23. August 2019 - 20:37

In Bindlach: Schüler-Polizei verwarnt Verkehrssünder

Polizeioberkommissar Michael Oetterer begleitet die Schüler Andy Meier und Dominik Zeisel (von links), während sie einen Verkehrssünder verwarnen. Foto: Andreas Harbach

BINDLACH. Überall gelbe Warnwesten. Autofahrer bekommen eine Verwarnung, aber von einem Polizisten kommt sie nicht. An der Grund- und Mittelschule in Bindlach waren es am Donnerstag die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse, die dafür gesorgt haben, dass ihr Schulweg an der Bayreuther Straße endlich sicherer wird. Denn an das Tempolimit 30, das hier seit einem halben Jahr gilt, halten sich längst nicht alle Autofahrer.




Donnerstagmorgen, 8.15 Uhr. Eisiger Wind fegt durch Bindlach, aber die Mädchen und Jungen stehen fest auf ihrem Posten vor der Schule. Sie haben heute eine Mission, und die nehmen sie ernst.

„Ich finde es gut, dass die Fahrer, die im Schulbereich zu schnell fahren, darauf hingewiesen werden, dass das eine 30er-Zone ist“, sagt der 15-jährige Marc Vogel. Er hat gerade eine Autofahrerin verwarnt, die 43 Stundenkilometer fuhr. „Ich habe sie darauf hingewiesen, wie viel sie bezahlen müsste und dass es auch ein Fahrverbot geben könnte.“




Eine Geldstrafe oder Punkte bekommen die Autofahrer heute nämlich nicht. Die gemeinsame Aktion der Polizei Bayreuth-Land und der Schule dient der Vorbeugung.

Die junge Autofahrerin, mit der Marc gesprochen hat, findet die Aktion sinnvoll. „Weil mein Kind hier auch mal zur Schule gehen wird“, sagt sie. „Ich find’s super, dass die Kinder mich verwarnt haben. Das hat einen viel größeren Effekt als wenn Erwachsene das tun.“

Einem Autofahrer aus Trebgast, der in die Radarfalle getappt ist, ist sein Fehlverhalten peinlich. „Ich fahre hier täglich und bemühe mich, korrekt zu fahren, gerade weil hier die Schule ist“, sagt er. „Aber ich war ein bisschen abgelenkt, weil ich noch ein Telefonat hatte.“ Das lief allerdings über die Freisprechanlage – ansonsten hätte er ein größeres Problem gehabt. Ganz ohne Verstärkung sind die Verkehrserzieher der Polizei nämlich nicht gekommen. Würden die Autofahrer neben ihrem zu hohen Tempo noch bei anderen Straftaten erwischt, könnten die Kollegen eingreifen.




Die 14-jährige Lina Ismailat kehrt mit ihren Mitschülerinnen ins Bushäuschen zurück, auch sie hat einen Autofahrer verwarnt. „Ich war schon aufgeregt, weil ich ja nicht weiß, wie die Leute im Auto reagieren“, sagt sie. „Aber er war ganz nett und einsichtig.“ Lina macht die Aktion besonders viel Spaß: „Ich finde das schön, weil ich den Beruf Polizistin generell interessant finde. Vielleicht wird das später was für mich.“

Damit die Verkehrssünder ihre Verwarnung nicht so schnell vergessen, verteilen die Schüler in Zweierteams gelbe Karten. Zuvor erfahren die Autofahrer, welche Strafe ihnen gedroht hätte. „Wir wollen die Schüler mitnehmen in Felder, die sie bis jetzt noch nicht kennen“, sagt Thomas Förster, Verkehrserzieher der Polizei Bayreuth-Land. „Dass ein 15-Jähriger auch mal sieht, wie ein Erwachsener reagiert, wenn er ihn auf sein Fehlverhalten anspricht.“ Es könne passieren, dass Autofahrer patzig würden oder sich aufregten. „Aber bis jetzt reagieren alle sehr vorbildlich.“




Und das motiviert: Eineinhalb Stunden harren die Schüler in der Kälte aus. Nicht die Polizei, auch nicht die Schulleitung geht heute mit den Verkehrsrowdys auf der Bayreuther Straße ins Gericht.

Die Jugendlichen verschaffen sich Respekt – was die Absicht von Konrektor Walter Neukamm bei der Aktion war. „Wenn die Kinder, die ja die Betroffenen sind, die Fahrer direkt ansprechen, wirkt das auch“, sagt er. „Vielleicht haben die Verkehrsteilnehmer selbst Kinder. Dann denken die sich: Das könnten auch unsere Kinder sein.“