26. Februar 2020 - 11:05

Suche nach Ursache: Wie kann ein Bub in einen Schacht fallen?

Der Schacht beim Ärztehaus in der Spinnereistraße, in den am 27. Mai ein Junge gerutscht ist. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Der rätselhafte Unfall eines einjährigen Buben, der in einen Schacht gefallen war, beschäftigt nach wie vor die Polizei. Mittlerweile hat sich auch der Bausachverständige Jürgen Öhrlein zu Wort gemeldet. Er fordert eine bessere Absicherung dieser gängigen Kontrollschächte.


Der Bub war am Montagnachmittag mit seinem Großvater in Bayreuth in der Spinnereistraße unterwegs. Der Kleine sei über die Abdeckung des Kontrollschachtes direkt am Gebäude des sogenannten Dok-Hauses gelaufen, teilte die Polizei mit. Aus ungeklärten Gründen sei die Abdeckung weggekippt und der Bub sei rund zwei Meter tief in den rund 30 Zentimeter breiten Schacht gefallen. Feuerwehrleute hatten den Kleinen geborgen, der mit dem Schrecken davongekommen war.

„Die Ermittlungen laufen“, sagte Harald Stadter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt, am Dienstag auf Anfrage. Die Polizei habe das Bauordnungsamt der Stadt informiert, das sich den Schacht anschauen wird. „Es ist das erste Mal, dass wir so einen außergewöhnlichen Fall haben“, betonte Stadter. Warum die Abdeckung nachgegeben hat, werde schwer nachvollziehbar sein. Dem Buben sei nichts passiert, habe sein Großvater mitgeteilt.

Bausachverständiger Öhrlein aus Mainleus (Landkreis Kulmbach) hatte die Nachricht über den ungewöhnlichen Unfall online gelesen und sich bei unserer Zeitung gemeldet. Er nannte den Vorfall „unbegreiflich“. Zum wiederholten Mal sei ein Kind in einen gängigen Opti-drän-Kontrollschacht gestürzt.

Ähnliche Fälle habe es vor Jahren bereits in Neustadt/Coburg und in Witten gegeben. „Es wäre für den Hersteller dieses Systems an der Zeit, im Oberteil des Schachtes eine automatische Sperre einzubauen, die vor solchen Unfällen schützt und nur zu Kontrollzwecken geöffnet werden kann“, forderte der Architekt und Diplom-Ingenieur (FH).

Ein verschließbarer Aluminiumdeckel sei die absolute Ausnahme und nicht praxisüblich. Der einfache Kunststoffdeckel sei leicht zu verschieben, wenn er nicht einrastet oder werde nach Jahren brüchig.

Öhrlein hat noch am Montagabend eine E-Mail an die Geschäftsführung der Fränkischen Rohrwerke in Unterfranken geschrieben, die der führende Herstellen dieser Systeme ist, und bat um schnelle Abhilfe. Der Kontrollschacht, der seit 1990 bei allen Neubauten vorgeschrieben ist, dient zum Spülen der Drainage, die um die Gebäude verlegt ist.

Üblicherweise ist an jeder Gebäudeecke ein entsprechender Schacht installiert. Beim Dok-Haus in der Spinnereistraße liegt der betreffende Schacht an der vorderen Gebäudeecke direkt am Mauerwerk. Die Fußgänger laufen auf einem gepflasterten Weg vorbei.

Eine Sprecherin der Fränkischen Rohrwerke sagte, man nehme den Vorfall sehr ernst und prüfe nun den Sachverhalt. Das Produkt sei inzwischen 30 Jahre alt, nur ein Vorfall sei seitdem bekannt.

Bayreuth: Kleiner Junge fällt in Kunststoffrohr am Doc-Haus