Reh-Plage auf Pegnitzer Friedhof

Foto: Markus Roider

PEGNITZ. Erneut sorgen offenbar gleich mehrere Rehe für Ärger und Unruhe am Neuen Friedhof in Pegnitz. Trotz neuer Zäune suchen die Tiere den Grabschmuck heim, trampeln durch Beete, fressen sich satt und lassen ihre Hinterlassenschaften zurück. Den Trauernden reicht es jetzt, von der Stadt fühlen sie sich verlassen. 




Nachdem es im letzten Jahr relativ ruhig um die Rehplage wurde, 2017 schlug das Thema noch hohe Wellen, werden die Rufe der Grabbesitzer in den letzten Tagen wieder lauter. Vermehrt werden abgerissene Blumen und erste Stiefmütterchen gefunden, die zweifelsfrei von Wildtieren befallen wurden. Das bestätigte unserem Reporter auch ein zufällig anwesender Gärtner am Mittwoch auf dem Friedhofgelände. Demnach gehen die Tiere systematisch durch die Reihen. „Vor allem in den mittleren Feldern, wo jetzt den ganzen Tag schon die Sonne den Neubewuchs anregt“, so der Fachmann. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen, aus Angst vor Konsequenzen für seine Geschäfte. Er müsse aber bereits immer wieder nachpflanzen, und das auf eigene Kosten, wie er sagt.

Angefressen und herausgerissen. Foto: Roider

Die „Blumenräuber“, wie er sie nennt, kommen vor allem in der Nacht und in den frühen Morgenstunden. Man sieht ihre Fußspuren in den Gräbern. Ganze Pflanzen werden herausgerissen, Knospen abgebissen. Auf bereits frisch angepflanzten Stiefmütterchen sieht man deutliche Fraaßspuren. Betroffene haben teilweise spitze Stäbe montiert, um das Wild abzuhalten. Andere überlegen, ein Netz zu spannen. Doch dessen Nutzen sieht der Gärtner eher skeptisch entgegen.



Stadtjäger wird nicht schießen

Von der Reh-Plage am Friedhof weiß auch der Pegnitzer Stadtjäger und Revier-Mitinhaber Hans-Jürgen Groß. Auf Nachfrage wiederholte er am Mittwoch seine Ausführungen aus den letzten Monaten und Jahren. „Jagen ist auf dem Friedhof verboten“, sagt Groß. Und selbst wenn im Akutfall die Befriedung durch Polizei und Landratsamt aufgehoben sein, wäre da noch die Störung der Totenruhe. „Man ballert nicht auf dem Friedhof herum“. Außerdem sei dies laut dem Stadtjäger viel zu gefährlich. „Da ist Tag und Nacht jemand am und im Gelände“, befürchtet Groß. Zudem könne man Schuss-Schäden an den Grabsteinen nicht vermeiden.

Angefressen und herausgerissen. Foto: Roider

Von einer Bejagung mittels Abschuss wollen auch Landratsamt und Stadt Pegnitz möglichst absehen. „Es sprechen aus unserer Sicht ethische Gründe gegen einen Schusswaffeneinsatz auf dem Friedhof. Deshalb wollen wir das auch solange als möglich verhindern“, sagt Bürgermeister Uwe Raab. Insbesondere im Herbst und Winter 2017/18, aber vereinzelt auch davor, seien Rehe immer wieder in den Friedhof eingedrungen, „um sich dort an den Grabanpflanzungen zu laben“, sagt Raab.



Deshalb habe die Stadt damals schon zielgerichtet versucht, Maßnahmen zu ergreifen, die ein solches Eindringen verhindern. So wurden laut Raab alle Gärtner-, Bestattungs- und Grabsteinfirmen angewiesen, sämtliche Tore nach deren Passage sofort wieder zu verschließen. Zudem habe man ein automatisches Türschließsystem eingebaut und „eine bis auf die Tore, den Friedhof komplett umschließende, hohe und nach wie vor funktionstüchtige Zaunvorrichtung“ angebracht. Doch gerade diese „lieblose Vorrichtung“, bemängeln die Betroffenen.

