21. Oktober 2019 - 13:41

Messerstich am Rotmain-Center: Staatsanwalt beantragt fünfeinhalb Jahre

Tatortermittlung in der Spitalgasse. Foto: Markus Roider

BAYREUTH. Ein 19-jähriger, der auf der Fußgängerbrücke des Rotmaincenters einem anderen Mann ein Messer in die Brust gerammt haben soll, soll wegen versuchten Totschlags für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Das beantragte Staatsanwalt Jochen Götz am Dienstag. Verteidiger Helmut Oertel plädierte auf Freispruch.


Die Besonderheit des Falls: Dem Messerstich am 29. September gegen 20 Uhr hat niemand gesehen – oder niemand wollte ihn gesehen haben. Selbst das Opfer, ein 20-Jähriger, glaubte zunächst, er sei von dem Angeklagten geschlagen worden. Und: Ein Tatmesser wurde in dem Fall nie gefunden.

Dennoch hatte das Opfer eine tiefe Messerwunde an der linken Seite des Brustkorbes. Der Stich hatte die Milz verletzt, ohne eine Notoperation wäre das Opfer gestorben, erklärte ein Gutachter in dem Verfahren.

Die Beweisaufnahme vor der Jugendkammer des Landgerichts erbrachte dies: Der Angeklagte und das Opfer kannten sich. Beide sind junge Flüchtlinge aus Afghanistan. Eine Zeugin berichtete, die jungen Männer seien früher sogar Freunde gewesen.

Der 20-Jährige lebte zum Zeitpunkt der Tat mit Freunden in einer Art Wohngemeinschaft. Der Angeklagte lebte allein, absolvierte sogar eine Ausbildung. Beide sprechen relativ gut deutsch.

Archivbild

Weder Opfer noch Zeugen sahen das Messer

Am 29. September hatten der 20-Jährige und drei Freunde Alkohol getrunken, nach den später festgestellten Alkoholwerten war der 20-Jährige am stärksten betrunken.

Im Rotmaincenter, gegen Ladenschluss, begegneten er und seine Freunde zwei deutschen Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren. Man kannte sich.

Die jüngere der beiden Frauen sagte als Zeugin aus, dass das spätere Opfer im Rotmaincenter auf sie zugekommen sei: „Er wollte, dass ich mitkomme. Er wollte mit mir reden. Aber ich wollte nicht.“

Hier auf der Brücke am Rotmaincenter soll es zum Streit gekommen sein. Foto: Markus Roider

Dann folgte der Auftritt des Angeklagten, der an jenem Abend „nicht gut drauf“ und mit etwa ein Promille ebenfalls angetrunken war. Er ging dem 20-Jährigen hinterher, laut dessen Aussage und laut den Aussagen seiner Freunde kam es auf der Brücke zu einem Streit, bei dem der 20-Jährige den 19-Jährigen wegschubste. Daraufhin soll der 19-Jährige in die Tasche gelangt haben und dem 20-Jährigen das Messer mit einer Bewegung in die linke Körperseite gestochen haben.

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Den kompletten Bericht lesen Sie in der Druckausgabe des Nordbayerischen Kuriers am Mittwoch, 29. Mai.