15. Dezember 2019 - 00:58

Traum vom Derby: EHC zuversichtlich in die Relegation

Hat die Landesliga mit seiner Mannschaft fest im Visier: Marco Zimmer, der Spielertrainer des EHC Bayreuth. Foto: Rudi Ziegler

EISHOCKEY. Im letzten Jahr gescheitert, soll der Landesliga-Aufstieg in diesem Jahr gepackt werden. Die Meisterschaft in der Bezirksliga, Gruppe I, war für den EHC Bayreuth nur eine Zwischenstation: Am kommenden Wochenende beginnt die heiße Phase. Zwei Relegationsrunden sind zu überstehen, um sich in der kommenden Spielzeit „Landesligist“ nennen zu dürfen. Im Modus „Best of three“ treffen die Bayreuther zunächst auf den DEC Inzell, den Zweiten der Gruppe II. Spiel eins steigt am Samstag um 17.30 Uhr, Spiel zwei am Tag danach um 17 Uhr in Oberbayern. Der Heimvorteil, sagt Spielertrainer Marco Zimmer im Interview mit unserer Zeitung, könne ein wichtiger Faktor sein. Aber nicht nur der. Auch der wahrscheinliche Abstieg des EV Pegnitz liefere seinem Team einen zusätzlichen Motivationsschub.




Die Saison hat für Ihr Team recht schmerzhaft begonnen, mit einer 3:4-Niederlage in Mitterteich. Danach haben Sie bis auf eine Ausnahme – eine 3:4-Niederlage gegen Ingolstadt im Penaltyschießen – alles gewonnen. Dementsprechend positiv müsste doch Ihre Saisonbilanz ausfallen?

Marco Zimmer: Das tut sie auch, obwohl der Auftakt richtig, richtig schlecht war. Diese Niederlage in Mitterteich hat wehgetan und war so nicht eingeplant. Im Nachhinein aber war sie genau der Schuss vor den Bug, den wir gebraucht haben. Ich hatte einige Neulinge zu integrieren – auch aus der Bayernliga. Und auch die haben gesehen, dass das in der Bezirksliga kein Spaziergang wird, dass ohne Einsatz gar nichts geht. Die Einstellung hat sich dann auch Woche für Woche gebessert, wobei auch der 5:4-Sieg in Ingolstadt am dritten Spieltag ungemein wichtig war, schließlich lagen wir 0:4 hinten.




Was sind die Stärken, was die Schwächen bei Ihrem Team?

Zimmer: Defizite haben wir sicherlich in der Geschwindigkeit, weil wir eben doch eine recht alte Mannschaft haben. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die großteils junge Spieler aufs Eis bringen und ihre Teams mit älteren ergänzen. Bei uns ist das umgekehrt. Gleichzeitig ist die Erfahrung eine unserer Stärken. Viele haben schon höherklassig gespielt, das macht unser Schnelligkeitsdefizit locker wett.

Sie haben die Altersstruktur Ihrer Mannschaft angesprochen: Die Bandbreite ist ja immens – von 17 bis 47. Christian Toponar ist der Jüngste, Marco Zimmermann der Älteste. Stellt das eine besondere Herausforderung dar?

Zimmer: Der Altersunterschied nicht. Herausfordernd ist vor allem der Umgang mit unseren jüngeren Spielern. Ihnen fehlt es in Teilen einfach an Respekt, Disziplin und auch Engagement. Tendenziell muss ich eher einen jungen Spieler zum Training schleifen. Mit den Älteren komme ich super klar, sie haben ausnahmslos eine top Einstellung und leben auch vor, worauf es ankommt. Dieser Kreis der Älteren ist auch eine über Jahre gewachsene, verschworene Gemeinschaft mit vielen Freundschaften. Sergej Hausauer und Florian Zeilmann beispielsweise waren meine Trauzeugen.




Jetzt Blick voraus: Gegner in der ersten Relegationsrunde ist der DEC Inzell. Was wissen Sie über den Gegner?

