16. Oktober 2019 - 16:47

Zentrum: Untreue-Anklage fast fertig

Die ehemalige Geschäftsführerin des Zentrums soll bald angeklagt werden. Das Foto zeigt das Foyer der Kultureinrichtung. Archivfoto: Ronald Wittek

BAYREUTH. Im Fall der mutmaßlichen Untreue im Zentrum will die Staatsanwaltschaft noch im Februar Anklage gegen die ehemalige Geschäftsführerin erheben. Das erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel auf Anfrage.




Seine Behörde sei über der Schlussbearbeitung des Falles, sagte Potzel. Demnach werde der Beschuldigten vorgeworfen, das Zentrum um eine Summe von „unter 200.000 Euro“ geschädigt zu haben. Weil die Frau als Geschäftsführerin Verfügung über die Konten der Einrichtung hatte, lautet der Vorwurf auf Untreue. Der Paragraf 266 des Strafgesetzbuches sieht hierfür eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor. Der Fall der ehemaligen Zentrums-Geschäftsführerin soll laut Potzel zum Schöffengericht angeklagt werden, das eine maximale Strafgewalt von vier Jahren hat.

Die Geschäftsführerin war im Oktober 2017 fristlos entlassen worden, nachdem bei internen Überprüfungen festgestellt worden war, dass Geld in der Kasse fehlte. Verantwortliche des Trägervereins, die CSU-Stadträte Klaus Klötzer und Stefan Specht, gaben Anfang Januar 2018 den Fall bekannt und erklärten, man habe Strafanzeige erstattet.




Dass die Ermittlungen fast eineinhalb Jahre andauerten, erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Potzel so: Es handle sich um Hunderte von Einzelfällen; in jedem Fall sei zu prüfen gewesen, ob das durch die Geschäftsführerin ausgegebene Geld für private Zwecke oder doch für das Zentrum ausgegeben worden sei.

Laut Potzel hat die Beschuldigte während des Ermittlungsverfahrens keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Ihre Verteidigerin Tanja Brettschneider erklärte am Freitag auf Anfrage, sie wolle keinen Kommentar zu dem Fall abgeben.

Im Januar 2018 hatte die Geschäftsführerin selbst gesprochen und „Kaufsucht“ als Motiv für ihre Untreuehandlungen genannt. Damals bestätigte sie, sie habe gegenüber Verantwortlichen des Trägervereins ihre Taten eingestanden und ein Schuldeingeständnis unterzeichnet. Sie sagte auch, sie habe bereits Schadenswiedergutmachung geleistet – Klötzer sprach von 40.000 Euro, die das Zentrum zurück bekommen habe.




Um den Fall ist auch politischer Streit entbrannt. Im Kern lautet der Vorwurf: Die Vorgänge im Zentrum seien verspätet bekannt gemacht worden.

Insider erwarten, dass es in dem Prozess auch um die Frage gehen wird, ob der Geschäftsführerin zu sehr vertraut wurde und ihr die Taten somit leicht gemacht wurden. Der leitende Oberstaatsanwalt Potzel erklärte hierzu nur, dass die ehemalige Geschäftsführerin die alleinige Beschuldigte sei – die Frage mangelhafter Kontrolle spiele in solchen Fällen nur bei der Strafzumessung eine Rolle.







Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen