10. Dezember 2019 - 08:26

Rösterei am Liebesbier: Ein Schaf – verrückt nach Kaffee

Sie bringen das Crazy Sheep ans Laufen: Thomas Wenk, Barista und Röster Simon Bayer und Jeff Maisel (von links). Die Crazy Sheep Kaffeemanufaktur soll an die handwerkliche Tradition im Liebesbier in der Nachbarschaft direkt anknüpfen. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Eine Tradition lebt wieder auf: Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird es in Bayreuth wieder eine Rösterei geben, die über das Rösten für den Hausgebrauch hinaus geht. Eine Rösterei, die ein bisschen anders sein soll. Die das Thema Handwerk, das auf dem Areal des Liebesbier hoch gehalten wird, auf die Kunst des Kaffee-Machens überträgt.


Es ist die logische Fortsetzung der Idee, die ganz eng mit dem Brauen von Craft-Beer verbunden ist. Thomas Wenk und Jeff Maisel, die Macher hinter dem Liebesbier, haben diese enge Verbindung kennengelernt, als sie in Portland und Seattle waren, um sich Anregungen zu holen, als sie dabei waren, das Liebesbier aus der Taufe zu heben.

In der Heimat des Craft-Beers gibt „es überall kleine Kaffeeröstereien, wo wir Kaffee probiert haben. Und wo selbst ich gesagt habe, da schütte ich jetzt keine Milch rein“, sagt Jeff Maisel am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Unterschiedlichste Kaffee-Sorten und Röstungen, die die ganze Bandbreite des Geschmacks offenbart haben.

Kaffee auf jedem Niveau

Das neue Projekt soll genau das jetzt in Bayreuth umsetzen: „So, wie wir es mit Maisel & Friends mit dem Craft-Beer machen, wollen wir jetzt auf jedem Niveau einen trinkbaren Kaffee machen. Und zeigen, wie unterschiedlich der schmecken kann“, sagt Jeff Maisel.

Die Voraussetzungen dafür sind jetzt da. Zumindest in den Endzügen: Aus der alten Stapler-Werkstatt der Brauerei Gebrüder Maisel ist in den vergangenen gut neun Monaten ein üppig verglastes Gebäude am Ende des Parkplatzes des Liebesbier geworden. Verpackt in Kisten stehen die Teile für die Rösterei vor dem Laden, der Werkstatt und Ort für die Verkostung der unterschiedlichen Kaffees werden soll, wie Thomas Wenk sagt.

30 Kilo Fassungsvermögen hat die Rösttrommel

Die letzten Lampen, wie sie auch in Industriehallen hängen könnten, werden am Dienstag noch montiert, die Regale aus Rohstahl werden noch geschweißt und bald angeliefert. Wenn die Röstmaschine mit 30 Kilo Fassungsvermögen in dieser Woche steht, kann so langsam auch der Kaffee ins Lager geliefert werden.

Und Simon Bayer (24) kann seine Arbeit aufnehmen. Kaffeeröster und Barista ist der Erlanger, der mit „der Rösttrommel bereits ein Geschäft mit aufgezogen“ hat, wie er sagt. Seine Liebe zum Kaffee hat der Röster „vor fünf oder sechs Jahren entdeckt“, wie er sagt. „Zum Beruf habe ich es vor dreieinhalb Jahren gemacht.“

Besondere Mischungen – Blends – will Bayer ebenso rösten wie sortenreine Spezialitäten. Kaffee, der sich für Vollautomaten wie auch für Siebträger-Maschinen oder herkömmliche Kaffeemaschinen anbietet, die gerade wieder eine Renaissance erleben.

Handwerklich brauen, backen und rösten

Da in der direkten Nachbarschaft handwerklich gebraut und auch das Brot selber gebacken wird, soll sich das Handwerk des Kaffee-Röstens auch im Namen fortsetzen. Einem mit Augenzwinkern und einer Geschichte, die wachsen soll: Crazy Sheep Kaffeemanufaktur wird der Laden heißen. „Eigentlich wollten wir ja das schwarze Schaf unter den Kaffee-Röstern sein, aber wir fanden, das verrückte Schaf passt noch besser zu uns“, sagt Wenk.

Ein Berliner Künstler entwirft gerade die Figur, wird das Crazy Sheep als Streetart auf die Wände der Rösterei bringen. „Das verrückte Schaf soll leben und die Geschichte erzählen. Es wird zum Beispiel im Flieger sitzen, nach Kolumbien fliegen und die Welt des Kaffees mit uns entdecken“, sagt Maisel.

„Wir nehmen das Thema Kaffee sehr ernst“, sagt Jeff Maisel

Der geplante Comic mit dem Schaf ist die lockere Seite. Allerdings: „Wir nehmen das Thema Kaffee sehr ernst“, sagt Maisel. Das manifestiert sich in der Investition von rund 200.000 Euro – zum Großteil in die Technik. In den Blends und Röstungen, die Simon Bayer für Crazy Sheep entwickelt hat. Ebenso wie im Wunsch, Herkunft des Kaffees und die Arbeitsbedingungen in den Plantagen zu kennen.

Geplant ist ein Projekt, das über Verbindungen zwischen der Bayreuther Uni und der Stadt Goldkronach zustande gekommen ist, mit kolumbianischen Kaffeebauern aus Falan. „Das Ziel ist, Kaffee in Bio-Qualität zu haben. Von Bauern, die wir ebenso kennen wie ihr Konzept und von denen wir wissen, dass auf deren Plantagen keine Kinder arbeiten“, sagt Maisel. Und den Bauern dort auch auf lange Sicht eine Perspektive geben.

Zehn Tonnen Kaffee im ersten Jahr

Zehn Tonnen Kaffee sollen im ersten Jahr im Crazy Sheep geröstet werden. „Im ersten Schritt würden wir uns freuen, wenn wir die Bayreuther Kaffeehäuser beliefern könnten. Wir wollen auch in den lokalen Handel gehen.

Langfristig allerdings denken wir deutlich größer“, sagt Maisel. Mehr Kaffee – und vielleicht auch mehr Platz. Zum Beispiel für ein Museum – um Thomas Wenks Leidenschaft für italienische Gastronomie-Kaffeemaschinen öffentlich zeigen zu können. In den vergangenen Jahren hat er die nach seinen Aussagen bundesweit größte Sammlung zusammengetragen.