Jugendarbeit: Von der Ruine zum Treffpunkt

WAISCHENFELD. So sieht der Raum aus, aus dem der Burschenverein einen modernen Jugendraum machen will. Die reinen Materialkosten liegen bei über 12 000 Euro. Fotos: red

WAISCHENFELD. Junge Männer aus dem Burschenverein stellten am Dienstag im Stadtrat ihre Vision für den Jugendraum vor. Der Raum braucht an vielen Stellen eine Frischzellenkur.


Dominik Braun und Yannick Haas stehen in der alten Grundschule in Waischenfeld in einem Raum, der aussieht wie eine Ruine. Die beiden unterhalten sich darüber, was an dem Raum alles gemacht werden muss. Und: Sie bereiten sich auf ihre Präsentation im Stadtrat vor.

Braun, 22 Jahre alt und ebenso wie Haas, 24, im Burschenverein, erzählt: „Wir kamen zu dem Raum, als die Grundschule hier raus ging und in das Gebäude gegenüber zog.“ So sei der ehemalige Werkraum freigeworden, der dann häufig vom Burschenverein und der Stadtratsliste Junges Waischenfeld genutzt wurde. Auch der vor einigen Jahren aufgelöste Jugendstadtrat traf sich oft in der ehemaligen Grundschule.

Verschimmelte Wände, alte Elektrik

Dass der Raum nun so aussieht, läge hauptsächlich am Schimmel, so Braun: „Hier drückt viel Feuchtigkeit rein. Nicht nur in den Wänden, sondern auch im Boden und den Fensterlaibungen.“ Außerdem, so Haas, sei die Elektrik sehr alt. „Bei so einem Altbau kommt dann halt irgendwann alles zusammen.“

Deshalb hoffen die jungen Leute darauf, dass die Stadt ihnen bei der Renovierung des Raumes unter die Arme greifen kann. „Natürlich können wir auch einen Teil übernehmen“, sagt Dominik Braun. „Wir haben ja auch schon Geld und Arbeit reingesteckt.“ Die Ausgaben laufen bisher über den Burschenverein, der über das Jahr durch die Bewirtung und Ausrichtung von Festen seine Einnahmen erwirtschaftet. „Wenn der Stadtrat entscheidet, dass die Stadt nicht alles übernimmt, dann wird der Rest am Verein hängen bleiben“, sagt Braun.

Den Raum wollen sie für die Jugend bereitstellen. „Natürlich“, sagt der 22-Jährige, „wollen wir mit dem Burschenverein hier unsere Sitzungen abhalten. Junges Waischenfeld wird hier rein gehen und der Musikverein kann hier Gäste einquartieren.“ Außerdem soll der Raum für private Feiern vermietet werden.

Unappetitliche Bilder

Knapp eine Stunde nach dem Treffen im Jugendraum sitzen vier junge Männer vom Burschenverein in der Stadtratsitzung, um ihre Idee für den Werkraum der ehemaligen Grundschule vorzustellen. In ihrer Präsentation zeigen sie den Stadträten auch teils unappetitliche Bilder vom Zustand des Jugendraumes. „Wir wollen den Jugendraum wieder attraktiv machen“ – das ist die Botschaft.

Dass das bitter nötig ist, erklärt Dominik Braun. „Der Raum, wie er ist, ist ungemütlich, der Schimmel ist gesundheitsgefährdend.“ Außerdem sei die Bausubstanz in die Jahre gekommen: Außenwand, Boden, Decke und die Heizung bräuchten über kurz oder lang eine Auffrischung. Gegen den Schimmel sollen Isolierplatten an der Innenseite der Außenwand helfen. Für den kaputten Boden stellen die jungen Leute drei Optionen vor, von denen Gussasphalt die effektivste – aber auch die teuerste – Variante wäre. Am Ende wären für diese 12.300 Euro reine Materialkosten fällig.

Einstimmig angenommen

Nach der Präsentation stellt Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) die entscheidende Frage: „Habt ihr denn eine Vorstellung davon, was ihr von uns erwartet?“ „Wenn du so fragst, dann 12.300 Euro“, sagt Braun lachend, „aber um die 10.000 Euro wären schon gut.“

Pirkelmann ist damit zufrieden: „Wenn man nur das für seine Jugend ausgeben muss, dann ist man gut dran.“ Gegenwind kommt nur von SPD-Stadtrat Udo Lunz: „Ich finde die Vorgehensweise befremdlich. Andere Vereine stellen ihre Anträge früher. Wir wurden überrumpelt.“

Er plädierte dafür, den Antrag in nicht öffentlicher Sitzung zu beraten und dann zu entscheiden. Dem widersprach Franz Schroll (CSU): „Wir haben schon ganz andere Sachen in einer Sitzung beschlossen.“ Am Ende schlug Pirkelmann vor, über eine Förderung von 12.000 Euro abzustimmen. Die wurde dann auch bewilligt – einstimmig.

Gerade diese Einstimmigkeit sollte als Wertschätzung der Arbeit des Burschenvereins verstanden werden, so Pirkelmann. „Ihr macht das klasse.“