Vor der Entscheidung in der DEL2: Tigers setzen auf ihre Nervenstärke

Das personifizierte Hoch: Torjäger Michal Bartosch, dem am zurückliegenden Doppelspieltag vier Tore und zwei Assists gelangen, steht wie kein Zweiter für die starke Form seiner Bayreuth Tigers. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Es ist noch keine zehn Wochen her, da war diese Konstellation für die Bayreuth Tigers (9. Platz / 68 Punkte / 163:183 Tore) nicht mehr als ein frommer Wunsch. Nun hat sich die Mannschaft von Trainer Petri Kujala dank eines stabilen Aufwärtstrends, der in zwei enorm wichtigen Siegen gegen Frankfurt (5:2) und in Crimmitschau (6:2) gipfelte, vor dem letzten Doppelspieltag der DEL2-Hauptrunde in eine vielversprechende Ausgangsposition manövriert: Die Bayreuther haben es selbst in der Hand, einen Top-Ten-Platz zu ergattern und damit den direkten Klassenerhalt perfekt zu machen.





Die Rechnung ist ganz einfach: Mit zwei Siegen in der regulären Spielzeit bei den drittplatzierten Bietigheim Steelers (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen den auf Platz fünf rangierenden EC Bad Nauheim (Sonntag, 18.30 Uhr) sind die Tigers mindestens Zehnter. Ohne die volle Punktausbeute sind sie auf Einbußen der punktgleichen Dresdner Eislöwen (10. / 68 / 155:186) und der auf Rang elf liegenden Eispiraten Crimmitschau (11. / 67 / 178:204) angewiesen. Auf Rechenexempel aber verzichtet Tigers-Trainer Petri Kujala im Vorfeld des entscheidenden Wochenendes, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. Er hält seine Mannschaft für spiel- und vor allem nervenstark genug, auch die beiden letzten Hauptrunden-Hürden zu meistern

Herr Kujala, Sie haben kürzlich gesagt, dass am Saisonende oft die Mannschaften gewinnen, die ihre Nerven besser im Griff haben. Wie die Siege gegen Frankfurt und in Crimmitschau belegen, gelingt ihrer Mannschaft das anscheinend ganz gut. Warum ist das so?

Petri Kujala: Das ist in erster Linie eine Typfrage – sehen deine Spieler solche Partien eher als Belastung, als zusätzlichen Druck oder vielmehr als Bonus. Und bei uns ist offensichtlich Letzteres der Fall. Eine ganz wichtige Rolle spielt hierbei ohne Zweifel unsere erste Reihe mit Michal Bartosch, Ivan Kolozvary und Kevin Kunz. Sie geht voraus, gibt die Marschrichtung vor. Ich als Trainer habe da nur bedingt Einfluss.



Sie haben sich vor kurzem noch geweigert, das Restprogramm ihrer direkten Konkurrenten zu studieren. Man mache sich da bloß verrückt. Wie ist es jetzt? Wissen Sie denn überhaupt, dass Crimmitschau in Weißwasser und gegen Frankfurt spielt und Dresden in Heilbronn und gegen Bad Tölz?

Kujala: Ja, das habe ich schon mitbekommen. Da kommt man gar nicht dran vorbei – dieses Thema ist allgegenwärtig, auch in der Kabine. Aber irgendwelche Schlüsse daraus, kann ich nicht ziehen. Es liegt nach wie vor an uns. Die Ausgangsposition ist unverändert – wir haben es in der Hand.

Ihre Mannschaft spielt erst in Bietigheim, das noch um Platz eins kämpft, und gegen den EC Bad Nauheim, gegen den Ihre Tigers in dieser Saison noch kein Bein auf den Boden gebracht haben. Es hätte durchaus leichter kommen können …

Kujala: Das sehe ich nicht so. Ich wüsste nicht, welcher Gegner in dieser Liga leicht ist – zumal zum jetzigen Zeitpunkt. Wir nehmen es, wie es kommt. Aber zweifelsohne sind diese Hürden schon sehr hoch.



Was zeichnet die beiden Gegner aus?

Kujala: Beide Mannschaften haben unheimlich starke Kontingentspieler in ihren Reihen, die gerade in dieser Saisonphase zur Höchstform auflaufen. Bei Bietigheim sind das Spieler wie Matt McKnight und Tyler McNeely, bei Bad Nauheim sind die Sylvester-Brüder schwer zu kontrollieren.

