14. Dezember 2019 - 00:18

Meranierring: Spielplatz-Initiatoren von einst sind angefressen

Irene und Klaus Höreth haben sich vor mehr als 40 Jahren für den Bau des Abenteuerspielplatzes am Meranierring engagiert. Sie sind verärgert über die Tatsache, dass es nicht nur nicht vorwärts geht mit dem Spielhaus, sondern dass jetzt sogar der ganze Spielplatz infrage steht. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Bestes Wetter am Meranierring. Die Sonne scheint. Man könnte draußen spielen. Geht aber nicht, weil der Abenteuerspielplatz geschlossen ist. Seit Januar, denn da sollte eigentlich mit den Bauarbeiten für das neue Spielhaus begonnen werden. Das ist vertagt. Auf wann? Ungewiss. Das bringt die Initiatoren des Spielplatzes von einst mächtig auf die Palme.


Im März hatte der Bauausschuss die Reißleine gezogen. Das Spielhaus, das als Ersatz für das marode Provisorium am Abenteuerspielplatz geplant war, hätte statt der ursprünglich geplanten 300.000 Euro rund 575.000 Euro kosten sollen. Das war die Auskunft der Stadtbaureferentin Urte Kelm. Der Grund: Der Baugrund sei so schlecht, das habe sich jetzt erst herausgestellt. Mit einem Baustart rund zehn Jahren nach der Erkenntnis, dass dringender Handlungsbedarf besteht für das Haus, war es dann nichts mehr.

Stadt prüft Alternativen

Der Pressesprecher der Stadt, Joachim Oppold, sagt jetzt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Verwaltung auf „Basis des jüngsten Beschlusses des Bauausschusses“ derzeit dabei sei, „Alternativen für das Spielhaus am Meranierring“ zu prüfen. Dazu gehörten „die Errichtung eines Spielhauses auf alternativen Grundstücken in der Umgebung sowie die Zusammenlegung der Angebote des Spielhauses mit bestehenden Jugendeinrichtungen“. Oppold weiter: „Wann die Ergebnisse erneut in den Gremien zur Diskussion gestellt werden können, ist noch offen.“

Elterninitiave: Gründung vor fast genau 45 Jahren

Irene und Klaus Höreth, die zusammen mit Elisabeth Haberland fast auf den Tag genau vor 45 Jahren, am 22. April 1974, eine Elterninitiative Abenteuerspielplatz gegründet haben, fühlen sich frappierend an die Hinhaltetaktik erinnert, der sie damals begegnen mussten, als es um den Spielplatz ging.

„Die Stadträte damals haben die Notwendigkeit einfach nicht gesehen“, sagt Irene Höreth. „Die haben gesagt, die Kinder sollen halt auf der Straße spielen.“ Aber: „Wir haben das damals durchgeboxt, indem wir dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat auf die Nerven gegangen sind“, sagt Klaus Höreth.

Und durch überraschende Aktionen, „als es um die Förderung des Spielplatzes ging. Ich habe damals bei der Sparkasse angerufen und erfahren, dass die längst über 534.000 Mark zur Verfügung gestellt hatten“. In der Stadtverwaltung habe man damals ganz verwundert reagiert, als Höreth das den Zuständigen auf den Kopf zugesagt hat.

Hinhaltetaktik wie damals

Dass der Abenteuerspielplatz jetzt erneut in der Sackgasse steckt, dass die Kinder es sind, die hingehalten werden, ärgert Irene und Klas Höreth in etwa so wie damals. „Zum einen vor dem Hintergrund, dass das Jugendamt schon vor rund zehn Jahren auf die marode Bausubstanz hingewiesen hat“, sagt Klaus Höreth. Zum anderen wegen der Tatsache, dass es kaum überraschend sein könne, dass der Boden unter dem bisherigen Spielplatz nicht der beste ist. „Den Kindern gegenüber ist das eine Unverschämtheit“, sagt Höreth.

Ärger über die Gegenrechnung mit der Stehtribüne

„Der Kracher“ allerdings sei für ihn gewesen, dass „die Mehrkosten für die Stehtribüne im Hans-Walter-Wild-Stadion jetzt mit dem Geld gegengerechnet werden, das eigentlich für den Bau des Spielhauses vorgesehen war“, sagt er. „Die lassen den Spielplatz jetzt am ausgestreckten Arm verhungern.“

Abenteuerspielplatz: Genau an der richtigen Stelle

Der Abenteuerspielplatz liege dort, wo er 1977 eröffnet hat, genau an der richtigen Stelle, sagten Irene und Klaus Höreth. „Es macht auch überhaupt keinen Sinn, so wie es Sabine Steininger vorgeschlagen hat, die pädagogische Betreuung im Komm zu machen. Das kann allenfalls eine Übergangslösung sein, Ansonsten müssen sich alle Aktivitäten auf dem Abenteuerspielplatz abspielen“, sagt Klaus Höreth.

Es sei wichtig, dass die Arbeit auch über den Winter fortgesetzt werde, nicht nur im Sommer stattfindet, ergänzt seine Frau. Zumal die „pädagogische Arbeit, die dort geleistet wird, sehr gut ist“. Und: „Das Konzept als solche kommt bei den Kindern gut an.“ Davon hätten sich die Initiatoren von einst zuletzt vor zwei Jahren überzeugt, als der Spielplatz sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Kampfgeist ist wieder erwacht bei den Gründern von einst

Den Aufkleber von damals mit den drei Buchstaben ASP gibt es noch als letztes Einzelexemplar, „die Unterlagen, die wir gesammelt hatten, liegen alle beim Jugendamt“, sagt Irene Höreth.

Und der Kampfgeist ist wieder wach. Sie denken schon wieder darüber nach, sagen Klaus und Irene Höreth, ob sie wieder machen sollten, was sie damals gemacht haben: „Den Stadtrat nerven.“ Damit das Abenteuer Abenteuerspielplatz noch einmal zu einem glücklichen Ende findet. Für die Kinder – und deren pädagogische Betreuung. Und ihren Spaß.