Lärmbelastung wird ignoriert: Schießübungen in Grafenwöhr für das Militär wichtig

Panzer wie dieser machen beim Schießtraining auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr viel Lärm, unter dem vor allem die Anlieger im Raum Auerbach massiv zu leiden haben. Foto: US-Army/Sgt. Timothy Hamlin, 2d Cavalry Regiment

AUERBACH. Mit dem Lärm vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr werden die Anlieger wohl noch eine Weile leben müssen. Denn auch eine sogenannte kleine Anfrage der Grünen im Bundestag zu diesem Thema brachte keinen Durchbruch. So werden beispielsweise weiterhin keine Lärmwerte von offizieller Seite mitgeteilt. Anlieger berichten, dass die Belastung teilweise aber so groß sei, dass sie nachts nicht schlafen können.





Die Anfrage haben die Grünen im Dezember an die Bundesregierung gerichtet. Solche Anfragen müssen zeitnah beantwortet werden, deshalb präsentierte stellvertretend der Abgeordnete Stefan Schmidt die Antwort des Verteidigungsministeriums in Bernreuth – dem Auerbacher Ortsteil, der direkt an den Truppenübungsplatz angrenzt. Obwohl schon in der Vorbemerkung der Grünen auf die möglichen Gesundheitsrisiken, die durch Lärm verursacht werden, hingewiesen wird, gibt es von den Militärs keine konkreten Aussagen zu aktuellen Werten.



Laut wie ein Ghettoblaster

Deshalb hat die Stadt nun die Initiative ergriffen und für 200 Euro ein Lärmmessgerät gekauft. Die ersten Werte waren erschreckend. Am lautesten war es am 23. Januar mit 106 Dezibel. Zum Vergleich: 100 Dezibel entsprechen dem Lärm eines Ghettoblasters.

Doch die Bundesregierung macht keine Gegenrechnung auf und präsentiert keine eigenen Werte. Die Begründung im Wortlaut: „Die Messergebnisse (aus dem Jahr 2009, Anm. d. Red.) sind nur für den Dienstgebrauch. Die Einstufung begründet sich durch das Interesse der Landes- und Bündnisverteidigung, da die Messwerte Rückschlüsse auf das beübte Wehrmaterial fremder Staaten und damit deren militärische Fähigkeiten, etwa der US-Streitkräfte in Deutschland, zulassen.“ Für die Militärs geht es um die Schlagkraft der in Grafenwöhr übenden Truppen. „Demgegenüber wiegen die Interessen der Bürger in der Nachbarschaft des Platzes wohl wenig“, meinte Schmidt sarkastisch.



Bisher keine Schallschutzmaßnahmen

In der Anfrage zitierten die Grünen das Umweltministerium, wo es heißt: „Die Lärmbelastung der Bevölkerung muss reduziert werden.“ Wie das jedoch im Raum Auerbach und weiteren angrenzenden Gemeinden gehen soll, darüber schweigt sich die Bundesregierung aus.

Die Grünen wollten beispielsweise wissen, ob die im Jahr 2011 geforderten Schallschutzmaßnahmen umgesetzt worden sind. Dem ist nicht so. „Die Untersuchungsergebnisse zeigten“, so das Verteidigungsministerium, „dass damit keine signifikanten Schallschutzeffekte erzielt werden können.“



Acht Panzerstellungen in der Nähe

Es habe aber Maßnahmen gegeben, um die Belastung der Anwohner zu verringern: Auf der Panzerstraße am Rand des Übungsplatzes gilt nun Tempo 30 für alle Fahrzeuge. „Das glaube ich erst, wenn ich ein Geschwindigkeitsmessgerät sehe“, sagte, ebenfalls mit Sarkasmus in der Stimme, Angela Dier.

Auf dem Grundstück des Ehepaares in Bernreuth wurde die Anfrage der Grünen und die Antwort aus Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Darin heißt es auch, dass auf der etwa 600 Meter Luftlinie entfernten Schießbahn 213 der Schießbetrieb reduziert worden sei. Das könne sein, sagte dazu Werner Dier. „Stattdessen gibt es mittlerweile acht Panzerstellungen in der Nähe. Wer glaubt, dass die Salven, die dort abgefeuert werden leiser sind, der irrt.“




Bundesregierung: Beschwerdelage zufriedenstellend

Das Schreiben der Bundesregierung macht nach Ansicht des Auerbacher Bürgermeisters Joachim Neuß aber ein Manko deutlich: „Es sind zu wenige Bürger, die sich beim Militär beschweren.“ Denn aus Berlin kam folgendes Statement: „Die Bundesregierung bewertet die Beschwerdelage von 2012 bis 2017 als zufriedenstellend.“

Und tatsächlich: In diesem Zeitraum gingen pro Jahr nur zwischen zwei und fünf Beschwerden wegen Schießlärms ein. Im Rathaus seien aber ungleich mehr Beschwerden eingegangen. „Wir sind aber der falsche Adressat“, so Neuß, „die Bürger müssen sich öfter beim Militär beschweren, sonst ändert sich wenig bis nichts.“