21. September 2019 - 16:10

Fitnessstudio stockt: Eine Spur unbezahler Rechnungen

Sie sind verärgert über ihren ehemaligen Partner und fangen nun neu an mit der T(h)urn FIT GmbH: Geschäftsführerin Regina Bezold und Sport- und Fitnesstrainer Leon Schenkendorf. Foto: Ute Eschenbacher

THURNAU. Erst Möbelhaus, dann Edeka, jetzt NKD-Gebäude. Oder nirgendwo? Fitnessstudio-Betreiber B. macht starke Ankündigungen, bleibt aber in der Ausführung schwach. Weil nichts mehr weitergeht, machen seine Angestellten weiter – die er nicht bezahlt hat. Überhaupt sieht es mit seinen Geschäften nicht gut aus. Er hinterließ in den vergangenen zwei Jahren eine Spur unbezahlter Rechnungen.




Leon Schenkendorf (21) ist gelernter Kinderpfleger. In einem Fernstudium bildete er sich zum Sport- und Fitnesstrainer weiter. Weil er beruflich lieber etwas mit Sport machen wollte, bewarb er sich bei Fit 4 top body. Auf Facebook hatte er gesehen, dass das Studio in Thurnau eröffnen wolle.

Doch mit seinem Arbeitgeber B. hatte er nur Pech. Dieser habe sich „unprofessionell“ verhalten und „nichts auf die Reihe gekriegt“. Auf der Baustelle im Möbelhaus Pletl sei nichts vorangegangen, sagt Schenkendorf, der nach eigener Aussage mehrere Monate kein Gehalt bekam und für den sein Chef auch die Sozialversicherungsbeiträge nicht ordnungsgemäß zahlte. „Ich habe auch keine Abrechnungen bekommen.“ Schließlich habe er die Arbeitsagentur eingeschaltet und die Versicherungen informiert. „Eigentlich hätte ich alles rechtlich prüfen lassen müssen. Aber ich spare mir die Anwaltskosten.“ Das Fitness-Studio sollte Schenkendorf zufolge im Januar 2018 aufmachen. Erst im August habe er seinen Vertrag erhalten – und nur einen Monat Gehalt.

Seiner Kollegin Regina Bezold (33) erging es nicht anders. Die selbstständige Ergo- und Handtherapeutin wollte in Thurnau stundenweise arbeiten. Als werdende Mutter habe sie gehofft, mit einer Anstellung abgesichert zu sein. Weil die Situation mit dem neuen Arbeitgeber so unsicher gewesen sei, habe sich dies nicht erfüllt. „Nach der Geburt habe ich gleich wieder gearbeitet.“

Nach Auskunft der Wirtschaftsauskunftei Creditreform steht B., der mehrere Fitness-Studios betreibt, wirtschaftlich nicht gut da. Von einer Geschäftsverbindung werde abgeraten. Seit 15. Dezember 2016 häufen sich die sogenannten Negativmerkmale. Mehrere Aktenzeichen beim Vollstreckungsgericht Starnberg vermerken eine Nichtabgabe der Vermögensauskunft. In Starnberg gehört B. die Cardio-Fitness-Club Starnberg KG.

Auch für B.s Forchheimer Fitness- und Gesundheitszentrum liegen negative Einträge vor. Hier sind seit Februar 2016 Aktenzeichen bei den Vollstreckungsgerichten Erlangen und Nürnberg hinterlegt: „Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen“. Der letzte Eintrag stammt vom November 2018.




B. plant weitere Standorte

Dennoch plant B. weitere Fitness-Studio-Standorte. Unter dem Namen „Fit 4 top body“ betreibt er ein Fitness-Studio in Heroldsbach. Ein in der Bürgermeister-Kleinlein-Straße 6 geplantes gleichnamiges Studio in Thurnau steht ebenso auf der Homepage. Wenn man die für Thurnau angegebene Telefonnummer wählt, kommt man in bei seinem Studio in Forchheim heraus.

Aus dem Vorhaben in der Berndorfer Straße 3 im Möbelhaus Pletl ist nichts geworden. Die Vermieterin Birgit Lorenz-Pletl ist nicht gut auf B. zu sprechen. Anfangs war sie begeistert von der Idee, dass im Obergeschoss ein modernes Fitness-Studio mit Ernährungsberatung entstehen könnte. B. habe viel versprochen und Vorträge organisiert. Anfangs habe sie ihn unterstützt, denn er sei „ein guter Verkäufer“. Dass dann Mitarbeiter alleine gelassen und Handwerkerrechnungen nicht beglichen werden, habe sie sich „im Traum nicht vorstellen können“. Als Vermieter gehe man in Vorleistung, „das ist ja das Schlimme“.

