18. Februar 2019 - 07:02

Sieben Schuss mehr Sicherheit: Neue Dienstwaffe für die bayerische Polizei

Michael Buß, der Koordinator für das Waffen-Rollout bei der Polizeiinspektion Kulmbach, hält links die neue SFP9 und rechts das alte Modell P7. Die SFP9 verfügt über 15 Schuss Munition – sieben mehr als bei der P7. Foto: Stefan Linß

KULMBACH/COBURG. Sie liegt leichter in der Hand, fasst mehr Munition und lässt sich individuell anpassen: Die neue Dienstwaffe der bayerischen Polizei kommt derzeit überall in den Dienststellen im Freistaat an. Auch die Polizeiinspektionen in Oberfranken haben die Ausgabe gestartet.




„Bis zum Spätsommer sind bei uns alle alten Modelle gegen das neue ausgetauscht“, sagt Peter Hübner, der Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach. „Unsere Kollegen, die draußen Streife fahren, bekommen die neue Dienstwaffe zuerst.“

Ziehen muss neu geübt werden

Die Beamten werden an der Waffe geschult, sagt Ralf Neumüller, der Leiter der Polizeiinspektion Coburg. Denn obwohl die neue Pistole SFP9 von Heckler & Koch kommt – und damit vom gleichen Hersteller wie der Vorgänger – sei die Handhabung eine völlig andere. „Die alte Pistole hatte eine Handballensicherung. Bei der neuen sitzt der Widerstand nun direkt am Abzug“, erklärt Christian Brettschneider, Koordinator polizeiliches Einsatzverhalten.

Und noch eine weitere technische Änderung gibt es für die Polizei im Einsatz zu beachten: Weil es auch ein neues Holster gibt, muss das Ziehen der Waffen neu geübt werden. Die neue Technik soll sicherstellen, dass bei einem Gerangel oder in einem Moment der Unachtsamkeit nicht ein anderer die Pistole unrechtmäßig an sich nehmen kann – so wie es im Juni 2017 auf einem Bahnsteig in Unterföhring geschah. Dort wurde einer junge Polizistin im Dienst mit der Waffe ihres Kollegen in den Kopf geschossen.




Eine Bewegung 1200 mal ausführen

Trainer werden in den nächsten Wochen und Monaten allen Beamten den Umgang mit der SFP9 vermitteln. Dazu wird es Theorie- und Praxisunterricht geben. Und sogar Hausaufgaben. „Denn grundsätzlich sagt man, dass eine Bewegung 1200 Mal ausgeführt werden muss, damit sie verinnerlicht ist“, so Brettschneider. Weil solch eine Zahl in der Schulung nicht erreicht werden kann, seien die Polizisten angehalten, darüber hinaus den Umgang mit der Waffe zu üben. In der Dienststelle stehen ihnen dazu sogenannte Rotwaffen zu Verfügung. Das sind funktionsunfähige Pistolen, die zu hundert Prozent der echten Waffe gleichen, aber selbst mit Munition geladen keinen Schuss abgeben können. „Damit kann nicht nur das Ziehen sicher geübt werden“, erklärt Christian Brettschneider. Dank roter Farbe ist die Trainingswaffe auf den ersten Blick erkennbar.

Der Griff ist bei der SFP9 etwas ganz besonderes. „Damit jeder eine passende Waffe bekommt, gibt es für die beiden Griffschalen sowie den Griffrücken je drei unterschiedliche Größen“, sagt Brettschneider. Um die Waffe perfekt auf Form und Größe der eigenen Hand anzupassen, wählen die Beamten aus 27 verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der Griffteile. Und nicht nur deshalb liegt die Pistole besser in der Hand. „Sie ist leichter als die bisherige P7“, so Brettschneider. Das Datenblatt des Herstellers weist für die SFP9 ein Gewicht von 710 Gramm aus – im geladenen Zustand 870 Gramm.




Vier Waffen in der Endauswahl

„Wir erhalten mit der neuen Pistole eine sichere und zeitgemäße Waffe“, betont der Coburger Polizeiinspektionsleiter Ralf Neumüller. Statt der bisher acht Patronen im Magazin hält die SFP9 nun 15 Schuss vor. „Hinzu kommen 15 Schuss im zweiten Magazin, das die Beamten mitführen.“ Damit sei ein Polizist mit 30 Schuss im Einsatz. „Auch im Hinblick auf eine Terrorabwehr ist das eine deutliche Verbesserung.“

Dass sich der Freistaat für das Heckler&Koch-Modell entschieden hat, mit dem bis Ende des Jahres alle 33.500 bayerischen Polizisten ausgestattet sein sollen, geht mit auf das Konto von Ralf Neumüller. Der Dienststellenleiter saß in der Projektgruppe, die die Umstellung vorbereitet hat. „Erste Gespräche gab es bereits Ende 2016“, erinnert er sich. Nach der Auftragsbekanntgabe im Juni 2017 seien mehrere Angebote beim Freistaat eingegangen. Vier Pistolen schafften es in die Auswahl. „Nachdem mehr als 1000 Beamte monatelang die Anwendung erprobten, bekam Heckler&Koch im Dezember 2017 den Zuschlag“, so Neumüller.




Dass der Freistaat seine Polizisten überhaupt mit neuen Waffen ausstattet und für die Anschaffung von 40.000 SFP9-Modellen 30 Millionen Euro ausgibt, sei ein Zeichen der Wertschätzung der Polizei gegenüber, findet Ralf Neumüller. „Die bisherige P7 ist seit 1979 im Einsatz und wird seit 2008 gar nicht mehr produziert“, weiß der Inspektionsleiter. Das Beschaffen von Ersatzteilen sei immer schwieriger geworden. „Auf lange Sicht fehlen uns für die vielen neuen jungen Beamten dann einfach die Pistolen“, so Neumüller.







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