Nach Vorfall im Kaufland: Kinder ansprechen ist keine Straftat


BAYREUTH. Fast eine Woche ist es her, dass im Bayreuther Kaufland ein junges Mädchen (10) von einem Unbekannten angesprochen und zum Mitgehen aufgefordert wurde. Einen polizeilichen Hinweis an die Bevölkerung gab es nicht, auch die Videoüberwachung wurde nicht ausgewertet. Der Grund: Der geschilderte Vorfall ist nicht strafbar. 





Weil das Mädchen nicht angefasst, sondern „nur“ angesprochen wurde, liege man laut Auskunft der Bayreuther Stadtpolizei nicht im strafbaren Bereich. Die Zehnjährige hielt sich vergangenen Freitag mit Verwandten im Bayreuther Kaufland in der Weiherstraße auf. Als das Mädchen kurz alleine bei den Süßigkeiten verweilte, wurde sie von einem Mann angesprochen, der mit seinem Einkaufswagen vor ihr stehen blieb. „Ich sollte mit ihm kommen“, sagte sie im Beisein ihrer Eltern zu Reporter24.

Das Paar ist auch heute noch geschockt, weil der leibliche Vater, der das Kind zu dem Zeitpunkt in Obhut hatte, nicht die Polizei verständigt hatte. Die Zehnjährige hingegen handelte richtig und ist sofort weggelaufen, ohne sich auf ein Gespräch mit dem Unbekannten eingelassen zu haben. Im betroffenen Geschäft hingegen hatte man darauf verwiesen, die Eltern sollen doch am Folgetag einen Zeugenaufruf im Internet starten. Die Polizei wurde nicht verständigt. „Das haben wir dann sofort veranlasst, als wir von dem Vorfall hörten“, sagt Melanie F., die Mutter des Kindes.

Die Marktleitung entschuldigte sich bei der Familie, zeigte sich mit solchen Fällen überfordert. Auch auf die Hilfe der Polizei könne man sich nicht verlassen, sagte der Marktleiter. Schon oft habe man um Hilfe gerufen, als ganze Diebesbanden die Filiale heimsuchten. Aber im Regelfall käme die Antwort, dass man nicht genug freie Streifen habe. Den Vorfall mit dem Mädchen bedauere er sehr, aber hier sei eben auch das Elternhaus gefragt. Begründen wollte er diese Aussage nicht weiter.




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Tatverdächtigen wiedererkannt

Nur zwei Stunden nachdem das Mädchen angesprochen wurde, erkannte sie den Mann auf einem Foto im Internet. Ihr Stiefvater hatte gerade die Polizeinachrichten studiert, als das Mädchen sagte: „Papa das ist er“. Der Blick fiel auf einen Fahndungsaufruf der Polizei. Ein in Unterfranken entwischter Straftäter soll das Mädchen in Bayreuth angesprochen haben. Auf einer Wahllichtbildvorlage mit weiteren ähnlich aussehenden Männern bestätigte das Mädchen seinen ersten Verdacht.

Umgehend wurde die Polizei nochmals am Freitagabend informiert. Am Samstag haben Ermittler dann einen Zusammenhang überprüft. Die Auswertung von Überwachungsvideos sei aber nicht vorgenommen worden. Dazu fehle es an Grundlagen, sagte ein Polizeisprecher. Das pure Ansprechen von Kindern, auch wenn hier das Mitgehen verlangt wurde, sei keine Straftat.




Auf einen Zeugenaufruf habe man aus polizeilicher Sicht verzichtet, sagt Harald Stadter von der Bayreuther Polizei. Grund sei die relativ schnelle Berichterstattung von Reporter24 und Kurier-Online. „Hinweise zu dem Vorfall vom Freitag haben uns aus der Bevölkerung bislang nicht erreicht“, so Stadter weiter. Sonstige weitergehende Informationen zu den laufenden Ermittlungen könne er nicht geben. Auch nicht in Bezug auf die Fahndung.

Das Polizeipräsidium Unterfranken wollte sich sogar auf mehrfache Nachfrage hin, nicht weiter zu der offenen Fahndung nach dem Straftäter aus Lohr am Main äußern. Der Täter sei noch nicht gefasst, ob nun seine Spur in Bayreuth verfolgt werde, könne man nicht sagen. Ein Zusammenhang mit den Fällen in Rehau ist nicht ersichtlich.

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