Reporter im Selbstversuch: Wie lange hält man es im aufgeheizten Auto aus?


WIRSBERG, LANDKREIS KULMBACH. Unser Oberfranken-Reporter hat bereits 2015 den Selbstversuch gemacht. Unter medizinischer Überwachung hat er sich in der Mittagssonne ins Auto gewagt. Schon nach 20 Minuten streikten die technischen Geräte und der Versuch musste bei 60 Grad durch einen Sanitäter abgebrochen werden. Bitte nicht nachmachen! Die Versuchsperson ist ein erwachsener Mann mit relativ viel Körpermasse. Ein Kind oder ein Hund kapitulieren sicherlich noch früher.


Fast täglich erreichen uns Meldungen über eingeschlossene Kinder oder Hunde in überhitzten Autos. Nicht selten reagieren die Eltern oder Tierbesitzer mit Unverständnis, wenn die Scheiben eingeschlagen werden. Um zu beweisen, wie dramatisch es sein kann, machten wir den Selbstversuch. Kurz nach 14 Uhr ging es los. Unter ständiger Aufsicht und ausgerüstet mit Blutdruck – und Pulsüberwachung stieg der Reporter ins Auto. Natürlich standen auch kalte Getränke, Sonnenschirm, Wasserschlauch und die obligatorischen Reporter24 – Eimer (ColdWaterChallenge) bereit.

Zwar haben wir bereits mit 30 Grad angefangen, doch wenn man bedenkt, wie dramatisch die Lage nach 20 Minuten war, kann man erahnen, was eine halbe Stunde oder gar eine ganze Stunde anrichten kann. Der Hund aus Pegnitz (wir berichteten) war weit über eine Stunde im Fahrzeug. Wie lange er schon der drehenden Sonne ausgesetzt war, ist unklar.

0000_30gradZeitpunkt: 00,00 Minuten, 30 Grad

Außerhalb des Fahrzeugs herrscht eine Temperatur von genau 30 Grad im Schatten. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen und schon jetzt treibt es allen Mitwirkenden den Schweiß auf die Stirn.

 


37Zeitpunkt: 03,17 Minuten, 37 Grad

Schon nach gut drei Minuten stieg das Thermometer um sieben Grad an. Schon jetzt war allen klar: Lange kann das nicht gut gehen. Der Reporter trug kurze Hose und T-Shirt. Das Schwitzen war ihm also möglich. Ein Hund oder ein in den Kindersitz geschnalltes Baby hat es da schon schwerer.

 

 


395Zeitpunkt: 04,57 Minuten, 39,5 Grad

Keine fünf Minuten waren vergangen, da stieg die Temeratur im Opel auf knapp 40 Grad. Der Reporter schwitzte, konnte aber noch lächeln. Doch der rasante Anstieg machte allen Beteiligen bereits jetzt Sorgen.

 


rrZeitpunkt: 06,00 Minuten, 40,7 Grad

Schon nach sechs Minuten waren erste Konzentrationsschwächen zu verzeichnen. Das Lösen von Rechenaufgaben gestaltete sich schwierig und der Pulsschlag war bereits an der Schläfe zu sehen.


42Zeitpunkt: 07,25 Minuten, 42 Grad

Nach etwas mehr als sieben Minuten erreichten wir bereits 42 Grad. Der Blutdruck ging langsam herunter und der Puls stieg an. Obwohl der Reporter sonst eher hohen Blutdruck hat (im Durchschnitt etwa 140-150 systolisch), erreichte eine erste Messung einen Wert von 130/70, Tendenz sinkend. Beim Puls genau anders herum.


rrrZeitpunkt: 09,00 Minuten, 44,2 Grad

Noch immer unter der 10-Minuten-Marke, wo viele Eltern sagen: „Ich war doch nur kurz im Supermarkt“. Die Pupillen werden kleiner und glasig. Die Haut schwitzt, was das Zeug hält und der Reporter hat eigentlich keine Lust mehr Fragen von außen zu beantworten.

 


rrrr Zeitpunkt: 10,00 Minuten, 45,6 Grad

Kollegen und Jugendabteilung haben Spaß vor dem Auto und erfrischen sich mit dem Gartenschlauch. Dem Reporter bleibt nichts weiter übrig, als neidisch nach draußen zu sehen, wo es deutlich kühler scheint.

 


465Zeitpunkt: 10,52 Minuten, 46,5 Grad

Die 10-Minuten-Marke ist geknackt. Nach knapp elf Minuten herrschen nun über 46 Grad. Erste Kopfschmerzen sind zu verzeichnen. Die Lippen trocknen aus und der Reporter hat starke Mundtrockenheit.

 


50Zeitpunkt: 13,49 Minuten, 50 Grad

Noch keine viertel Stunde, aber das erste Thermometer gibt auf. Nach knapp 14 Minuten erreichten wir die 50-Grad-Marke und mussten auf ein digitales Thermometer umstellen. Unserem Reporter ging es derweilen wirklich schlecht. Die Kopfschmerzen nahmen zu und er tropfte am ganzen Körper.


54Zeitpunkt: 15,30 Minuten, 54 Grad

Über 15 Minuten – Es wird langsam schwierig, aus dem Kollegen vernünftige Sätze herauszubekommen. Er will nicht mit uns reden, wirkt müde. Sein Blutdruck sinkt weiter ab und der Puls steigt.

 


58Zeitpunkt: 19,02 Minuten, 58 Grad

Kurz vor dem selbst gesetzten Maximum von 20 Minuten. Die Kopfschmerzen werden unerträglich, der Puls pocht sichtbar an der Stirn und am Hals. Der Reporter ist kaltschweißig.

 


iphoneZeitpunkt: 21,12 Minuten, 60 Grad

Abbruch – Sämtliche technische Geräte haben den Geist aufgegeben. Das digitale Thermometer und das Iphone zeigen „Error“ an. Die Metallschließen am Blutdruckmessgerät sind so heiß, dass die schon Brandnarben hinterlassen. Der Blutdruck droht unter 100 zu sinken und der Puls steigt auf 150 an. Ein Sanitäter bricht das Experiment ab.

 


 Das Fazit nach über 20 Minuten

Die ersten Worte nach der Erfrischung: „Wer sein Kind oder Haustier auch nur wenige Minuten im Auto lässt, der gehört sich angezeigt“. Mit diesen Worten kapitulierte unser Reporter am Samstagnachmittag. Das Auto stand nur 20 Minuten in der Sonne, aber der menschliche Körper und die technischen Geräte konnten das nicht aushalten. Wenn ein Autofenster dabei einen Spalt geöffnet ist, so macht das nicht viel Unterschied. Die aufgeheizte Luft an der Karosserie rund um das Fahrzeug bringt keine Frischluft. Es fehlt auch die Zirkulation. Es besteht höchste Lebensgefahr!

Auch am Abend hatte unser Reporter noch mit den Folgen zu kämpfen. Gegen 21 Uhr hatte er noch immer Kopfschmerzen und das Gefühl „einer glühenden Haut“, wie er es beschrieb. Doch einen Sonnenbrand hat er nicht. Ein Mediziner beschrieb die Symptome als eine so genannte Hyperthermie. Dennoch bereut es der Kollege nicht:

Wenn auch nur eine Mutter oder ein Hundebesitzer dadurch zum Nachdenken animiert wird, dann waren es die Qualen wert! (Markus Roider)

kopf0
Schnelle Abkühlung war notwendig. Fotos: Reporter24|Hietsch

Weitere Fotos im Facebook-Album des Reporters.

Es sind gerade diese Tage und Vormittage, wo es eben noch nicht so extrem heiß ist. Viele Eltern unterschätzen dann die gewächshausähnlichen Fähigkeiten ihres Autos. Denn wird der Wagen mit dem Kind in praller Sonne abgestellt, kann es schon nach wenigen Minuten zu spät sein. Dokumentiert sind beispielsweise Tragödien, in denen Kinder bereits nach 15 Minuten in einem heißen Wagen tot waren. Für unseren Reporter keine Überraschung, er erlebte es am eigenen Körper, wie schnell die Vitalwerte sinken.

Die Folge: Hitzschlag! – Der Mediziner spricht von einer Hyperthermie. Es besteht in wenigen Minuten absolute Lebensgefahr. Im erhitzten Auto nimmt der Körper eines Kindes dreimal so viel Energie auf wie wenn es bei 33 Grad draußen in der prallen Sonne steht oder gar noch spielt. Durch Transpiration und Atmung kann aber gerade ein Viertel der zugeführten Energie wieder abgeführt werden – ein Grund dafür ist auch die fehlende Luftbewegung im Auto.

Gerade Kinder haben im Vergleich zu Erwachsenen eine relativ geringe Oberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen. Die Verdunstung kühlt daher schlechter, auch ist die Wärmeabsorption höher.

Weitere ungeahnte Gefahren

Ein weiteres Risiko wird von Eltern und Tierhaltern gleichermaßen unterschätzt. „Die fünf Minuten jetzt beim Bäcker – da passiert ja nichts“. Doch weit gefehlt. Wenn der Autofahrer selbst in eine Notsituation kommt, sei es durch einen Unfall, Kreislaufkollaps oder sonstige Einflüsse, so weiß dann niemand, dass vielleicht ein Hund oder gar ein Kind in höchster Not sein kann.

Hitzeknast Auto – Lebensgefahr für Mensch und Tier