17. August 2019 - 15:36

Der Turmbau zu Bayreuth

Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Das wäre mal ein Akzent. Einer, der alles überragen würde, wenn er so käme, wie es möglich sein könnte. Mitten in der Stadt will die Stadt ein neues Quartier entwickeln. Ein urbanes Quartier, wie es die Stadtbaureferentin Urte Kelm den Mitgliedern des Bauausschusses des Stadtrats vorstellt. Wohnen und Arbeiten auf einem Platz, an dem derzeit noch die Deutsche Post AG arbeitet: in der Bürgerreuther Straße.


 

Das Staunen bei den Stadträten ist mit den Händen greifbar in der Sitzung: 14 Stockwerke. So hoch soll ein Hochhaus werden können, das an der Bürgerreuther Straße stehen könnte. Zumindest sieht das eine der beiden Varianten vor, die Kelm dem Bauausschuss skizziert.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske fragt ebenso ungläubig nach wie später Christopher Süss (JB). Der sagt: „43 Meter, das ist schon ein Brett.“ Doch der Turm ist nur ein – wenn auch alles überragendes – Detail in einem Konzept, das aus einer rund 14.000 Quadratmeter großen Fläche ein gemischtes Gebiet zum Wohnen und Arbeiten machen soll, wenn die Post abgezogen ist. „Das kann zu einem städtebaulichen Gewinn werden“, sagt die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Ein Gewinn nicht nur für das Gelände selber, sondern für die ganze Stadt.

Die Öffentlichkeit hat das Wort

Im beschleunigten Verfahren soll der Bebauungsplan aufgestellt, soll die Öffentlichkeit beteiligt werden, sagt Kelm, denn: „Zentrale Flächen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof werden frei.“ Weil die Post schon jetzt eine Teilverlagerung „an andere Standorte im Stadtgebiet“ plane. Das denkmalgeschützt Gebäude der Hauptpost bleibe erhalten.

Es gebe derzeit eine Planung mit zwei Varianten, sagt Kelm. Beiden gemeinsam sei „Wohnen und eine 25-prozentige gewerbliche Nutzung“ auf dem Gelände zu vereinigen, „darunter soziale und kulturelle Nutzung, Wohnen im Erdgeschoss ist nicht erwünscht“. Folglich werden die anderen Gebäude, die auf dem Gelände entstehen sollen, auch höher: Als sogenannte Blockrandbebauung, die sich zu den angrenzenden Straßen hin geschlossen darstellt – und vier Vollgeschosse hoch werden soll.

Sieben oder 14 Stockwerke?

Der größte Unterschied der beiden Planvarianten ist der Bau in die Höhe: In der ersten Variante soll im Innenhof, der sich aus der umgebenden Bebauung ergibt, ein Hochhaus mit sieben Stockwerk entstehen können. „Als Solitär“, wie Kelm sagt, innerhalb „der Blockrandbebauung“ hin zu den umgebenden Straßen: Goethestraße, Wilhelmsplatz und Friedrich-von-Schiller-Straße. In der zweiten Variante wäre das 14-stöckige Hochhaus an der Bürgerreuther Straße das Ausrufezeichen.

Bauausschuss ist angetan

Die Ideen, das Post-Gelände zum urbanen Gebiet zu machen, fallen bei den Mitgliedern des Bauausschusses mit einem einstimmigen Votum für den Stadtrat am Ende auf fruchtbaren Boden. Die CSU, sagt der Fraktionsvorsitzende Stefan Specht, begrüße „die Planung sehr. Ob in Variante eins oder zwei gebaut werden soll, hängt sicher von der Vorstellung eines Investors ab“. Wichtig sei es, sich des Geländes überhaupt anzunehmen, denn „das ist das einzige Areal in vergleichbarer Größe, das wir in Innenstadtnähe haben“.

Spannend, beide Varianten weiter zu entwickeln

Ernst-Rüdiger Kettel (BG) spricht von einer „echten Aufwertung“ und der Chance für alle, die da später einmal wohnen werden, vielleicht einmal nicht nur dort leben, sondern „auch zu Fuß zur Arbeit gehen“ zu können. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske lobt auf der einen Seite, dass es gut sei, „dass an der Stelle gerade Geschosswohnungsbau“ entstehen solle, gleichwohl sei es „schwer vorstellbar“, dass am Bahnhof Investoren ein derart hohes Gebäude in Aussicht gestellt werde. Es sei ja noch nicht klar, antwortet Urte Kelm, „ob das in der Planung verfolgt wird“, stadtbildprägend wäre so etwas allemal. Es sei auch deshalb „spannend, beide Varianten weiter zu entwickeln“, sagt Merk-Erbe.

Mutige Pläne

Wie Kelm auf Nachfrage der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Sabine Steininger sagt, die die Planung „sehr mutig“ nennt, gebe es bereits mögliche Investoren, die sich für das Areal interessieren würden. Das von Steininger ins Spiel gebrachte Thema sozialer Wohnungsbau könne „gerne mit aufgenommen“ werden. Stephan Huttner (FDP) sagt, er begrüße die Planung ebenfalls, wenn auch ein „Hochhaus-Finger etwas wunderlich vorstellbar“ wäre an dieser exponierten Stelle.

Ganz anders argumentiert Helmut Zartner (DU): Er könne sich nur „über die Bedenkenträger“ wie etwa Helmut Parzen (CSU) – der fragt, ob man denn beim Pfarrer der Christuskirche nachgefragt habe, ob das für den in Ordnung sei – wundern, die sich Sorgen machten, dass das Hochhaus die Kirche und das benachbarte Hotel überrage: „Da wird endlich mal was kreativ anders gemacht.“

Den Ausschluss von Spielhallen-Nutzung in dem urbanen Gebiet, wie Stefan Schlags (Grüne) fordert, habe man bereits im Vorfeld erledigt, sagt Kelm.