Auf dem Holzweg


Leicht brennbar, instabil und pflegeintensiv? Vorurteile gegen Holzhäuser halten sich hartnäckig. Höchste Zeit, damit aufzuräumen.


Brennen Holzhäuser leichter ab?

Bei Holz denken viele an Feuer. „Dabei ist der Baustoff Holz im Brandfall sogar von Vorteil. Wenn es Feuer fängt, bildet es außen eine Kohleschicht, die den Kern schützt. So bleibt es länger stabil“, sagt Stefanie Binder von der BHW Bausparkasse. Verkohlte Balken tragen auch dann noch, wenn Stahlträger längst geschmolzen sind. Wie lange ein Holzbalken zum Abbrennen braucht, können Feuerwehrleute abschätzen. Das macht die Löscharbeiten vergleichsweise sicher. Und: Nach einem Brand sind Holzhäuser seltener einsturzgefährdet.

Sind Holzhäuser weniger langlebig?

Holzhäuser seien kurzlebiger als Häuser aus Stein oder Beton, heißt es. Der beste Gegenbeweis: In Norwegen und der Schweiz stehen Holzhäuser, die mehr als 800 Jahre alt sind. Das „Vindlausloftet“ gilt als das älteste Holzhaus Europas, Baujahr: 1170. „Die Stabilität von Holzhäusern zeigt sich auch an neuester Architektur“, so Binder. In Städten wie Heilbronn, Wien und Tokio werden heute sogar Wolkenkratzer aus Holz gebaut. In Verbindung mit Beton spricht man dabei von Holz-Beton-Hybridbau.

Ist Holz anfällig und pflegeintensiv?

So lautet ein gängiges Vorurteil. Was viele nicht wissen: Schädlinge brauchen zum Überleben Holz mit viel Feuchtigkeit, doch moderne Holzhäuser werden mit technisch getrocknetem Holz gebaut, das Schädlingen keinen Nährboden bietet. Viele moderne Holzhäuser haben eine verputzte Fassade – sie muss nicht häufiger gestrichen werden als die anderer Häuser. Ist die Fassade mit Holz verkleidet, kann man sie auch ganz unkompliziert vergrauen lassen. Mit den Jahren erhält sie Patina und einen rustikalen Charme. Stefanie Binders Fazit: „Holzhäuser haben keinen größeren Pflegeaufwand als Häuser in anderer Bauweise.“