14. Dezember 2019 - 17:34

Ab April kann in Bayreuth Wasserstoff getankt werden: Die Feuerwehr ist vorbereitet

Fotos: Eric Waha

BAYREUTH. Eine Antwort auf die Frage der automobilen Zukunft kann Wasserstoff als Treibstoff für Brennstoffzellen-Autos sein. Statt Abgase kommt Wasser aus dem Auspuff raus. Bayreuth ist als eine der wenigen Städte dabei bei dieser Zukunftstechnologie: Die Wasserstofftankstelle, die im vergangenen Jahr auf dem Gelände der Shell-Tankstelle am Großen Kreisel gebaut wurde, ist im Probebetrieb. Im April soll sie eingeweiht werden.




Man nimmt den Tankrüssel aus der Zapfsäule, steckt ihn auf den Stutzen am Auto, legt den Hebel um und drückt einen Knopf. Das System der Wasserstofftankstelle prüft, ob die Verbindung dicht ist und befüllt den Tank des Hyundai Nexo, eines der wenigen Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die am Markt sind.

Etwas mehr als ein Kilo Wasserstoff bringen Günter Finzel, der bei der Stadt Bayreuth die Stabsstelle für Elektromobilität leitet, und der Verkaufsberater des Autohauses Engel, Christof Roß, in den Tank. „Wir haben gestern in Berg-Bad Steben getankt, 1,2 Kilo sind weg“, sagt Roß. 9,20 Euro kostet derzeit das Kilo Wasserstoff. „Ein politischer Preis“, sagt Finzel, „der sicher sinken wird, wenn mehr Wasserstoff produziert wird“. Für einen vollen Tank mit sechs Kilo Gas sind rund 55 Euro fällig.

Ungefähr so viel, wie man zahlen muss, wenn man ein gleich großes SUV wie den Hyundai mit Diesel betanken würde. Für Finzel sind Brennstoffzellen-Autos die Fahrzeuge, die auf lange Sicht den Diesel ablösen – oder zumindest eine Alternative für ihn darstellen – könnten. Weil man sich keine großen Gedanken über die Reichweite machen muss. Anders als bei Elektro-Fahrzeugen, die zum Neubefüllen der Akkus nicht nur wenige Minuten von der Straße sind.




Unterwegs mit dem Wasserstoff-Auto.

400 Tankstellen geplant

Dazu allerdings brauche es „ein Grundnetz an Wasserstoff-Tankstellen“, das von dem Konsortium H2-Mobility gerade geschaffen wird, einer GmbH mit Sitz in Berlin. Dahinter stehen der Autohersteller Daimler, die Ölfirmen Shell, Total und OVV, sowie der Gashersteller Linde. H2-Mobility will laut Pressesprecherin Sybille Riepe „in Vorleistung“ mit Tankstellen gehen. Genau 400 sollen es werden, weitere habe das Kartellamt verboten. Es gelten, sagt Riepe, beim Tanken und bei der Autotechnik „weltweite Standards“.

Bayreuth ist unter den ersten etwas mehr als 50 Standorten in Deutschland dabei. Jede der Tankstellen kostet rund eine Million Euro. Weil die Technik dahinter komplex ist, „und weil es derzeit nur ganz wenige Hersteller auf der Welt gibt, die so etwas bauen können“. Der lange Probebetrieb einer Tankstelle ist notwendig, um Kinderkrankheiten ausschließen zu können. „Die Tankstelle war in der Woche ein bis zwei Tage vom Netz. Man hat festgestellt, dass die Schraube eines Ventils zu fest angezogen war“, sagt Finzel. Deshalb habe sich die Anlage abgestellt.

Mit dem Bau des Grundnetzes, sagt Finzel, wolle man einen Anreiz schaffen, die neue Technologie – die vor gut 15 Jahren schon einmal am Aufblühen war, dann aber wieder in der Versenkung verschwand – interessant zu machen: Damals gab es nicht genug Tankstellen. Autos, die marktreif waren, verschwanden in der Versenkung.




Bayreuth hat Ausnahmestellung in der Region

„In der Metropolregion Nürnberg werden wir ein Netz von acht Wasserstoff-Tankstellen haben, damit kann man nicht nur die Region problemlos befahren“, sagt Finzel. Der Standort Bayreuth habe „wichtiges Potenzial an der Achse von Sachsen Richtung Süddeutschland“. Und: Die Tankstelle schaffe „Bayreuth schon so etwas wie eine Ausnahmestellung in der Region“.

