16. Oktober 2019 - 05:20

Durchfallquote bei Fahranfängern steigt: Die Redaktion im Selbsttest

Fahrschullehrer Werner Groß (rechts) erklärt Michael Grüner, wie die Fragen am Tablet zu beantworten sind. Foto: Martin Burger

PEGNITZ. Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Führerscheinprüfung. Woran liegt es, dass die Durchfallquote steigt? Fahrschullehrer Werner Groß von der gleichnamigen Fahrschule geht von mehreren Faktoren aus. Unsere Redaktion nahm die Thematik zum Anlass, einen Selbsttest durchzuführen. Die Redakteure Michael Grüner und Martin Burger stellten sich der theoretischen Prüfung.




„Eigentlich ist es für uns recht einfach“, sagt Fahrschullehrer Werner Groß, „seit 2010 arbeiten wir mit Programmen auf Tablets, Computern oder Smartphones.“ Groß selber ist seit 1994 im Betrieb und hat einer Menge Fahrschülern zum Führerschein verholfen. Dank der Umstellung könne er seit jeher den aktuellen Stand seiner Schützlinge überprüfen. „Es ist alles abrufbar für uns. Welcher Schüler, wie viel lernt und wie er abschneidet“, erklärt er, „die Schüler können sich einloggen und überall üben oder Tests ausfüllen.“




Neue Technik

In den digitalen Fragebögen gibt es Videos, die sich ein Prüfling bis zu fünf Mal ansehen kann. Erst nach dem Video erfahre er die Frage – da heißt es, gut aufpassen und auf alle Dinge im Clip achten. Groß denkt aber nicht, dass die neuen digitalen Tests an der hohen Durchfallquote schuld seien. „Mir fällt auf, dass einige den Führerschein gar nicht machen möchten, da fehlt die Motivation“, sagt Groß, „die Eltern stehen dahinter und treiben ihre Kinder an.“

Deshalb führte Groß vor ein paar Jahren das Vorgespräch ein, bei dem der Fahrschullehrer ein intensives Gespräch mit Eltern und ihrem Kind führt. Bei dem versuche Groß herauszufinden, ob der Wille überhaupt vorhanden ist. Es würde sonst einfach nichts bringen. „Das Problem ist vielschichtig“, erklärt er, „einerseits ist der Jugend das Autofahren einfach nicht mehr so wichtig. Andererseits stecken auch viele Ängste dahinter.“ So denkt Groß, dass die Ängste der Eltern oft auf deren Kinder projiziert werden. Er sehe immer wieder, dass Mütter ihre Kinder bis zum Eingang der Schule fahren. Es gebe einfach kein Vertrauen mehr.




Geringe Belastbarkeit

Man traue der Jugend einfach nichts mehr zu, nehme ihr alles ab und wundere sich dann, wenn sie den kleinsten Stress nicht bewältigen könne. Und noch etwas ist Groß aufgefallen. Das sogenannte Bulimielernen. „Die fressen die Fragen zwei Tage vor der Prüfung rein und kotzen das, was hängen geblieben ist, am Prüfungstag wieder aus“, erzählt Groß. Das löse aber nicht die Ängste vor dem Autofahren und der Verantwortung, die damit einhergehe. Deshalb versuche er, dass mehr praxisbezogene Dinge in seinen Unterricht einfließen, um den Schülern die Panik zu nehmen.




Redaktion Nordbayerischer Kurier

Martin Burger (34): „Durchgefallen. Sei es so. Ich hatte nicht erwartet, die Prüfung zu bestehen, aber besser als mein Kollege abzuschneiden, das hatte ich schon im Sinn. Mir war bewusst, dass ich an den Rechenfragen scheitern werde. Die Formel zum Berechnen der Reaktionszeit hatte ich nicht im Kopf. Oder wie weit weg ich außerorts vor einem Andreaskreuz parken darf. Mal ehrlich, wie oft parkt man schon außerorts vor einem Bahnübergang?“

Zu meiner Beruhigung bestätigte Groß eine Vermutung von mir: „Der Test sagt eigentlich nichts über euch als Autofahrer aus. Das elementare Wissen ist vorhanden. Es sind die spezifischen Fragen, an denen ihr gescheitert seid.“ Bei acht Fragen lag ich falsch – insgesamt 20 Fehlerpunkte. Die Nachricht wird meiner Frau gefallen, so schätze ich mich selber als einen guten, defensiven Autofahrer ein und bemängle oft die Fehler der anderen. Nun heißt es, zurück an den Schreibtisch und das theoretische Wissen etwas aufpolieren. Beim nächsten Mal bin ich besser als Michael.




Redaktion Nordbayerische Nachrichten

Michael Grüner (59): „Auch durchgefallen. Ich hab’s ehrlich gesagt auch nicht anders erwartet.“ 16 Fehlerpunkte. Maximal zehn hätten es sein dürfen. Aber ganz so schlecht war mein Selbstversuch offenbar nicht. „Ich habe mit 15 bis 25 Fehlerpunkten gerechnet“, sagt Werner Groß. Na ja, immerhin. Dass wir, die 30 Fragen nicht fehlerfrei hinbekommen, hatte uns Werner Groß schon prophezeit. „Ihr werdet das jetzt ziemlich sicher nicht schaffen“, meinte er. Und hatte recht.

Beide haben wir vorher weder die Fragen gepaukt noch sonst uns irgendwie auf die Theorie vorbereitet. Die Vorfahrtsregeln waren nicht das Problem. In einem Fall hätte ich das Video noch ein zweites Mal anschauen sollen, dann hätte ich die Person gesehen, die plötzlich hinter einem Lastwagen direkt auf die Fahrbahn treten wird. Das war ein Flüchtigkeitsfehler, der mir vier Strafpunkte eingebracht hat.

Aber mit zwölf Fehlern wäre ich trotzdem noch durch die theoretische Prüfung gerasselt. Trotz mehr als 40 Jahren Fahrpraxis. Da merkt sich niemand mehr, wie die Formel lautet, mit der ich bei einer bestimmten Geschwindigkeit den Bremsweg berechnen kann. Und dann war da noch die Frage mit der Mindestprofiltiefe der Reifen. „Drei Millimeter hatte ich geglaubt. Leider falsch. 1,6 Millimeter reichen.“







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