Interview mit Christopher Kiste Kasten: Ein Herz-Bayreuther

Christopher Kasten (Mitte) ging in Bayreuth voran – auf und neben dem Eis, wie beim Zehner-Contest im Kreuzsteinbad. Foto: Rudolf Ziegler

EISHOCKEY. „Irgendwann sitzen wir alle in Bayreuth zusammen und fragen uns, wie wir es nur irgendwo anders aushalten konnten.“ Dieses bekannte Zitat stammt aus der Feder Friedrich Nietzsches, hätte aber auch auf Christopher Kastens Smartphone getippt worden sein können. Der 29-jährige Verteidiger hat Bayreuth immer noch nicht vergessen. Wie auch. Hier war „Kiste“ Aufstiegsheld, Führungsspieler, Publikumsliebling. Er ging voran – auf und auch abseits der Eisfläche. Der gebürtige Berliner hat in Bayreuth viele Freunde zurückgelassen, als er 2017 den Standort nach fünf Spielzeiten in drei unterschiedlichen Ligen verließ und nach Kaufbeuren wechselte.




Freitagabend ist der 29-Jährige wieder da – ein Pflichttermin. Mit seinem Deggendorfer SC versucht Kasten, den Bayreuth Tigers den selbigen vollzuhauen und ihnen die erste Niederlage in der Best-of-seven-Serie der DEL2-Playdowns beizubringen. Es ist kein Routinebesuch. Bayreuth, so sagt er im Interview mit unserer Zeitung, lässt ihn einfach nicht los.

Herr Kasten, lassen Sie uns ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Was waren die nachhaltigsten bezogen auf ihre Karrierephase in Bayreuth?

Christopher Kasten: Da gibt es so viele – den Oberliga-Aufstieg, den DEL2-Aufstieg und alles, was damit in Verbindung steht. Die vielen Freunde, die ich hier kennengelernt habe, und vieles mehr. Zweifelsohne hatte ich in Bayreuth die mit Abstand beste Zeit meiner bisherigen Laufbahn.

Sie haben hier auch im gesellschaftlichen Bereich Spuren hinterlassen. In welchen Lokalitäten findet man die?

Kasten: Eigentlich in allen. Ich war ja damals fast jeden Tag irgendwie in der Stadt zum Essen unterwegs. Und auch im Sommer in der spielfreien Zeit bin ich nie nach Hause gefahren. Warum auch? Mir hat es hier überragend gefallen. Aber ganz konkret: Ponte, Louis oder das Café gegenüber vom Porsch, wie heißt es noch gleich?

Das Café Rossi?

Kasten: Ja, genau – das Rossi. Das waren meine Stammlokale. Da bin ich auch jetzt noch sehr oft.



Zu wem aus der aktuellen Mannschaft haben Sie noch Kontakt?

Kasten: Eigentlich zu allen, mit denen ich damals zusammengespielt habe, aber vor allem Sebastian Busch, Jozef Potac, Michal Bartosch, aber auch zu Pressesprecher Alex Vögel.

Sie waren eines der Gesichter der damaligen Mannschaft. Warum war das so?

Kasten: Einerseits sicherlich, weil ich immer meine Leistung gebracht habe. Ich war Führungsspieler und habe mich immer voll reingehauen. Dann bin ich aber halt auch ein sehr offener Typ, der geradeheraus ist, auf die Fans zugeht und sich auch so mal in der Stadt blicken lässt, auch viel in den sozialen Netzwerken unterwegs ist und für jeden Spaß zu haben ist. Ich denke da beispielsweise an den Zehner-Contest im Kreuzsteinbad. Da ging mir ganz schön die Düse, ich bin ja vorher nie von so weit oben gesprungen – Kind der Großstadt halt. War aber echt cool.

Wenn das alles so cool war, warum ging die Liaison dann 2017 zu Ende?

Kasten: Sagen wir es so. Mein Vertrag ist ausgelaufen. Und es hat halt einfach nicht mehr gepasst. Wir sind nicht auf einen Nenner gekommen.

Sie sind seitdem neun Mal mit Kaufbeuren und Deggendorf zurück in den Tigerkäfig gekommen. Hat sich da mittlerweile Routine eingestellt?

Kasten: Auf keinen Fall. Es ist für mich immer wieder aufs Neue hochemotional. Meine besten Freunde leben hier. Wenn mich meine Eltern aus Berlin besuchen kommen, dann treffen wir uns in Bayreuth. Und wenn ich hier übernachten will, dann finde ich bei irgendeinem Kumpel ohne Probleme ein Bett oder eine Couch. Und dann natürlich diese grandiose Eishockey-Zeit. Die Rückkehr hierher wird immer etwas Besonderes sein.



Nach vier Siegen in der DEL2-Hauptrunde wurde der DSC zum Angstgegner der Bayreuther hochstilisiert? War die Wahrnehmung in Deggendorf umgekehrt genauso. Hat man sich gefreut, dass Bayreuth aus dem Lostopf gezogen wurde?

Kasten: So ein bisschen schon. Wenn wir uns einen Gegner hätten aussuchen können, dann hätten wir wohl wirklich Bayreuth genommen. Aber uns war schon auch klar, dass die Spiele in den Playdowns eine komplett neue Situation darstellen. Die Playdowns sind Krieg, hier ist alles anders. Was sich bislang auch bestätigt hat.

Wo sehen Sie die Stärken der Bayreuther?

Kasten: Vor allem im großen Zusammenhalt. Und dann spielen sie sehr intelligent, was zweifelsohne ein Verdienst von Petri Kujala ist. Dass wir in der Hauptrunde viermal gewonnen und nun zweimal verloren haben, liegt nicht daran, dass wir schlechter geworden sind, sondern daran, dass sich die Tigers gesteigert haben. Trotzdem sind wir in der Lage, die Serie noch zu drehen.

Wie geht es bei Ihnen nach dieser Saison weiter?

Kasten: Dazu kann ich noch nichts sagen. Entscheidend wird natürlich auch sein, ob wir die Liga halten oder nicht.



Ist eine Rückkehr nach Bayreuth vorstellbar?

Kasten: Auf jeden Fall. Wie gesagt, ich hatte hier eine super Zeit und fühle mich immer noch wie zu Hause.

Was ist nach der Karriere geplant, bleiben Sie dem Eishockey treu oder suchen Sie Ihr Glück woanders?

Kasten: Ich werde mich sicherlich anders orientieren, weil ich auf gut Deutsch dann sicherlich keinen Bock mehr haben werde, weiterhin jedes Wochenende mit diesem Bumsbus durch die Weltgeschichte zu schippern. Das soll nicht heißen, dass ich nicht vielleicht mal eine Jugendmannschaft trainiere oder mit den alten Herren einmal pro Woche aufs Eis gehe. Eishockey wird immer Teil meines Lebens bleiben. Und wer weiß, vielleicht passiert das Ganze ja sogar in Bayreuth.