22. Juli 2019 - 11:52

Pfeffereinsatz bei Russenparty: Polizist muss vor Gericht

Screenshot Augenzeugenvideo

BAYREUTH. Die Fußball-Party der Russen in Bayreuth hat ein gerichtliches Nachspiel – für einen Polizisten: Ihm wird gefährliche Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Christian G. (46) soll mehrmals und unverhältnismäßig Pfefferspray gegen russische Fans eingesetzt haben. Dem Kurier liegen Videos darüber vor.


Es war der 1. August 2018, die russische Mannschaft war bei der Fußballweltmeisterschaft gerade ins Achtelfinale eingezogen. Die Russen trafen sich zum Feiern kurz nach 19 Uhr unter der Brücke am Rotmain-Center. Sie schwenkten russische Fahnen, riefen „Russia“ und liefen auch auf die Straße. Autofahrer hatten deswegen die Polizei gerufen.

Alexej Dermer (34), der seit 1996 in Deutschland lebt, feierte mit. Damals erzählte er dem Kurier, dass er von der Straße geschickt wurde – und auch in Richtung Bürgersteig ging. „Plötzlich kam von hinten ein Polizist und hat gesprüht“, sagt Dermer. Und das „ohne Grund“.

Etwas Schwarzes

Von dem Vorfall liegen dem Kurier mehrere Videos vor. Darauf zu sehen ist die Szene, wie die Polizistin den Mann auf den Gehsteig schickt, wie er sich umdreht und in die befohlene Richtung geht. Und als er diesen schon fast erreicht hat, kommt von links hinter ihm ein Polizist mit Sonnenbrille, es könnte G. sein. In der erhobenen Hand hält er etwas Schwarzes hinter Dermers Kopf, bis der sich plötzlich wegdreht.

Auf einem weiteren Video ist zu sehen, wie er auf dem Gehsteig von einem Freund in Empfang genommen wird und sich die Augen wischt. „Ich habe nichts mehr gesehen“, sagt er. Noch am Tag danach habe er rote Augen gehabt. Weiter ist auf einem der Videos zu sehen, wie derselbe Polizist etwa eine halbe Minute später zu einem weiteren Fußballfan eilt, der auf der Straße seine Fahne schwenkt. Auch ihn besprüht er von hinten, ohne diesen vorher zu warnen oder anzusprechen. Auch er reibt sich die Augen.

Dermer sagte, er und seine Kumpels hätten mit den Polizisten nicht gestritten, was auf den Videos auch zu sehen ist. Allerdings zeigen diese auch nicht, was davor passiert ist.

Verhandlung am Dienstag

Den Fall überprüft hat eine Abteilung des Landeskriminalamtes in Nürnberg, wie in solchen Fällen üblich. Am nächsten Dienstag steht der Polizist vor dem Amtsgericht Bayreuth. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, ohne Warnung, einfach so, gegen mehrere der etwa 80 Fans Pfefferspray eingesetzt zu haben.

Ob das harte Vorgehen gerechtfertigt war, soll die Verhandlung zeigen. „Die Beweise dürften ergeben, dass es gerechtfertigt war für Polizei, Autofahrer und Fußgänger“, sagt sein Verteidiger Dieter Widmann aus Bamberg. Der Staatsanwalt hält es für unverhältnismäßig.

Ob Polizisten „unmittelbaren Zwang“, also etwa Pfefferspray oder Schlagstock einsetzen dürfen, regelt das Polizei-Aufgabengesetz ab Artikel 77. Pfefferspray gilt als „Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“. Dies muss laut Gesetz von einem Vorgesetzten angeordnet werden und darf die Menschenwürde nicht verletzen.

Weiter heißt es in dem Gesetz: „Unmittelbarer Zwang ist vor seiner Anwendung anzudrohen.“ Nicht angedroht werden muss die Maßnahme, wenn „die sofortige Anwendung des Zwangsmittels zur Abwehr einer Gefahr notwendig ist“. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnte G. dienstrechtliche Probleme bekommen.

G. ist eine eher schillernde Persönlichkeit. Unter dem Künstlernamen Chris van Varenberg ist er Schauspieler, er schreibt auch. Er schlüpfe gern in andere Rollen, sagte er vor etwa zwei Jahren dem Portal Nordbayern. Allerdings müssen sie zu ihm passen.

In einem Film auf dem Portal Youtube ist er in Action zu sehen: als Ritter.