Halbherzige Einfriedung

„Die Stadt ist weiterhin gefragt“, sagt der Waidmann zielsicher. Die bisherigen Maßnahmen seien „Quatsch“, da müsse ein richtiger Wildschutzzaun errichtet werden. Ihm habe der Bürgermeister gesagt, das würde „locker 40.000 Euro“ kosten. Stadtoberhaupt Uwe Raab spricht im Interview mit unserer Zeitung von einem aktuellen Provisorium des Zaunes, das „im Rahmen der anstehenden Friedhofssanierung hinsichtlich einer Neugestaltung“ zu überprüfen sei. Schon 2018 hat er das Provisorium erwähnt. Damals sollte es eigentlich im Stadtrat entschieden werden. „Bei einer neuen Zaunanlage sprechen wir schnell von einer höheren fünfstelligen Investition, die kostenrechnend auf die Gebühr umgelegt werden muss“, sagt Raab. Jetzt soll diese Maßnahme aber im Rahmen der Generalsanierungsentscheidungen mit getroffen werden. Allerdings hätte sich laut dem Stadtoberhaupt der bisherige Zaun bewährt. „Kein bischen“, sagt der Friedhofsgärtner. Zudem würden durch Sturmböen immer wieder Äste auf dem Zaun landen und diesen beschädigen.



Der Zaun im Bereich der Winterleite. Immer wieder schlagen hier Äste ein. Foto: Roider

Raab erklärte schon 2017 auf Anfrage, dass die Friedhofsverwaltung zusammen mit dem Bauhof bereits vor dem Winter, „und auch immer wieder danach“, den Zaun um den Friedhof geprüft habe. Damals klaffte auch noch ein großes Loch hervor, weil ein Baum umgestürzt war. Auch an der Abgrenzung zur Winterleite, im dortigen Waldgebiet, fanden sich große Lücken. Diese sind jetzt alle geflickt und sogar eine optisch fragwürdige Erweiterung des Zaunes wurde errichtet.

„Teilweise sinnlos“, meinen Gärtner und Besucher auf dem Friedhof. Besonders im südlichen Bereich des Geländes könnten Tiere problemlos eindringen. Kniehoch ist dort beispielsweise der Mauervorsprung. Da helfe auch das automatisch schließende Tor nicht weiter, so die Ausführungen einiger Beschwerdeführer. Die Rehe marschieren eben so lange am Zaun oder an der Hecke entlang, bis sie einen Durchschlupf finden. Das hat der erfahrene Jäger beim „Abspuren“ rund um das Areal festgestellt – und er ergänzt: „Notfalls springen sie halt über die Mauer.“



Für Rehe kein Problem zu überwinden. Foto: Roider

Treibjagd auf dem Friedhof

Anwohner berichten aktuell sogar von städtischen Treibjagden. Dabei würden Mitarbeiter des Bauhofs den Zaun im Bereich der Winterleite öffnen und anschließend die Rehe aus dem Gelände treiben. Bis zu zehn Arbeiter seien dabei eingesetzt heißt es. Das würde ebenfalls hohe Kosten verursachen, befürchten viele Bürger. Steuergelder und Friedhofsgebühren, die man auch in einen besseren Zaun investieren könnte? Raab bestätigt unserem Reporter die Treibjagden. „Dies geschieht bei Bedarf und dauert in der Regel eine knappe halbe Stunde bei einem Einsatz von mehreren Mitarbeitern“. Eine genaue Zahl nannte der Bürgermeister jedoch nicht.

Angelika S. betreut seit vielen Jahren schon das Familiengrab auf dem Neuen Friedhof. Vor kurzem seien ihr zwei Rehe durch das Grab gesprungen, als sie mit der Pflege beschäftigt war. „Ich bin sehr erschrocken, die hätten mich umrennen können“. Die Seniorin weiß nicht genau, wer die Tiere aufgescheucht hat, hörte aber lautes Rufen und Klatschen wie sie berichtet. Zudem seien einige Fahrzeuge des Bauhofs auf dem Parkplatz gestanden.



Für Ärger sorgen laut S. aber auch zahlreiche Gassigeher und Schüler, die den Friedhof als Abkürzung nehmen. Das durfte auch unser Reporter feststellen, als beim Ortstermin am Mittwoch lautstark einige Jugendliche durch die Gänge liefen. Dabei wurde auch auf den Boden gespuckt. Hier darf man aber wohl an die Vernunft des Einzelnen appellieren.

Foto: Markus Roider

 







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