Sie habe schließlich begonnen, sich umzuhören und die Standorte von B. besucht, sagt Lorenz-Pletl. Immer wieder habe sie gehört: B. habe Kautionen und Mieten nicht zahlen können oder nur Teilzahlungen geleistet. „Er stellt sich nach außen anders dar, als es wirklich ist.“ Den im November 2017 abgeschlossenen Fünf-Jahres-Vertrag habe sie im August 2018 aufgelöst. Es sei „eine Dreistigkeit“, nun zum Nächsten zu gehen, sagt sie zum Vorhaben, in den NKD zu ziehen. Und sie fragt sich: „Warum sollte das jetzt glücken?“

Denn im leer stehenden Edeka hatte es B. auch schon versucht: Verwalter des Gebäudes ist die Gebrüder Immler Treuhand KG aus Isny im Allgäu. Ansprechpartner ist dort Jürgen Boneberger und der sagt: „Es gab einen Mietvertrag, der ist aber aufgelöst.“ Der Vertrag mit B. bestand nur kurzfristig: „Ab 1. November 2018, Anfang Dezember haben wir das Objekt zurückgenommen.“ Im Nachhinein hätten sich Dinge ergeben, die für den Vertragsabschluss entscheidend gewesen seien, sich aber nachträglich als nicht mehr einhaltbar erwiesen hätten. Jetzt gebe es Gespräche mit anderen Interessenten.

Aber B. findet einen neuen Ort: Über Facebook lädt „Fit 4 top body“ am 23. Januar zur Eröffnung im früheren NKD ein. Angeblich wird diese vom 7. bis 10. Februar sein. „Fitnesstraining, Milonzirkel und Extrafit-Rückenzirkel für 19,90 Euro im Monat.“




Viele Sportler fühlen sich für dumm verkauft

Die Kommentare in sozialen Medien sind skeptisch. Viele scheinen bereits ein Probetraining am ersten Standort absolviert, Vereinbarungen getroffen oder zum Teil Verträge geschlossen zu haben. Und fühlen sich für dumm verkauft. „Der Irrsinn geht in die nächste Runde“, schreibt ein Nutzer. „Fit4 top body“ antwortet, die vergangenen zwölf Monate seien nicht zufriedenstellend gelaufen. Dennoch hält er an dem Vorhaben fest. Zudem gebe es bereits Anmeldungen.

Im früheren NKD hat sich aber noch nichts getan. Ralf Schülzke von Zenker und Günsch Immobilien sagt, das Gebäude sei aus einem Insolvenzverfahren heraus verkauft worden und er habe im Auftrag des Insolvenzverwalters gehandelt. Über den neuen Eigentümer oder einen möglichen Mietvertrag mit diesem könne er nichts sagen.

In seinem Studio in Starnberg ist B. für den Kurier telefonisch zu erreichen. Er hat aber nur „zwei Minuten“. Ja, er gehe davon aus, dass er in zwei, drei Wochen in Thurnau eröffne. „Ich bin ein Unternehmer, ich kann hin, wo ich will. Ich habe das Risiko zu tragen. Warum will man mir vorschreiben, wann ich eröffne?“ Er habe zehn Standorte und für das neue Objekt in Thurnau einen Mietvertrag.

Zu den Problemen mit seinem ersten Anlauf im Möbelhaus Pletl sagt er: „Da läuft schon im Endeffekt eine juristische Auseinandersetzung. Ich wurde reingelegt, das ist eigentlich auch der Grund, warum ich weitermachen will in Thurnau.“ Es stimme, dass er Verträge mit Kunden für das Thurnauer Studio geschlossen habe. Der entstandene Vertrauensverlust beeindruckt ihn scheinbar wenig. „Wenn sie nicht zu mir wollen, ist das okay. Die bekommen ihr Geld zurück.“ B. bot in der Vergangenheit auch Baustellentraining an: 199 Euro für 14 Monate Training. „Einem habe ich das schon zurückgezahlt. Das waren fünf oder sechs insgesamt. Die wurden vorausbezahlt.“ Und der Rest? „Das sind Verträge, die monatlich abgerechnet werden. Die werden erst aktiviert, wenn es soweit ist.“

Auffällig ist, dass B. bei seinen unterschiedlichen Studios im Internet immer wieder dieselben Fotos zeigt, teils Animationen. Er meint dazu, dies seien Aufnahmen aus bereits bestehenden Studios. Ob er finanziell unter Druck stehe? „Unter Druck? Das tun wir doch alle.“ Der Club in Starnberg laufe jedenfalls gut.

Nach vielen Gesprächen mit der Vermieterin Birgit Lorenz-Pletl haben Leon Schenkendorf und Regina Bezold am vergangenen Wochenende ihr gemeinsames Gesundheits- und Fitness-Studio eröffnet – ohne B.







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