Historisches Urteil: Ulmer Qual-Schweinezüchter muss ins Gefängnis


ULM. Ein wichtiges, vielleicht sogar historisches Urteil aus Sicht der Tierschützer: Zum ersten Mal wurde ein industrieller Züchter wegen Tierquälerei in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt. Die SOKO Tierschutz hatte die massiven Missstände in dem Betrieb öffentlich gemacht.




Noch vor kurzem berichteten wir über ein Video der SOKO Tierschutz, das katastrophale Zustände in einem Ulmer Schweinezuchtbetrieb aufdeckte. Nun wurde der 56-jährige Züchter am Freitag vom Amtgericht Ulm zu drei Jahren Haft verurteilt. Hunderte Schweine starben in dessen Betrieb aufgrund katastrophaler hygienischer Zustände oder sie mussten auf Weisung des Veterinäramtes getötet werden. Der Richter nannte die Zustände eine „Massentierhölle“, so Zeit Online.




Mehr als 1.600 Schweine verendeten in den dreckigen Ställen. Sie lagen in ihrem eigenen Unrat, überall krabbelten Kakerlaken. Teilweise lagen auch tote Schweine zwischen Lebenden, es kam zu Kannibalismus. Zwei verletzte Tiere erschlug der Züchter mit einem Vorschlaghammer.

„Zum ersten Mal wurde in Deutschland ein industrieller Tierhalter wegen Tierquälerei zu einer Gefängnisstrafe verurteilt“, sagte der Gründer und Vereinsvorsitzende von Soko Tierschutz, Friedrich Mülln laut Zeit Online. „Endlich hat es ein Richter gewagt, ein Tabu zu brechen und Missstände in der industriellen Tierhaltung hart zu bestrafen.“




Das Video veröffentlichte die Soko Tierschutz bereits im Jahr 2016. Gegen sie wurde zunächst wegen unerlaubten Zutritts ermittelt, doch das Verfahren wurde nach Zahlung einer Strafe von 100 Euro eingestellt.

Die Produkte des Qual-Züchters waren EU-weit mit diversen Gütesiegeln im Handel, beispielsweise mit „Qualität aus Baden-Württemberg“ oder von der Initiative Tierwohl. Lebensmittelketten wie Edeka oder Rewe führten das Fleisch des Züchters im Sortiment.