14. Dezember 2019 - 02:07

Sanierung in Bindlach: Noch eine Chance für denkmalgeschützte Häuser

Kaputte Fassaden an den denkmalgeschützten Häusern in Bindlach. Foto: Ralf Münch

BINDLACH. Geplant wird schon seit mehr als zehn Jahren. Deutlich mehr als zehn Jahren. Eine Spanne, in der der Zahn der Zeit an einem Stück Bindlacher Identität nagt. Jetzt hat sich der Gemeinderat zu einem weiteren Planungsschritt durchgerungen, um die Sanierung der denkmalgeschützten Häuser Bad Bernecker Straße 1 und 3 anschieben zu können. Eine Untersuchung im Rahmen des Kommunalen Denkmalschutz-Konzepts (KDK), die allerdings erneut Zeit – und etwas Geld – kosten wird.


Richtig glücklich sind die Bindlacher Gemeinderäte nicht, wie im Verlauf der Diskussion deutlich wird. So mancher – wie Helmut Steininger (SPD) – wünscht sich, der Bagger hätte sein Werk schon vor Jahren vollbracht. Zumindest, sagt Steininger, wäre es „für die Fußgänger“ sicherer, man würde zumindest eins der Häuser wegreißen. Und man müsste sich nicht Gedanken darüber machen, wie man mit den Häusern umgehen müsse, die seit Jahren dem Verfall geweiht sind.

Dagegen steht jedoch: der Denkmalschutz. Und der will jetzt Wege aufzeigen, wie man doch noch eine Lösung – eine Wiedererweckung – der beiden gemeindlichen Denkmäler finden könne. Kommunales Denkmalschutz-Konzept heißt der Weg, den Thomas Gunzelmann von der Außenstelle des Landesamts für Denkmalpflege in Schloss Seehof dem Gemeinderat vorschlägt.

Die letze Patrone im Colt

„Ein relativ neues Angebot, das es erst seit rund drei Jahren gibt“, wie Gunzelmann sagt. Und das auf drei Modulen aufbaut: Man müsse die Denkmalwerte erfassen, anschließend eine Planung erstellen und zum Schluss einen Weg zur Machbarkeit – zur Umsetzung – finden.

Die ersten beiden Schritte könnten recht schnell erledigt werden und würden nach Gunzelmanns Schätzung zwischen 10.000 und 12.000 Euro kosten, „die mit 60 Prozent bezuschusst werden“, wie Gunzelmann sagt. Ziel: „Wir wollen natürlich so viel erhalten wir möglich“, sagt Gunzelmann. Um das KDK anzuschieben, das zum Teil auf den Anregungen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (Isek) aufbaue, das es für Bindlach schon gibt, „brauchen wir aber einen Gemeinderatsbeschluss“.

Der dritte Bürgermeister Werner Hereth (SPD) warnt: „Nur Verzögerungstaktik bringt nichts.“ Man habe den Bürgern „schon viel versprochen“ – entsprechend müsse auf dem Gelände mal was weitergehen. Gunzelmann wird deutlich: „Das ist die letzte Patrone, die sie für die beiden Objekte im Colt haben. Jetzt kann man noch was machen.“

Bis Ende des Jahres, schätzt Gunzelmann, könnte das KDK mit den Voruntersuchungen und inklusive der Machbarkeitsstudie eingetütet sein. Und auf Nachfrage des CSW-Fraktionsvorsitzenden Werner Fuchs, dass es ja Ideen aus dem Isek längst gebe, stellt Gunzelmann die Gegenfrage: „Warum sind die Ideen dann nicht längst umgesetzt? Wenn man weiß, was man will, geht das auch ohne KDK, aber dann wäre die Gemeinde auf sich allein gestellt. Ich habe den Eindruck, dass keiner so recht weiß, was man damit anfangen kann und will.“

Häuser sind identitätsstiftend für Bindlach

Das KDK stehe auch den Plänen, im rückwärtigen Bereich der Grundstücke ein betreutes Wohnen zu bauen, nicht im Weg, wie Gunzelmann auf Frage des Bürgermeisters Gerald Kolb (WG) sagt. „Auch wenn das schon ein wuchtiger Kasten ist, der die Nutzung auf dem Grundstück beschränkt, aber dem werden wir keine Steine in den Weg legen.“

Gleichwohl halte er daran fest: „Die beiden Häuser sind identitätsstiftend für Bindlach.“ Zur Enttäuschung der Denkmalschützer habe man allerdings schon vor Jahren massive Abstriche machen müssen, weil für den alten Ortskern einst Ensembleschutz gegolten habe. „Das haben wir schon streichen müssen.“ Was Gunzelmann unmissverständlich klarmacht, als Hereth fragt, ob nichts tun auch eine Lösung wäre: „Eine Abrisserlaubnis kriegen sie nicht.“

Die Anregung Kolbs, vom Planungsbüro, das für das Isek zuständig ist, eine entsprechende Beschlussfassung für die nächste Sitzung ausarbeiten zu lassen, will Stefanie Kolanus (CSU) nicht abwarten. Sie regt einen sofortigen Beschluss als Anstoß für das KDK an. Den fasst der Gemeinderat schließlich mit den vier Gegenstimmen aus der SPD.