10. Dezember 2019 - 08:48

Nach der verpassten Chance: Tigers winkt knallharter Abstiegskampf

Trainer Petri Kujala unter Strom: Manch ein Fehler in der eigenen Defensive gegen Bad Nauheim brachte auch den sonst so besonnenen Finnen aus der Fasson. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Schön ist, dass der Schmerz irgendwann nachlässt. Aber wann? Am Tag nach dem letzten DEL2-Hauptrundenspiel gegen den EC Bad Nauheim hat sich bei Petri Kujala jedenfalls noch keine Linderung eingestellt. „Ganz so schnell geht das diesmal nicht“, sagt der Trainer der Bayreuth Tigers, die durch ihre finale 4:7-Niederlage am Sonntagabend den Sprung auf Platz zehn und die Teilnahme an den Pre-Playoffs verpasst haben. Anstatt Bonusspiele gegen Kassel und vielleicht weitere Topteams winkt nun knallharter Abstiegskampf gegen Deggendorf.




Dass bei Petri Kujala der Schmerz noch nachwirkt, liegt auch daran, dass er sich das Sonntagsspiel seiner Tigers noch einmal auf Video angeschaut hat – eine Pflichtaufgabe, die diesmal besonders schwer fiel. Vor allem die Gegentore – „unnötig, weil sie fast ohne jeglichen Druck gefallen sind“, sagt der 48-jährige Finne und macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Es ist schon enttäuschend, dass wir beim wichtigsten Spiel der Saison solch eine schlechte Leistung abliefern.“

Nachkarten möchte er aber nicht mehr. „Es gibt immer Dinge, die du anders machen würdest“, sagt Kujala. „Und wir haben ja auch reagiert mit dem Torwartwechsel, obwohl Timo Herden schuldlos war. Im zweiten Drittel habe ich dann auch noch die Reihen umgestellt. Das hat ja auch geholfen. Wenn du aber dann wieder ein Unterzahltor bekommst …“




Matthias Wendel: „Bin niemand, der lange nachtrauert.“

Bereits abgehakt hat hingegen Matthias Wendel die Niederlage. „Klar, war ich im ersten Moment enttäuscht darüber, dass wir diese große Chance verpasst haben. Ich bin aber niemand, der lange nachtrauert“, sagt der Tigers-Geschäftsführer und versucht, das sprichwörtliche Glas halb voll zu sehen und nicht komplett leer. „Wenn mir vor ein paar Wochen jemand gesagt hätte, dass wir bis zum letzten Spieltag um die Pre-Playoffs kämpfen würden, hätte ich das bedenkenlos unterschrieben.“

Dieser Betrachtungsweise kann auch Petri Kujala durchaus folgen. „Das stimmt schon. Wir waren ja schon einmal zwölf Punkte weg von Platz zehn. Die Jungs haben aber immer Charakter bewiesen und daran geglaubt. Das zeichnet diese Mannschaft auch aus.“ Der große Wille, die gute Moral – die positiven Attribute habe sein Team ja auch nach dem hohen Rückstand gegen Bad Nauheim gezeigt. Das Lob an seine Spieler klingt ein bisschen wie eine Warnung an den kommenden Gegner – und darf auch so verstanden werden. Dieser hat so wenige Punkte geholt wie keine zweite Mannschaft in der Liga, nämlich 54, aber alle zwölf möglichen gegen Bayreuth. Suchte man einen Angstgegner, Deggendorf würde das Rennen wohl machen.




