Änderung in der Planung: An der Bayreuther Hochbrücke geht es nicht vor 2021 los

Die Tage der Hochbrücke sind gezählt. Bis zu ihrem Abriss dauert es doch noch ein Jahr länger als gedacht. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Auf der Autobahn geht es Schlag auf Schlag. Baustelle folgt auf Baustelle, gerade auf der A9. Alles eng getaktet und mit großem finanziellen Aufwand. Die Bayreuther Dienststelle der Autobahndirektion Nordbayern hat derzeit so viel Geld zu verbauen wie sonst kaum: 160 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, rund genauso viel ist es in diesem Jahr. Vor Jahren hatte die Dienststelle 50 Millionen im Jahr im Schnitt zur Verfügung. Und: Es muss schnell gehen, denn in Kürze steht ein Projekt an, das Bayreuth direkt betrifft: der Neubau der Hochbrücke. Ein Projekt mit einem neuen Zeitplan.





Wenn die Hochbrücke gebaut wird, eines der am meisten belasteten Straßenstücke Bayreuths mit rund 22.000 Fahrzeugen am Tag, soll der Verkehr auf der Autobahn rollen, sollen keine weiteren Baustellen zu Störungen führen. Das ist auch der Grund, warum der ursprüngliche Zeitplan über den Haufen geworfen worden ist.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon 2019 beginnen. Jetzt wird nicht vor 2021 gebaut. Richtig gebaut. Wie der Leiter der Bayreuther Dienststelle der Autobahndirektion Nordbayern, Thomas Pfeifer, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, braucht man die Zeit, um zum einen die Umleitungsstrecken in Bayreuth und im direkten Umfeld fit machen zu können. Zum anderen, um die Hochbrücke und ihre vier Nebenbauten, die vier Anschlussrampen, für den Rückbau vorbereiten zu können.



Brückenteile sollen alleine stehen können

Anders als noch vor einem Jahr – die Planer haben die Planung im September 2018 beim Bundesverkehrsministerium eingereicht, „die technische und haushaltsrechtliche Genehmigung steht kurz bevor“, sagt Pfeifer – sieht das Konzept nicht mehr vor, erst die Rampen zum Industriegebiet und dann die Rampen zur Anschlussstelle Bayreuth-Nord abzubrechen und neu zu bauen und dann erst die Hochbrücke wegzureißen und neu zu bauen.

„Wir werden im kommenden Jahr die Bauwerke im Bereich der Widerlager voneinander trennen und statisch so ertüchtigen, dass jedes Bauwerk für sich stehen kann“, sagt Pfeifer. Derzeit sei die Hochbrücke, obwohl sie aus den fünf Teilbrücken besteht, als ein Bauwerk zu betrachten. Die Trennung könne so gemacht werden, dass der Verkehr auf der Hochbrücke weitgehend normal weiterlaufen könne.

„Im ursprünglichen Bauablauf war auch die Sperrung der Anschlussstelle Nord vorgesehen“ – für lange Zeit. „Wegen der eingeschränkten Leistungsfähigkeit der Umleitungsstrecken haben wir umgedacht und planen jetzt mit einer Teil-Sperrung von vier Monaten“, sagt Pfeifer. Lediglich die Ausfahrt Nord in Richtung Nürnberg werde für die Zeit gesperrt, eine Behelfseinfahrt gibt es über das Industriegebiet.



Baustelle im eigentlich Sinn ab 2021

Das sieht der Bauzeitenplan jetzt vor: Wenn zum Ende des Jahres 2020 die Brückenteile voneinander getrennt sind, werden erst die beiden Nordrampen abgerissen, die ins Industriegebiet und aus dem Industriegebiet Richtung Innenstadt führen. Wenn die Rampen im Jahr 2021 neu gebaut sind, wird der komplette Rest der Hochbrücke abgerissen und komplett neu hingestellt.

Das ganz große Spektakel wird übrigens ausbleiben, wenn die über 500 Meter lange Hochbrücke, die seit 1972 die Nord-Einfahrt Bayreuths prägt, weg kommt: „Wir planen keinen Sprengabbruch“, sagt Pfeifer.

Der Vorteil des neuen Bauzeiten-Konzepts sei, dass der Verkehr länger über die Hochbrücke laufen kann, ohne die Umleitungsstrecken zu belasten. An der geplanten Bauzeit von vier Jahren ändere sich allerdings nichts.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 92,2 Millionen Euro. Darin ist die eigentliche Hochbrücke mit 65 Millionen Euro enthalten, ebenso die Kosten für die Anpassungen im Straßennetz, „die Umleitungen, Signalanlagen und eine sehr aufwändige Neuordnung der Entwässerung im Bauumfeld“, sagt Pfeifer. So steht es auch im Antrag ans Verkehrsministerium.