Zimmer: Bislang nicht so viel. Ich habe mir die Aufstellung einmal angeschaut – und kenne wirklich keinen einzigen Spieler. Was ich aber weiß, auch aus der Vergangenheit: Mannschaften aus dieser Gegend sind ungemein kampfstark. Die spielen, als ginge es um ihr Leben. Eishockey ist für sie alles. Darauf müssen wir gefasst sein und dann unsere technischen Qualitäten aufs Eis bringen. Dass wir mehr an Qualität haben, davon bin ich überzeugt.

Der Verein hat immer betont, dass der Aufstieg das große Ziel sein muss. Warum ist er so wichtig?

Zimmer: Hier geht es natürlich zunächst darum, dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten, die Talente aufzufangen und zu binden. Und da ist die Landesliga einfach attraktiver als die Bezirksliga, auch weil hier fast jede Mannschaft schon einen oder zwei gute Ausländer dabei hat. Ehrlicherweise aber muss man auch sagen, dass uns unser Nachwuchs, für den wir das ja machen, zuletzt enttäuscht hat. Aus oben genannten Gründen. Ich habe aber die Hoffnung – und das zeichnet sich auch ab –, dass da in Zukunft ein paar richtig gute Jungs aus dem Nachwuchs nachkommen.




Seit dem Wochenende steht ja so gut wie fest, dass der EV Pegnitz in die Landesliga absteigen muss. Ist das für Ihre Mannschaft zusätzliche Motivation, den Aufstieg dahin unbedingt zu schaffen? Schließlich gibt es ja eine Reihe von Spielern mit Pegnitzer Vergangenheit – Sie selbst eingeschlossen.

Zimmer: Genau so ist es. In der nächsten Saison gegen Pegnitz – das wäre ein Traum. Ein super Derby. Es gibt ja wirklich einige Spieler von uns, die nicht ganz so positiv gestimmt aus Pegnitz weggegangen sind. Da gibt es schon die eine oder andere Rechnung zu begleichen. Es wäre schon cool, den Pegnitzern zu zeigen, wer das bessere Eishockey spielt. Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Erst müssen wir unsere Aufgaben erledigen. Und dann kann es ja auch sein, dass die Bayernliga erweitert wird und der EVP doch noch drin bleibt.




Derby-Atmosphäre gab es in dieser Saison schon des Öfteren? Ihre Mannschaft hat für Bezirksliga-Verhältnisse einen ausgesprochen großen Publikumszuspruch. Auch zum Hauptrunden-Finale in Regensburg waren sicherlich rund 80 Bayreuther Fans dabei. Warum ist das so?

Zimmer: Uns kam natürlich der Streit mit der GmbH zugute und die Tatsache, dass der Fanclub Mainkurve zu uns abgewandert ist und uns nach wie vor unterstützt. Andererseits sind den Fans viele unserer Spieler aus der Vergangenheit bekannt. Wir haben eine sympathische Mannschaft, mit der man sich identifizieren kann.




Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

Zimmer: Eine riesige. Gerade vor dem Hintergrund der großen Unterstützung ist das ein wichtiger Faktor. Das Heimrecht kann sogar der entscheidende Punkt sein. Unsere Gegner sind regelmäßig beeindruckt, wenn sie bei uns auflaufen.

Wie sieht es personell aus? Sind alle Mann an Bord?

Zimmer: Leider nicht erfüllen wird sich unsere Hoffnung auf eine Rückkehr von unserem Torhüter Nicolas Sievers. Er wird bis Saisonende ausfallen. Und auch Florian Müller wird beim ersten Spiel verhindert sein. Ansonsten dürften aber alle wichtigen Spieler an Bord sein.

Also steht einem erfolgreichen Start nichts mehr im Wege?

Zimmer: Eigentlich nicht. Ich bin sehr zuversichtlich. Wenn wir es schaffen, unsere Qualität aufs Eis zu bringen, und nahtlos an unsere Leistungen der letzten Wochen anknüpfen, werden wir Inzell schlagen.







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