Das Interesse an den Wasserstoff-Fahrzeugen sei groß, sagt Christof Roß, Verkaufsleiter des Autohauses Engel. Der Hyundai Nexo, der jetzt wenige Tage für Probefahrten in Bayreuth war, sei gut gebucht gewesen. „Klar, wenn wir über den Preis sprechen, geht das Interesse bei manchem wieder zurück“, sagt Roß. 69.000 Euro kostet der bereits voll ausgestattete Wagen, neben dem Hyundai ix 35 FCell und dem Toyota Mirai eines der wenigen lieferbaren Wasserstoff-Autos.




Wie Finzel sagt, habe eine deutsche Fachzeitung hochgerechnet, „dass die Produktion gut doppelt so teuer ist. Wegen des hohen Platin-Bedarfs kostet eine Brennstoffzelle in der Produktion zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Das wird aber auf Sicht auf 10.000 bis 15.000 Euro sinken“.

Wirtschaftlich werde der Bau eines solchen Autos ab mehreren Zehntausend im Jahr. „Toyota verkauft vom Mirai rund 3000 Stück aktuell.“

Das Fahren unterscheidet sich nicht vom Fahrgefühl eines Elektroautos: Ab dem Start steht die volle Leistung bereit, was Finzel mit „Beschleunigungswerten wie beim Motorrad“ beschreibt. „Ich hatte noch keinen, der nicht mit einem Grinsen ausgestiegen wäre“, sagt Roß.




Feuerwehren sehen sich gut aufgestellt 

Die neuen Energien bringen aber auch neue Fragen und Herausforderungen mit sich. Beispielsweise, ob sich bei Unfällen und Fahrzeugbränden auch das Verhalten der Einsatzkräfte ändern muss. „Grundsätzlich ist ein Feuerwehreinsatz an beispielsweise einer Stromtankstelle weniger gefährlich, als an einer herkömmlichen Tankstelle mit verschiedenen Kraftstoffen“, sagt Harald Schöberl, Kreisbrandinspektor im Landkreis Bayreuth. Er ist auch zeitgleich Leiter der Ausbildungsinspektion und der UG-ÖEL im Landkreis Bayreuth. Laut seinen Ausführungen sind die Feuerwehren aber gut aufgestellt. Sicherungseinrichtungen lösen im Gefahrenfall aus, damit keine weitere Gefahr besteht. Auch würden die jeweiligen Betreiber bereits im Vorfeld Ortsbegehungen und Einweisungen mit den Rettungskräften absolvieren.

Beim Wasserstoff sind natürlich andere Vorgaben zu beachten, als beispielsweise bei gas – oder elektrobetriebenen Fahrzeugen. Wegen der “Unsichtbarkeit” der Wasserstoffflamme sei das Fahrzeug mit einer Wärmebildkamera (WBK) zu erkunden. Einfaches Prüfmittel: Ein handelsüblicher Besen. Denn bei einer Wasserstoffflamme würde sich dieser entzünden. Doch das obliegt alles dem Fachwissen der Feuerwehren.




Bereits seit Jahren werden im Rahmen der Ausbildung die Einsatzkräfte auf mögliche Gefahren hingewiesen und die Einsatzkräfte sensibilisiert. „Seitens der Staatlichen Feuerwehrschule gibt es Merkblätter zu dem Thema Erdgas, Flüssiggas, Hybrid, Batterie und Co“, sagt Schöberl.  Hinweise gibt es auch durch Kennzeichen Hinweise z.B. das E für Elektro oder generell über die Kennzeichenabfrage über die Leitstelle. Rettungskarten unterstützen ebenfalls den Einsatzleiter, die richtigen Entscheidungen an der Einsatzstelle zu treffen.

„Früher war es der Airbag, der den Einsatzkräften Sorgen bereitet hat, heute ist es aber Standard für die Einsatzkräfte“, erinnert sich Schöberl. So sei das auch mit der weiteren Technik in Zukunft. Der Kontakt zur Industrie müsse aber stetig fortgesetzt werden, um aktuell vorbereitet zu sein. Die neu eingerichtete Lernbar der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg unterstützt die Einsatzkräfte ebenfalls bei der Ausbildung.



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