Neuer Prozess: Vergewaltigungsfall wird wieder aufgerollt

Foto: Arne Dedert, dpa-Archiv

BAYREUTH. Einem mutmaßlichen Vergewaltiger drohen für ein Sexualverbrechen aus dem Jahr 2015 mehr als vier Jahre Haft. Die Berufungskammer des Landgerichts hat seinen Fall am Montag an die Große Strafkammer verwiesen. Das mutmaßliche Opfer indes fühlt sich in einem Albtraum gefangen.





Weinend und erkennbar verzweifelt saß die heute 46-jährige Bayreutherin am Ende des Berufungsprozesses an der Seite ihrer Anwältin Cordelia Schmidt-Steingraeber. „Ein Mädchen!“, sagte sie mehrfach, „das muss man sich vorstellen, ein 13-jähriges Mädchen…“ Was die weinende Frau meinte: Der Vorsitzende Richter der Berufungskammer, Werner Kahler, hatte einige Minuten vorher ein Urteil des Landgerichts Chemnitz vom August 2018 verlesen, dem zufolge der heute 41-jährige Falko B. aus Sachsen eine Jugendliche in zwei Fällen sexuell missbraucht hat. Hierfür bekam er vom Landgericht Chemnitz eine zweijährige Bewährungsstrafe.



Warum das Urteil aus Chemnitz bei der Berufungskammer in Bayreuth eine Rolle spielt? Der sexuelle Missbrauch an dem Mädchen fand im September 2016 statt, zwei Monate nach einem Prozess vor dem Schöffengericht in Bayreuth, wo Falko B. wegen Vergewaltigung der heute 46-jährigen Bayreutherin schuldig gesprochen und zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Mehr Strafe kann ein Schöffengericht für Erwachsene nicht verhängen. Falko B. soll die Bayreutherin im April 2015 auf dem Sofa in ihrer Wohnung vergewaltigt haben, obwohl diese ihm sagte, sie wolle keinen Geschlechtsverkehr.



Die Frau und der Mann aus Sachsen lernten sich Wochen zuvor im Chat eines Flirtportals kennen und wurden schnell ein Paar. Die Frau sagte in dem Berufungsprozess aus, ihr neuer Freund habe ungewöhnlich oft Sex gewollt, ungewöhnlich fand sie auch, dass ihr Liebhaber dabei „grobe“ Praktiken bevorzugte. Oft ließ sie sich das gefallen, in einer Nacht jedoch nicht und zog sich zum Schlafen auf die Couch zurück. Einen Annäherungsversuch wies sie zurück, worauf der Angeklagte sie unter Gewaltanwendung zum Sex zwang. Ihre Aussage musste die Zeugin mehrfach weinend unterbrechen: „Es kommt jetzt gerade wieder ganz schlimm hoch.“




Der Angeklagte bestreitet die Tat

Die 46-Jährige zeigte ihren Freund nicht gleich an. Einige Wochen später wollte sie ihn bei einem Streit hinauswerfen, worauf er sie brutal an den Haaren gepackt und durch die Wohnung gezerrt haben soll. Da rief sie die Polizei wegen der Misshandlung. Erst als sie bei der Befragung eine Andeutung machte, kam der Fall mit dem Verdacht der Vergewaltigung zur Kripo.

Im Prozess in erster Instanz hatte Falko B. die Tat bestritten. Im Berufungsprozess bleib er dabei: „Ich kann nichts gestehen, was ich nicht gemacht habe.“ Der Mann ist vielfach vorbestraft. Unter anderem bekam er im Jahr 2006 vom Landgericht in Gera eine zweijährige Bewährung für Vergewaltigung, musste das aber nach einem Widerruf der Bewährung absitzen. Auch danach wurde er noch mehrfach verurteilt – und bekam wieder Bewährungsstrafen, „warum auch immer“, sagte Staatsanwalt Jochen Götz am Montag, innerlich den Kopf schüttelnd.

Die Aussage des Opfers genügte der Berufungskammer für eine Entscheidung. Das Gericht unter Vorsitz von Werner Kahler hielt „mehr als einen hinreichenden Tatverdacht“ für erwiesen. Weil die zweijährige Strafe aus Chemnitz mit in das angefochtene Urteil einbezogen werden müsste, die Berufungskammer aber an die maximale Strafgewalt des Schöffengerichts von vier Jahren gebunden ist, wurde das Ersturteil aufgehoben und das Verfahren an die Große Strafkammer zur erneuten Verhandlung verwiesen.







Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen