17. August 2019 - 10:37

Petri Kujala im Interview: „WM-Titel für Finnland keine Sensation“

Gelassenheit statt überbordende Euphorie: Tigers-Trainer Petri Kujala bleibt sich auch in der Stunde des überraschenden WM-Triumphs seines Heimatlandes Finnland treu. Foto: Jan Hübner

EISHOCKEY. Während man sich in Helsinki gerade schwertut, nach den Feierlichkeiten zum dritten WM-Titel der finnischen Nationalmannschaft wieder zur Normalität zurückzukehren, hat man 1700 km südwestlich der finnischen Hauptstadt so gar kein Problem damit. Dort, im mittelfränkischen Hiltpoltstein, im Hause von Petri Kujala, dem finnischen Trainer der Bayreuth Tigers, wird Gelassenheit ohnehin großgeschrieben. Und auch der größte sportliche Erfolg seines Heimatlandes seit 2011 hat die Welt des 48-Jährigen nicht aus den Angeln gehoben. Was nicht nur seinem Naturell geschuldet ist, sondern auch der Tatsache, dass er den Titelgewinn seiner Löwen durchaus als mögliche Option auf dem Schirm hatte.


Als der dritte WM-Titel für Finnland unter Dach und Fach war, wie ist das im Hause Kujala aufgenommen worden? Eher typisch finnisch? Oder haben Sie und Ihre Familie einen Autokorso durch Hiltpoltstein gestartet?

Petri Kujala: Ehrlich gesagt bin ich im zweiten Drittel eingeschlafen. Ich war todmüde. Aufgewacht bin ich dann so um ein Uhr und hab nachgeschaut, wie es ausgegangen ist…

Nicht wahr! Und dann? Wie war Ihre Reaktion?

Kujala: Ich habe mich gefreut.

Ok, immerhin. Wie muss man sich denn die Stimmung in Finnland vorstellen? Eher so wie in Hiltpoltstein oder geht der in Finnland lebende Finne dann schon etwas mehr aus sich heraus?

Kujala: Absolut. In Helsinki waren Hundertausende unterwegs, es gab Autokorsos und alles, was da sonst noch dazugehört. Das ist ganz ähnlich wie in Deutschland, wenn die Fußballer Weltmeister werden. Die Bedeutung dieses Titels ist durchaus vergleichbar.

Hat Sie die finnische Mannschaft ebenso überrascht wie die breite Öffentlichkeit, oder haben Sie mit dem großen Wurf irgendwie gerechnet?

Kujala: Ich habe jetzt nicht unbedingt damit gerechnet, aber eine Sensation ist es für mich auch nicht. Wenn du es erst einmal unter die besten acht Teams geschafft hast, entscheiden Kleinigkeiten. Da kann wirklich alles passieren. Und letztlich reichen dir ja auch drei gute Drittel, um Weltmeister zu werden.

Überraschend war aber schon, wie sich die Finnen gegen Mannschaften behauptet haben, die wesentlich mehr Spieler aus der NHL dabei hatten, beispielsweise die Russen oder die Kanadier.

Kujala: Das ist das, was man von dieser Weltmeisterschaft mitnehmen kann, dass die anderen nationalen Topligen gar nicht mehr so weit weg von der NHL sind. Auch die deutsche Mannschaft hat das sehr eindrucksvoll bewiesen.

Noch einmal kurz zurück zur finnischen. Was war der Schlüssel zum Erfolg – mannschaftliche Geschlossenheit oder herausragende Individualisten wie der so brillante Torhüter Kevin Lankinen oder Kapitän Marko Anttila, der im Halbfinale gegen Russland das entscheidende und im Finale gegen Kanada zwei Tore erzielt hat?

Kujala: Auf jeden Fall die mannschaftliche Geschlossenheit. Anttila hat ja in der vierten Reihe gespielt, und alle vier Reihen und auch alle Verteidiger haben in etwa die gleichen Eiszeiten bekommen. Die Finnen sind da immer mit dem vollen Ballett aufgelaufen und haben das bis zum Schluss durchgezogen. Also ganz klar, es war die Geschlossenheit, die zum Erfolg geführt hat.

Können Sie von der WM etwas für die neue DEL2-Saison mitnehmen?

Kujala: Es ist hier nichts neu erfunden worden. Es gibt Sachen, die funktionieren. Und es gibt Sachen, die funktionieren nicht. Vielmehr als ich als Trainer können aber die Spieler etwas mitnehmen…


Das gesamte Interview lesen Sie am 28. Mai 2019 in unserer Zeitungsausgabe.