Arbeiten im Vorgriff, dass es entspannter laufen kann

„Alles, was sonst gerade läuft, sind mehr oder weniger Arbeiten im Vorgriff, dass es später entsprechend entspannter laufen kann, wenn wir die Hochbrücke neu bauen.“ Am Mittwoch habe es, sagt Pfeifer, eine erneute Besprechung mit den verantwortlichen der Stadt und der Polizei gegeben, um „die neuralgischen Punkte wie den Ovalkreisel im Industriegebiet und das Signalisierungskonzept zu optimieren.

Das ist eine der Hauptaufgaben, weil der innerörtliche Verkehr ja nicht minder sensibel wie der überörtliche Verkehr ist. Ziel ist, immer höchstens eine Richtung über die Hochbrücke und nur eine übers Industriegebiet laufen zu haben.“



Die Projekte auf der A9

Eines der wichtigen Projekt des Jahres, die Pfeifer am Freitag auch im Rahmen eines Pressegespräches vorstellen wird, ist – natürlich – die Sanierung der Lanzendorfer Talbrücke. Eine Baustelle, das „der Verkehrsführung und den Verkehrsteilnehmern einiges abverlangt“, wie Pfeifer einräumt.

Was viele verkennen: „Das ist der höchstbelastete Abschnitt der A9 in Oberfranken. Im Schnitt haben wir dort zwischen der Anschlussstelle Bad Berneck/Himmelkron und dem Kreuz 72.400 Fahrzeuge am Tag. Vor der Anschlussstelle sind es 63.000 – und damit rund 10.000 weniger, ab dem Bindlacher Berg sind es 67.000.“

Die Über-Eck-Verbindung von B 303 zur A 70 schaufle stündlich bis zu 640 Fahrzeuge über die Einfahrt auf die A 9, „mit Spitzenwerten am Montag und Dienstag in Richtung Süden und umgekehrt ab Mittwochnachmittag in Richtung Norden“.



Seit die Bayreuther Dienststelle der Autobahndirektion Nordbayern die Einfahrt in Richtung Süden gesperrt hat, habe man das Stauaufkommen reduzieren und vor allem die Staus im Vergleic zu den Vorwochen deutlich schneller abbauen können, sagt Pfeifer. „Eine normale Spur auf der Autobahn kann pro Stunde im Schnitt 1300 bis 1500 Fahrzeuge aufnehmen. Bei Himmelkron wurde die halbe Kapazität – bei einer zusätzlich wegen der Baustelle weggenommenen Fahrspur – allein von der Einfahrt aufgebraucht.

Zudem ist ja die Verkehrsführung wegen der verengten Fahrstreifen sehr sensibel und anspruchsvoll.“ Man beobachte und analysiere deshalb den Verkehr weiter sehr genau. Denn: „Wir sind auch jetzt mit der Verkehrsabwicklung noch nicht zufrieden.“



Baustelle läuft laut Pfeifer schneller als geplant

Was fast „etwas untergeht“, wie Pfeifer sagt, in der Diskussion um die Staus und die teils schweren Unfälle wegen der Baustelle: „die Bauarbeiten selbst laufen extrem gut wegen des guten Wetters und des hohen Personaleinsatzes. Wir liegen deutlich vor dem Zeitplan“, sagt Pfeifer. Bis Ende Juni werden wir mit der Fahrtrichtung Süden fertig sein und dann auf die andere Seite wechseln.“




Ab Mai wird auch Richtung Süden gebaut

Ein dickes Brett kommt ab Frühjahr auf die Autofahrer zu: „Von Mai bis Oktober sanieren wir ein 9,8 Kilometer langes Teilstück zwischen Bayreuth-Süd und Pegnitz“, sagt Pfeifer. „ganz ohne Zweifel, auch da muten wir den Autofahrern einiges zu, denn da sind immer noch rund 54.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs.“

Allerdings dulde auch dieses Teilstück keinen Aufschub: „Wir sind an der Verschleißgrenze. Und wir haben jetzt durch die vorhandenen Mittel die Chance, die A 9 in einen zukunftsfähigen Zustand zu versetzen.“ Die Sanierung wird rund 30 Millionen Euro kosten, sagt Pfeifer.