24. Juni 2019 - 22:07

Windkraft ist seit der 10-H-Regelung klinisch tot

Die letzten sechs Rotoren im Kreis Bayreuth gingen im Juni 2017 in Betrieb: Der Windpark Creußen zwischen Unterschwarzach und Windischenlaibach wurde vor Inkrafttreten der 10-H-Regelung genehmigt. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH/KULMBACH. Der Ausbau der Windkraft in der Region steht seit rund zwei Jahren still. Ursache: Die umstrittene 10-H-Regelung der bayerischen Staatsregierung vom November 2014. Demnach müssen Rotoren einen Mindestabstand vom zehnfachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden haben.


Bei 200 Meter hohen Rotoren bedeutet dies einen Abstand von zwei Kilometern. Im Landkreis Bayreuth gibt es aktuell 49 Windräder mit einer Gesamtleistung von 124.500 Kilowatt. Ein weiterer Rotor ist genehmigt, aber noch nicht errichtet, erklärt Herbert Retzer, Pressesprecher im Landratsamt.

„Seit Einführung der 10-H-Regelung wurden keine Verfahren mehr durchgeführt“, fügt Retzer hin. Ein ähnliches Bild bietet sich im Landkreis Kulmbach. Dort sind 31 Windkraftanlagen in Betrieb, sie bringen eine Leistung von insgesamt 69.100 Kilowatt, erläutert Pressesprecher David Buchwald. Vier weitere Windkraftanlagen sind genehmigt, aber noch nicht gebaut. Gegen drei davon laufen Klagen. Neue Anträge liegen nicht vor.

Aktuell laufen 220 Rotoren

„Seit der 10-H-Regelung ist die Sache tot“, heißt es beim Regionalen Planungsverband Oberfranken-Ost in Hof. Die Kommunen könnten durch ihre Bauleitplanung zwar Ausnahmen dazu beschließen, doch wollten Bürgermeister und Gemeinderäte Ärger und Unfrieden vermeiden, erläutert Planungsverband-Geschäftsführer Leo Reichel.

Nach wie vor seien in Oberfranken-Ost zwölf Windkraft-Vorrangflächen ausgewiesen, aber diese fallen der 10-H-Regelung zum Opfer. In dieser Region gibt es laut Reichel aktuell rund 220 Windräder.

„So keine Energiewende“

Die 10-H-Regelung habe alle neuen Windkraftanlagen ausgeschaltet, bilanziert auch Harald Mild von der Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energiegenossenschaft Creußen. Die Genossenschaft betreibt derzeit drei Windkraftanlagen in der Region, die profitabel arbeiten und vor der 10-H-Regelung gebaut wurden. Die Genossenschaft will für 2018 Erlöse in Höhe von 220.000 Euro an die mehr als 500 Genossen ausschütten, kündigt Mild an.

Für neue Rotoren gebe es keine auf 20 Jahre festgeschriebene Vergütung für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom mehr, vielmehr müsse das Stromangebot an der Börse ausgeschrieben werden.

Die derzeitige Entwicklung findet Mild traurig: „Viele Bürger wollen keine Atomkraft, keine Windräder und keine neuen Stromtrassen.“ So könne man keine erfolgreiche Energiewende durchführen.

Sind Dächer eine Alternative?

Das Klimaschutzmanagement des Landkreises Bayreuth weist aktuell auf die Möglichkeit hin, private Dächer für Fotovoltaikanlagen stärker zu nutzen. In der Stadt und im Landkreis Bayreuth wurden insgesamt 153.000 Dächer untersucht, erläutert dessen Leiter Bernd Rothammel. Mehr als jedes zweite Dach war demnach für die Erzeugung von Sonnenstrom geeignet.

„Alleine mit diesen Dächern könnte man den Strombedarf in der Stadt und im Landkreis Bayreuth decken“, betont Rothammel. Während der Ausbau von Windkraft und Biogasanlagen gebremst würden, habe die Fotovoltaik auf Dächern ein großes Potenzial. Durch den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms rechne sich die Investition. Selbst wenn der Strom eingespeist werde, ergebe sich noch eine Rendite von rund zwei Prozent.


Info: Der Solarpotenzialkataster für Dächer in der Stadt und im Landkreis Bayreuth ist auf der Startseite von www.klima.landkreis-bayreuth.de zu finden. Hier kann man nach Orten und Straßen suchen.

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