20. Juni 2019 - 17:55

Für Hollfeld: Radler sollen Geld bringen

2013 machte die BR-Radltour Station in Pegnitz – und lockte Tausende von Besuchern an. Foto: Archiv/Ralf Münch

HOLLFELD. Die BR-Radltour soll am 29. Juli Station in Hollfeld machen. Kann sich die Kommune das leisten? Das Landratsamt äußerte Bedenken, Stadträte auch. Doch „irgendwie“ wird das funktionieren, sagen Organisatoren und Bürgermeisterin.




Die Stadt ist auf Stabilisierungshilfen aus München angewiesen. Da geht es um eine halbe Million Euro. Die fließen nur bei einem Sparkurs, weil sonst auch die Rückzahlung bereits gezahlter Zuschüsse in Millionenhöhe droht. Freiwillige Leistungen wie die Radltour spielen eine Rolle.

Das bestätigt Herbert Retzer, Sprecher des Landratsamtes. Man habe eindringlich darauf hingewiesen, „dass eine Erhöhung bisheriger freiwilliger Leistungen oder gar neue freiwillige Leistungen als konsolidierungsschädlich anzusehen wären“. Die Radltour sei auf den Prüfstand zu stellen.




Die Veranstaltung hätte in der Stadtratssitzung am Dienstag öffentlich behandelt werden sollen, wurde aber verschoben. Ganz bewusst, sagt Bürgermeisterin Karin Barwisch. Weil die Kosten, nach Kurier-Informationen 80.000 Euro, „rein fiktiv“ gewesen seien. Niemand habe gewusst, „was tatsächlich auf uns zukommt“. Die Radltour sei wichtig für die Außenwirkung von Hollfeld, gerade im Tourismus. Da sollte kein Schatten darauffallen, „nichts Negatives nach außen dringen“.

Dass dies jetzt doch passiert ist, nimmt sie ihren Stadträten ein wenig übel. Da sei Wahlkampf im Spiel. Nach einem Gespräch mit allen Beteiligten am Mittwoch zum Sicherheitskonzept stehe jetzt fest, „dass wir ganz anders rechnen können, dass wir das kostendeckend auf die Reihe bekommen“. Weil man nicht auf das Areal in Nachbarschaft der Firma Claas zurückgreifen müsse. Dort hätte man „aufschottern und viele Bauzäune anbringen“ müssen. Das werde jetzt in den Etat eingearbeitet und dem Landratsamt vorgelegt. Sie geht davon aus, dass die Behörde zustimmt und der Haushalt wie geplant verabschiedet werde.




Für CSU-Sprecher Michael Schatz ist das Ganze eine persönliche Zerreißprobe: „Einerseits können wir der Radltour eigentlich nicht zustimmen, wenn ein Minus zu erwarten ist. Andererseits können wir sie nicht absagen.“ Das wäre eine „Riesenblamage“, zumal sie einen „enormen Werbeeffekt“ habe.

Er habe einige Vorschläge in petto, die seien aber noch nicht zu Ende gedacht. Schatz fühlt sich „in die Enge getrieben“. Jetzt gelte es, alle an einen Tisch zu bringen und eine „neue Gemeinschaft zu bilden“.

Manfred Neumeister (Bündnis 90/Grüne), selbst für den ASV im Orga-Team dabei, sieht das Problem eher gelassen. Was in den Haushaltsentwurf als „erste Zahl“ geschrieben worden sei, sei ohne Belang. Weil man zu wenig über die tatsächlichen Kosten gewusst habe, weil nur Ausgaben, aber keine Einnahmen gelistet seien. „Jetzt haben wir das kostendeckend hinbekommen, haben die Rolle der Vereine als Ausrichter gestärkt.“




Die Austragung sei „gesichert“, sagt Neumeister. Zu den Einnahmen zählten auch Parkgebühren. Außerdem arbeite man daran, Sponsoren an Land zu ziehen. Im Notfall will er, wie die Bürgermeisterin, in den eigenen Geldbeutel greifen, wenn ein Fehlbetrag entstehen sollte.

Weniger Optimismus strahlt Markus Seidler, Fraktionssprecher der Wahlgemeinschaft Hollfeld-Land, aus. Er ist angefressen. Weil das Thema seiner Meinung nach im öffentlichen Teil der Sitzung hätte behandelt werden müssen. Weil man den Stadtrat früher hätte einbinden müssen. Weil die Stadt als Veranstalter ein unternehmerisches Risiko eingehe, das sie sich nicht so ohne weiteres leisten könne. „Wir können das nicht so einfach durchwinken, solange die Finanzierung nicht geklärt ist“, sagt er.




Dagegen ist Stadtrat Hartmut Stern, Sprecher des Bürgerforums und ebenfalls im Orga-Team, optimistisch. Denn nun stehe fest, „dass wir vor allem das ASV-Gelände nutzen können, dass wir uns daher manche Kosten sparen können“. Natürlich werde der ASV eventuell noch mehr an Aufwand stemmen müssen als geplant, aber es seien ja auch andere Vereine mit im Boot: „Wir kriegen das hin, auch das Landratsamt wird mitspielen.“

Wie auch der ASV-Vorsitzende Hans-Peter Härtl. „Auch wenn wir den Hauptpart tragen müssen, es beteiligen sich viele.“ Und wie Stern verweist auch er auf das Dorffest von Bayern 3 im Jahr 2015: „Unter dem Strich kamen wir mit einem Plus raus.“ Es kamen über 60.000 Besucher, „im Etat hatten wir Ausgaben von 78.000 Euro angesetzt“, so Stern. Bei der Radl-Tour müsse man mit 8000 Leuten rechnen, „da sind wir von solchen Summen weit entfernt“.