19. Juli 2019 - 02:19

Mutter verkauft für Sohn Stoff: 57-Jährige kommt mit Bewährungsstrafe davon

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KULMBACH. Die ganz großen Kaliber konnte ihr Amtsrichterin Nicole Allstadt letztlich nicht nachweisen. Deshalb kam eine 57-jährige Frau aus dem nördlichen Landkreis Kulmbach am Ende doch noch mit einer Bewährungsstrafe davon, obwohl sie bereits einschlägig wegen Drogendelikten verurteilt worden war.




Vor dem Kulmbacher Amtsgericht ging es am Dienstag um einen drogenabhängigen jungen Mann, der einen illegalen Handel mit Schmerzmitteln betrieben haben soll. Es ging um einen Gastwirt aus dem Landkreis, der an einer Überdosis des synthetischen Opioids Fentanyl starb, mit dem ihn erst der Sohn und nach dessen Verhaftung dessen Mutter beliefert haben soll. Und nicht zuletzt ging es um eine stattliche Menge Fentanylpflaster und sonstiger Schmerzmittel, die in der Wohnung der Familie sichergestellt worden waren.




Beweise reichten am Ende doch nicht

Für eine Verurteilung wegen der Beihilfe und des eigenständigen Handels mit Betäubungsmitteln reichten am Ende die Beweise nicht. Für diesen Teil der Anklage stellte das Kulmbacher Schöffengericht das Verfahren ein. Um eine Verurteilung wegen des Besitzes einer nicht unerheblichen Menge an Betäubungsmitteln kam die aus Russland stammende Frau allerdings nicht herum. Zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 1500 Euro Geldstrafe verhängte das Gericht und folgte damit sowohl dem Antrag der Verteidigung wie auch des Staatsanwalts.

Die Vorsitzende machte deutlich, dass sich die Frau nun nichts mehr zuschulden kommen lassen darf. Wenn doch, droht beim nächsten Mal Gefängnis. Die Frau auf der Anklagebank wirkt eher mütterlich, fast bieder, Hausfrau. Sie ist nicht drogenabhängig. Um einem der drogensüchtigen Söhne zu helfen, hatte sie sich nicht zum ersten Mal strafbar gemacht. 2012 war sie wegen des Besitzes von Drogen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.




An einer Überdosis Fentanyl gestorben

Die neuesten Ermittlungen waren in Gang gekommen, nachdem im November 2017 ein Gastwirt tot aufgefunden worden war. Der 33-Jährige, sagte ein Kripobeamter vor Gericht, sei an einer Überdosis Fentanyl gestorben. Eine Spritze und ein Löffel mit Resten der Droge, die sich der Mann gespritzt hatte, habe man im Raum gefunden. Der Mann sei als Heroinkonsument bekannt gewesen. Schon sehr bald sei die Polizei durch einen Freund des Toten auf die jetzt verurteilte Frau gekommen. Der Zeuge hatte angegeben, sie sei ein bis zweimal wöchentlich zu der Gaststätte gekommen, habe dem Wirt „etwas“ übergeben und der sei dann jeweils im Badezimmer verschwunden.

Unstrittig war es, dass der Sohn der Angeklagten die Pflaster zunächst verkauft hatte: Zur fraglichen Zeit konnte er es nicht gewesen sein. Er saß in Haft. Die Spur führte zu seiner Mutter. Insgesamt 16 Mal soll sie alleine den Wirt aufgesucht haben, zweimal ihren Sohn zu einem Drogendeal gefahren haben. Doch die Vorwürfe in der Anklage ließen sich nicht mit letzter Gewissheit belegen. Zu einem unwiderlegbaren Vorwurf äußerte sich die Frau. Es war ihre Handtasche, in der bei einer polizeilichen Durchsuchung eine erhebliche Menge Fentanylpflaster gefunden worden war. Doch die Pflaster, sagte die Angeklagte, habe sie dort nur versteckt, um sie von ihrem Sohn in Sicherheit zu bringen, der seine Sucht nicht im Griff hatte. Sie habe immer Angst gehabt, der Sohn könne sich eine Überdosis setzen.




„Unmengen“ an Schmerzmitteln gefunden

Praktisch in jedem Raum des Hauses, das die Familie bewohnt, habe man Schmerzmittel gefunden , sagte der Polizist aus. „Unmengen“ seien es gewesen. Die Angeklagte leugnete es nicht. Der Hausarzt habe das alles auf einem „roten Rezept“, wie es für Betäubungsmittel Vorschrift ist, verschrieben. Ob wirklich das ganze Kontingent verschrieben worden war, ließ sich nicht mehr klären. Fakt war aber: Die Angeklagte hätte die Drogenpflaster des erwachsenen Sohnes nicht an sich nehmen dürfen. Das war ihr nachzuweisen, deswegen wurde sie am Ende auch verurteilt.

Richterin Nicole Allstadt warnte: „Sie können sicher sein, dass die Kripo weiter ein Auge auf Sie hat.“ Von ihrem Sohn, der inzwischen aus der Haft entlassen wurde und in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Baden Württemberg lebt, hat sich die Angeklagte ihren Worten zufolge losgesagt. Er dürfe nicht mehr nach Hause kommen, erklärte sie dem Gericht.







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