wochenende vor allem an den Metal-Hauptacts interessiert. Sie wollen sich noch Amon Amarth anschauen, Arch Enemy und Slipknot. Die Bands spielen heute und am Sonntag.