Bayerische Fußball-Reform ist beschlossen: Drei gegen drei und bis zur E-Jugend ohne Torwart

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Eine E-mail sorgt seit Dienstag für Aufregung bei den 2968 Fußballvereinen in Bayern, die mindestens eine Jugendmannschaft stellen. Denn es kommen große Änderungen auf die Vereine zu. Der Bayerische Fußball-Verband reformiert zum 1. Juli den Kinderfußball. Doch die „Richtlinie für den Minifußball“ ist nicht neu, sie besteht seit dem 22.01.2019 und ist bereits seit ihrer Veröffentlichung gültig.


Wie mehrere Sportportale derzeit berichten, soll es zu grundlegenden Änderungen kommen. Dabei werde man den Jugendfußball völlig umkrempeln und die Kosten dafür sollen die Vereine tragen. Für den größten Unmut sorgt der Vorstoß, dass ab Juli bis zur E-Jugend auf einen Torwart verzichtet werden soll. „Wir müssen etwas tun“, sagt Florian Weißmann, Jugendleiter beim BFV. „Vieles in unserer Ausbildung passt nicht mehr.“ Man will den Druck von den Kindern nehmen. Wir haben Auszüge aus der Mail zusammengefasst, die Weißmann an alle Jugendtrainer versendet hat. Dabei wird die Richtlinie nur am Rand erwähnt, vielmehr geht es um eine Bestellaktion für die notwendigen neuen Tore.

Drei gegen drei und ohne Torwart

Die G-Junioren (U 6/U 7) und die F-Junioren (U 8/U 9) spielen ab der neuen Saison nur noch drei-gegen-drei auf vier Minitore oder zwei etwas größere – ohne Keeper. Statt Ligen gibt es nur noch Turniere und Kinderfestivals. Damit nicht mehr ständig die Besten auf dem Platz stehen und die Schwächeren draußen sitzen, wird nach einem Rotationsprinzip reihum eingewechselt. Dadurch sollen alle Kinder eine Spielzeit erhalten. Die begrenzte Spieleraufstellung entfällt damit.

Auch der jüngere E-Jugend-Jahrgang (U 10) trägt seine Spiele in Turnierform aus. Hier wird im Fünf-gegen-fünf auf Handballtore oder Minitore gekickt – mit einem Torwart, der aber nach jedem Spiel wechseln muss. Einen festen Schlussmann gibt es damit künftig erst ab der U 11. Das Spielfeld ist 20 bis 25-mal 25 bis 30 Meter groß.

Auswechselkontingent aufgehoben

Der Verbands-Jugendausschuss hat für Spiele der E- und F-Junioren auch das Auswechselkontingent zum 1.1.2019 aufgehoben. Ab sofort dürfen in Spielen dieser Altersklassen beliebig viele Spieler eingesetzt (ein- und ausgewechselt) werden. Um gleichzeitig den administrativen Aufwand zu reduzieren wird eine Spielerliste je Spiel umgesetzt. Alle am Spiel teilnehmenden Spieler werden in die Anfangsaufstellung aufgenommen. Die „Auswechselbank“ bleibt leer. Grundsätzlich zählen damit bei allen Spielen der E- und F-Junioren alle im Spielbericht aufgeführten
Spieler als eingesetzt und sind somit beim Einsatz in verschiedenen Mannschaften gemäß der gültigen Kleinfeldrichtlinie zu berücksichtigen.

Videobeitrag:

Vereine sind ratlos

„Wir haben noch keine offiziellen Infos bekommen“, sagt Jugendtrainer Martin Fischer aus Pegnitz. Er und sein Kollege Gerd Späth stecken ihr ganzes Herzblut in die Ausbildung der Jugend. Große Fortschritte habe man gemacht, besonders bei der Regelauslegung. Und auch die wir nun reformiert. Hinzu kommt: Kaum ein Sportverein hat die geforderten Minitore und muss diese jetzt selbst besorgen. Zwischen 80 und 120 Euro sollen zwei Tore im zulässigen Format kosten. Hinzu kommen spezielle neue Bälle, die je Altersgruppe verschiedene Größen haben müssen.

Doch was passiert, wenn die Vereine nicht mitspielen? „Als ausbildungsorientierte Spielform kann in den Altersklassen der G-, F- und jüngeren E-Junioren die Spielform Mini-Fußball umgesetzt werden“, heißt es in der Änderung der Spielordnung vom 22.01.2019. Auf Kreisebene könnten sich die Vereine querstellen und dennoch ihre Ligen ausspielen. Doch will man den Streit mit dem Verband vermeiden, wird man sich „entweder beugen oder die Kommunikation suchen müssen“, sagen einige Trainer. Doch der Verband zwingt die Vereine nicht. In einer neuen Mitteilung heißt es: „Die Vereine haben ab Juli die freie Wahl“. Dennoch würde man die neue Spielform sehr begrüßen.


