Das Gurren des Grauens: Tauben werden zum Problem im Eisstadion

Selbst aufgepflanzte Dornen im Gebälk schaffen es nicht, die Tauben vom Bayreuther Eisstadion fernzuhalten. Ganz im Gegenteil: Die Sportstätte erfreut sich bei dem Federvieh zunehmender Beliebtheit. Foto: Rudolf Ziegler

EISHOCKEY. Was haben der Markusplatz in Venedig und das Kunsteisstadion in Bayreuth gemein? Weit mehr noch als die einzigartige Architektur ist es das Problem mit Tauben. Ein mit bis zu 500 Euro Bußgeld belegtes Fütterungsverbot hat in der Lagunenstadt geholfen, die Population der oftmals als fliegende Ratten verunglimpften Vögel signifikant einzudämmen. Im Eisstadion wird das aber nichts nützen. Im Gebälk des Tigerkäfigs fühlt sich die gemeine Stadttaube auch ohne externe Nahrungszufuhr pudelwohl und hat sich in den zurückliegenden Jahren so stark vermehrt, dass sie zur Plage geworden ist. Zum großen Leidwesen der Sportler und Trainer.





Die werden in schöner Regelmäßigkeit beschissen, wie Sebastian Mayer unumwunden zugibt. Der 34-Jährige ist hauptamtlicher Nachwuchstrainer des EHC Bayreuth und verbringt als solcher wöchentlich viele Stunden in der Gefahrenzone direkt unter der Komfortzone des gurrenden Federviehs. Dabei sei der Taubenkot nicht einmal das Hauptproblem. Man müsse zwar schon gewisse Stellen meiden, um nicht „ständig vollgekackt“ zu werden, gravierender aber sei vielmehr die Verletzungsgefahr. Die geht, wie Sebastian Mayer erläutert, nicht etwa von den festfrierenden Kotflecken aus – diese sähen halt „Scheiße“ aus –, sondern hauptsächlich von Ästen und abgebrannten Wunderkerzen.

Beides, Holz und Metallstäbe, sammeln die Tauben nämlich ein, um daraus ihre Nester zu bauen. Hin und wieder aber lassen sie etwas von ihrem Baumaterial auf die Eisfläche fallen. Und das ist einfach „wahnsinnig gefährlich“, sagt der EHC-Coach und beschreibt ein mögliches Szenario: „Fährst du mit dem Schlittschuh auf solch einen Sternschmeißer drauf, kann es sein, dass es dir unvermittelt die Beine wegzieht. Was dann alles passieren kann, mag man sich gar nicht so recht ausmalen – angefangen bei schweren Prellungen über Brüche bis hin zu Schnittverletzungen bei Mitspielern durch die scharfen Kufen.“



Sportamt weiß um die Problematik

Im Sportamt ist die Taubenproblematik längst angekommen. „Es werden wirklich ständig mehr, weil sie sich offensichtlich unter dem Stadiondach besonders wohlfühlen“, sagt Sportamtsleiter Christian Möckel, der feststellen muss, dass selbst die auf das Gebälk aufgebrachten Metalldornen und auch größere Zuschauerkulissen ihre abschreckende Wirkung verloren haben. „Die Tauben haben sich schnell daran gewöhnt.“ Was also tun?

„Wir stehen mit dem Hochbauamt in Kontakt und suchen hier gemeinsam eine Lösung“, sagt der Sportamtsleiter, dem – wie berichtet – aktuell schon die künftige Verteilung der so raren Eiszeiten großes Kopfzerbrechen bereitet. „Das Einfachste wäre ja ein Verzicht auf Sternschmeißer“, macht Christian Möckel einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag und vermutet, dass Eishockeyfans gegen solch eine stimmungskillende Maßnahme Sturm laufen würden. Wohl weniger die Anhänger der schnellsten Mannschaftssportart der Welt als vielmehr besorgte Tierschützer riefe wohl eine weitere Möckel‘sche Überlegung auf den Plan. „Vielleicht wäre ein Falkner eine Lösung“, sagt er augenzwinkernd.



Einsatz von Greifvögeln anderswo erfolgreich

Ganz so absurd ist diese Idee aber gar nicht. Denn der neueste Trend im Taubenkrieg ist in der Tat der Einsatz von Greifvögeln. Wanderfalke, Habicht und Co. sollen die Tauben so in Panik versetzen, dass sie entnervt das Weite suchen. Paradebeispiel für den Erfolg solcher Maßnahmen war der medial für großes Aufsehen sorgende Auftritt des Wüstenbussard-Weibchens Hillary in der Münchner Hofstatt-Passage vor rund zwei Jahren. Nach 20 Einsätzen in zwei Monaten war die Passage taubenfrei.




Allerdings sind solche Maßnahmen kein Schnäppchen. Wie die Stuttgarter Zeitung im Januar dieses Jahres meldete, hat man auch im schwäbischen Fellbach überlegt, einen Greifvogel einzusetzen. Zuvor war man mit verschiedensten Maßnahmen gescheitert, der Taubenplage und den daraus resultierenden Verschmutzungen Herr zu werden. Selbst eine „Pille für die Taube“, ein über das Futter verabreichtes Verhütungsmittel, oder eine Beschallung durch Falkenrufe wurden aus unterschiedlichen Gründen wieder verworfen. Lediglich der Einsatz von Habicht Merlin führte in der 44000-Einwohner-Stadt nahe Stuttgart zum Erfolg, wie ein Testflug zeigte. Der Preis? 650 Euro – pro Auftritt von Merlin.