Optimismus beim Tigers-Geschäftsführer

Diese Statistiken, so furchteinflößend sie auch sein mögen, haben für Matthias Wendel überhaupt keine Bedeutung. Der Tigers-Geschäftsführer strotzt regelrecht vor Optimismus. „Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass da was schief gehen könnte. Es werden sehr emotionale, enge Spiele, aber wir werden sie gewinnen“, sagt er und erinnert an die letzte Oberliga-Saison. „Da haben wir in der Hauptrunde auch schlecht ausgesehen, in den Playoff-Spielen haben wir sie geschlagen.“

Das mit Platz elf verbundene Heimrecht sei ein hoher Trumpf, ergänzt Matthias Wendel. Um diesen aber auch ausspielen zu können, brauche es eine stimmungsvolle Kulisse. Ähnlich wie gegen Bad Nauheim, als mit 2089 Zuschauern zum vierten Mal in dieser Spielzeit die 2000er-Marke geknackt wurde. Daran dass die Bayreuther in der Zuschauergunst mit durchschnittlich nur 1612 Zuschauern weit abgeschlagenes Liga-Schlusslicht sind, änderte die gute Besucherzahl gegen die Hessen aber auch nichts. „Nun sind die Zuschauer gefragt“, sagt deshalb der Tigers-Geschäftsführer. „Die Mannschaft hat geliefert und braucht jetzt die Unterstützung, damit der Heimvorteil zum entscheidenden Faktor wird.“




Stimmen aus dem Lager der Tigers

Kevin Kunz (Stürmer): Keine Frage, die Enttäuschung ist schon groß. Wir haben die gesamte Saison über gehofft und auch daran geglaubt, dass wir es in die Playoffs schaffen können. Dann haben wir zum Schluss diese Riesenchance. Und vergeben sie. Das ist schon sehr, sehr bitter. Was da genau gegen Bad Nauheim passiert ist, kann ich auch jetzt noch nicht so genau sagen. Es war natürlich eine Kopfsache. Zweifelsohne haben uns diese ersten beiden Gegentore voll aus dem Konzept gebracht. Wir haben dann zu früh aufgemacht und zu schnell alles nach vorne geworfen. Trotz der momentanen Enttäuschung und der schlechten Bilanz gegen Deggendorf bin ich optimistisch. Es geht jetzt wieder von Null los. Wir haben die bessere Mannschaft. Und es wird auf die Einstellung ankommen. Die Mannschaft, die den Sieg mehr will, wird gewinnen.




Carsten HerrmannsdörferCarsten (Fanbeauftragter): Ich war gestern komplett bedient, bin nach der Schlusssirene sofort gegangen, habe auch mit keinem Menschen mehr gesprochen. Wir hatten es selbst in der Hand, haben uns solch eine gute Ausgangsposition erarbeitet und haben es dann vergeigt. Dabei hätten wir nur eines von zwei Spielen gewinnen müssen. Bitter ist auch, dass wir zwei Unterzahltore kassieren und es zwei Mal bei einer 5:3-Überzahl nicht schaffen, ein Tor zu erzielen. Und nun auch noch Deggendorf. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Ich habe in dieser Saison das Stadion zwei Mal früher verlassen, das habe ich vorher nie gemacht. Zwei Mal hat es aber Deggendorf geschafft. Die liegen uns einfach nicht. Trotzdem glaube ich an unsere Mannschaft. Sie ist die bessere, hat die höhere Qualität. Sie muss das aber auch abrufen.




Jozef Potac (Kapitän): Es ist schon sehr enttäuschend, wenn du so eng dran bist und dann solch ein entscheidendes Spiel verlierst. Dass wir vier Gegentore in so kurzer Zeit kassieren, war auf jeden Fall unseren Nerven geschuldet. Wir waren zu übermotiviert, hätten aber gerade hier einen kühlen Kopf gebraucht und vielleicht auch ein bisschen Erfahrung. Danach aber hat die Mannschaft Charakter gezeigt und ist noch einmal zurückgekommen. Das stimmt mich auch für das Spiel gegen Deggendorf zuversichtlich. Die spielen auch kein großartiges Eishockey, Angst haben brauchen wir da keine. Wichtig wird sein, dass wir nicht zu lange trauern, sondern wieder fokussiert sind und mit einem Sieg in die Serie starten. Und hierfür ist das Heimrecht ein enormer Vorteil. Ich hoffe natürlich, dann auch wieder mit dabei sein zu können. Es sieht eigentlich ganz gut aus.