Der Verbands-Jugendausschuss möchte mit den Spielformen im Minifußball die Kreativität und Spielintelligenz der einzelnen Spieler entwickeln. Um dies sicherzustellen, gelten folgende Maßstäbe:

  •  Fußballspielen für alle Kinder ermöglichen (Reduzierung der Meldehürde)
  • gleiche Spielzeiten für alle Spieler
  • viele Ballkontakte, viele Dribblings
  • viele Tore = viele Erfolgserlebnisse
  • Ausschalten des Relative Age Effect (relativer Alterseffekt) und der Drop Out-Raten (Ausscheidungs-Quote)
  • keine Ersatzbank
  • keine Positionsfixierung einzelner Spieler

Der Minifußball findet in den Altersklassen der G-, F- und jüngeren E-Juniorenstatt. Zur Teilnahme ist eine Spielberechtigung zwingend notwendig. Ausgenommen davon sind Turniere bzw. Festivals der Altersklasse der G-Junioren. In diesem Fall ist die Mitgliedschaft im jeweiligen Verein ausreichend.

Der Verbands-Jugendausschuss empfiehlt folgenden Spielfeldaufbau
1. Das Spielfeld muss rechteckig sein und eine Größe von 20-25 x 25-30 Meter haben.
2. Es ist eine Schusszone von 6 Metern von der Torlinie entfernt zu kennzeichnen. Der Strafstoßpunkt entfällt.
3. Die Mittellinie ist zu markieren. Die Spielfeldbegrenzungen werden durch Hütchen markiert.
4. G- und F-Junioren: 2x 2 Minitore (1,80 x 1,20 Meter oder 1,20 x 0,80 Meter) oder 2 Tore (3 x 1,65 Meter)
E-Junioren: Handballtore (3 x 2 Meter), alternativ Minitore. Ebenso können Tore durch Stangen oder Hütchen dargestellt werden. Die Tore können unterschiedlich aufgebaut werden.

 Zahl der Spieler/-innen und Spielzeiten

1. Eine Mannschaft besteht aus drei (G- und F-Junioren) bzw. fünf Spielern (E-Junioren).
2. Torwart: Bei den G- und F-Junioren gibt es keinen Torwart. Bei den E-Junioren wird einer der fünf Spieler als Torwart gekennzeichnet, der nur in der eigenen Schusszone spielt. Nach jedem Spiel erfolgt eine Rotation des Torwarts.
3. Spielerwechsel erfolgen in Form einer Rotation der Spieler von der Seitenlinie, d.h. ein Spieler wird erst ein zweites Mal vom Feld genommen, wenn alle anderen Spieler bereits pausiert haben.
4. Die Anzahl der Rotationsspieler ist um einen Spieler weniger als auf dem Spielfeld spielen. Bei gleicher Spielerzahl ist eine weitere Mannschaft zu bilden.

Spielform- und Bestimmungen

1. Festival
a. Die Spielfelder werden nummeriert. (Festlegung der Spielstärke)
b. Es wird im „Champions-League-Modus“ gespielt. Die Gewinner steigen ein Feld auf, der Verlierer ein Feld ab. Gewinner auf dem stärksten Feld und Verlierer auf dem schwächsten Feld verbleiben dort.
c. Nach jedem Torerfolg wird bei beiden Mannschaften ein Rotationsspieler eingesetzt.
d. Endet ein Spiel unentschieden, wird die Mannschaft mit dem zuletzt erzielten Tor als Gewinner gewertet.
e. Die Spiele erfolgen in mehreren Spielabschnitten zu je in der Regel 7 Minuten.

Turnierform
a. Die Spielzeit je Spiel beträgt zwischen 10 und 15 Minuten
b. Es wird im Modus jeder-gegen-jeden gespielt
c. Eine Tabelle und Siegerehrung gibt es nicht.

Sonstige Bestimmungen
1. Der Spielball muss ein Leichtspielball der Größe 3 (G- und F-Junioren) bzw. Größe 4 (E-Junioren) bis 290 gr. sein.
2. Zu Spielbeginn wird der Ball von der Seite in das Spielfeld geworfen. Die Mannschaften befinden sich zu diesem Zeitpunkt auf der Linie der Schusszone.
3. Es wird ohne Abseitsregel, Strafstoß und direkten Freistoß gespielt.
4. Aus einem Eckstoß kann ein Tor direkt erzielt werden.
5. Innerhalb der Schusszone darf kein indirekter Freistoß ausgeführt werden. Der Ball ist auf die Schusszonenlinie zurückzulegen.
6. Ein Schiedsrichterball wird analog dem Anstoß ausgeführt.
7. Beim Toraus wird das Spiel mit Einstoßen oder Eindribbeln fortgesetzt, dies gilt auch bei einem Eckstoß. Der Eckstoß wird von der Schusszone
ausgeführt.
8. Bei einem Seitenausball ist das Spiel durch Einstoßen oder Eindribbeln außerhalb der Schusszone fortzusetzen.
9. Bei der Ausführung von Freistößen und Eckstößen müssen die Spieler/- innen der gegnerischen Mannschaft mindestens fünf Meter vom Ball
entfernt sein.
10. Im Übrigen gelten die vom DFB anerkannten Fußballregeln sowie Satzung und Ordnungen des BFV.

Hier die ganze satzungsgemäße Änderung der Spielordnung:
Aenderung_Ordnungen_und_Richtlinien_Januar_2018

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