Wie sieht es bei Ihrem Team personell aus – JozefPotac und Mark Heatley haben zuletzt gefehlt, Torhüter Brett Jaeger musste in Crimmitschau verletzt vom Eis. Sind sie wieder dabei?

Kujala: Alle Drei haben in dieser Woche mittrainiert. Ob sie spielen, kann und will ich aber noch nicht sagen. Wichtig ist vor allem, dass alle, die zuletzt gespielt haben, fit sind. Wir haben keine weiteren Ausfälle.

Mark Heatleys Bruder Dany, die kanadische Eishockey-Legende, war kürzlich zu Besuch in Bayreuth. Ein zusätzlicher Motivationsschub – zumindest für Mark?

Kujala: Da bin ich etwas skeptisch. Ich kommentiere normalerweise keine Besuche meiner Spieler, aber was ich verraten kann: Ein anderer meiner Spieler hatte kürzlich auch Familienbesuch. Seine Schwiegermutter war da.

Und wie hat sich der Besuch auf seine Leistung ausgewirkt?

Kujala: Sagen wir es so – wir waren froh, als sie wieder weg war.



Michal Bartosch – der Mann der Stunde bei den Tigers

Bei Sportlern ist es hin und wieder so wie bei einem guten Rotwein. Von manch hochwertigem Rebensaft weiß man, dass er erst im fortgeschrittenen Alter seinen vollen Geschmack entfaltet – vorausgesetzt er ist gut gelagert. Auf Michal Bartosch trifft das auch zu. Neun Jahre „Lagerung“ im Tigerkäfig haben dem 34-jährigen gebürtigen Tschechen offensichtlich nicht geschadet. Im Gegenteil: Der Flügelstürmer aus der ersten Reihe der Bayreuth Tigers ist derzeit in Topform und verkörpert wie kein Zweiter das aktuelle Hoch der Bayreuther Mannschaft. Mit vier Toren und zwei Assists hatte Michal Bartosch am zurückliegenden Doppelspieltag wesentlichen Anteil an den beiden Siegen gegen Frankfurt und in Crimmitschau.

„Er hat sich endlich einmal so richtig für seinen enormen Einsatz belohnt“, freut sich Trainer Petri Kujala über seinen mit 21 Treffern besten Torschützen im Team. „Er ist ein harter Arbeiter und vor allem läuferisch enorm stark. Michal bringt seinen Körper in jeder Situation zu einhundert Prozent ins Spiel – egal wo auf dem Feld, egal in welcher Minute, egal, wie es steht.“




Abgesehen von seiner vorbildlichen Einstellung und seiner bekannt starken Stock- und Schlittschuhtechnik offenbart Michal Bartosch im Gespräch eine weitere Qualität: Bescheidenheit. „Ich schieße diese Tore ja nicht alleine. Meine Mitspieler haben daran enormen Anteil“, sagt er. „Vielleicht sogar den größeren.“ Als Beispiel nennt er den 1:0-Führungstreffer in Crimmitschau. „Den hat Sebastian Busch so super vorbereitet, da musste ich ja nur den Schläger hinhalten. Eigentlich war das sein Tor.“ Ganz besonders wohl fühlt er sich in seiner Sturmreihe, die laut Kujala nicht nur offensiv viele Akzente setzt, sondern auch „vorbildlich zurück arbeitet“.

Mit Center Ivan Kolozvary hat er schon zu Oberliga-Zeiten gewirbelt. Lange Jahre bildeten die beiden zusammen mit dem vor dieser Saison nach Selb abgewanderten Eigengewächs Andreas Geigenmüller die berüchtigte K-G-B-Reihe. Dass Geigenmüller durch den jungen, laufstarken Kevin Kunz ersetzt wurde, tat der Gefährlichkeit der Vorzeigereihe keinen Abbruch. 101 Punkte, davon 32 Tore, gehen auf das Konto des Trios, das in der Crunchtime der Saison so richtig aufblüht. „Diese Phase packt mich immer wieder – Alter hin oder her. Man ist da unheimlich fokussiert.“ Und nervös? „Nein, ich genieße das. Es macht großen Spaß.“