27. Juni 2019 - 04:45

Bundessieger in Berlin: Ein toller Connemara-Hengst aus Weidenberger Zucht

Fotos: Ralf Münch

WEIDENBERG / BERLIN. Man darf bezweifeln, dass ein Pony in der Lage ist, die Zahl seiner Fototermine zu zählen. Aber selbst wenn, dürfte Patriks Meirliun langsam den Überblick verlieren. Auf der Grünen Woche in Berlin schnappte sich die Weidenberger Züchterin Ulrike Krüger mit ihrem Connemara-Hengst zum wiederholten mal eine der höchsten Zuchtauszeichnungen Deutschlands. Nun steht Meirliun – irisch für Merlin und genauso gesprochen – für die Zeitung noch einmal vor der Kamera. Und sofort, als er das Klackern der des Apparates wahrnimmt, dreht er den Kopf und schaut in die Linse.




„Das macht er immer“, sagt Ulrike Krüger und lacht. „Sobald er eine Kamera sieht.“ Genügsam, gesund und zuverlässig – so werden Connemaras beschrieben, die nach dem gleichnamigen kargen und feuchten Landstrich im Westen Irlands benannt sind, wo sie ursprünglich herkommen.

„Brav und familienbezogen“, so charakterisiert Ulrike Krüger die Rasse, die sie seit rund 20 Jahren züchtet. Rampensau – diese Charaktereigenschaft könnte man bei Patriks Meirliun noch hinzufügen. Die Züchterin erzählt eine Anekdote von einem Wettbewerb, als ihr Pony schlapp von der Aufwärm- in Richtung Turnierhalle schlurfte. Dann stand er vor der Jury „und war gleich einen Kopf größer. Er war sofort da.“




Die zweite schwarz-rot-goldene Schärpe

Das Connemara Pony steht bei Krügers auf dem Hof im Weidenberger Ortsteil Fischbach. Sein Talent, Kampfrichter von sich zu überzeugen, stellte Meirliun am vergangenen Wochenende auf der Grünen Woche in Berlin unter Beweis. Im Rahmen der Messe fand die Bundeshengstschau statt, die nur alle vier Jahre veranstaltet wird.

Auf einem im Dreieck begrenzten Feld müssen sich die Pferde nach bestimmten Vorgaben einer Fachjury präsentieren, die Körperbau, Charakter und Bewegungsablauf bewertet. Kein Connemara-Pony war besser als Meirliun, was ihm die schwarz-rot-goldene Schärpe einbrachte – zum zweiten Mal nach 2015. Er verteidigte seinen Titel.

Dabei hatte Ulrike Krüger gar nicht vor, heuer an der Schau teilzunehmen. Im Sommer vergangenen Jahres habe sie dem Zuchtverband Bayern nur versprochen, dass sie mitmacht, wenn der Freistaat sonst zu wenig aussichtsreiche Kandidaten ins Rennen schicken kann.

Und so kam es, dass Krüger – Lehrerin für Sport und Biologie am WWG in Bayreuth – sich doch aufmachte nach Berlin. Von der Schulleitung für zwei Tage freigestellt, war sie von Donnerstag bis Sonntag auf der Messe und brachte gemeinsam mit ihrem Pony nicht nur abermals den Titel mit nach Hause. In der rasseübergreifenden Gesamtwertung landete Patriks Meirliun auch noch auf einem beachtlichen sechsten Platz.




Keine Angst vor internationaler Konkurrenz

Es ist unschwer zu rauszuhören, wie stolz Ulrike Krüger auf ihren Hengst ist. „Es ist einfach eine schöne Auszeichnung für unsere Zuchtarbeit“, sagt sie. „Ich schwebe immer noch ein wenig.“ Und es ist unschwer zu erkennen, wie gut die Zusammenarbeit bei den beiden funktioniert.

Sobald die Züchterin den Stall betritt, schaut Meirliun aufmerksam zu ihr, ist folgsam und zeigt ihr knabbernd seine Zuneigung – was bei Pferden manchmal etwas grob sein kann. „Die wissen ja nicht, wie dünn die Haut eines Menschen ist“, sagt Krüger. Er posiert mit ihr draußen im Schnee für die Kamera, völlig unbeeindruckt von den beiden Hofhunden, die um ihn herumwuseln. Und dann geht es wieder in die Box, wo Meirliun für seine Folgsamkeit noch ein Leckerli abstaubt.

Für die nächste Bundeshengstschau wird Meirliun mit seinen aktuell zwölf Jahren zu alt sein. Dabei sieht die Züchterin ihn gerade von voller Blüte. Sie kann sich gut vorstellen, Patriks Meirliun auch mal bei einer internationalen Schau der Konkurrenz zu stellen.

In Deutschland finde die Connemara-Zucht zwar auch allmählich weitere Verbreitung. Aber die Masse komme aus Frankreich, Dänemark, Holland – und natürlich Irland, von wo auch die Vorgaben kommen, was ein gutes Connemara-Pony ausmacht. Ulrike Krüger ist selbstbewusst. „Ich denke, wir bräuchten die Konkurrenz nicht zu scheuen.“




Nur einmal gegen einen guten Bekannten unterlegen

Denn nur ein einziges Mal musste Patriks Meirliun bisher eine Niederlage einstecken. Zwar holte er bei der Bundesschau vor acht Jahren den Sieg bei den Junghengsten. Den Gesamtsieg schnappte ihm damals aber noch ein gewisser Skousbou Morning Rock weg – Meirliuns Vater.

Auf dem Pferdehof in Fischbach stehen fünf Generationen in einem Stall: die Großmutter, die Mutter, eine Tochter und ein Enkelsohn von Patriks Meirliun. Und durch den neuerlichen Erfolg bei der Bundeshengstschau dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis sich weitere Züchter bei Ulrike Kürger melden. „Er ist ein sehr guter Vererber.“







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