24. August 2019 - 06:22

Wunder war greifbar: Medi-Team zwingt Meister in Verlängerung

Pech für De'Mon Brooks (Mitte): Elf Sekunden vor dem Ende der Verlängerung durfte er für einen Sekundenbruchteil hoffen, mit einem Ballgewinn die Chance zur 97:96-Führung erarbeitet zu haben. Schiedsrichter Robert Lottermoser (links) bewertete die Aktion jedoch als Foul. Foto Peter Mularczyk

BASKETBALL. Gerade erst hatte Medi Bayreuth mit dem ersten Sieg in Bamberg seit 21 Jahren etwas schier Unmögliches geschafft, da wäre drei Tage später beinahe noch eine Steigerung in Form eines Wunders gelungen. Ein Sieg am Sonntag beim Deutschen Meister und ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer Bayern München lag bei wiederholter Führung gegen Ende der regulären Spielzeit greifbar nahe, aber in der Verlängerung setzte sich die Erfahrung des einzigen deutschen Euroleague-Vertreters doch mit 101:95 (84:84, 47:40) durch.




Nach diesem dramatischen Ende musste man im Bayreuther Lager ein wenig dem missglückten Start nachtrauern. Nach vier Minuten führte der FC Bayern mit 13:3 schon zweistellig, und 25 Sekunden vor Ende des ersten Viertels war beim 29:15 bereits der höchste Abstand des gesamten Spiels erreicht. Dabei konnte sich die Trefferquote des Medi-Teams schon zu diesem Zeitpunkt durchaus sehen lassen, aber defensiv gelang es bis dahin nicht, den hohen Favoriten zu beeindrucken. Die vielen Wechsel in der Verteidigung konnten weder die Ballbewegung der Bayern entscheidend stören, noch deren hochprozentigen Abschluss.

In dieser Hinsicht wussten sich die Bayreuther aber deutlich zu steigern. Die Münchner mussten nun härter für ihre Punkte arbeiten und auch schwierigere Würfe treffen. Zudem litt das Bayern-Spiel unter dem Bemühen, mit Rücksicht auf die internationalen Aufgaben die Einsatzzeiten gleichmäßig zu verteilen. Nemanja Dangubic fiel nicht zum ersten Mal als Schwachpunkt unter den Kontingentspielern auf, und auch der Ex-Bayreuther Robin Amaize hatte Schwierigkeiten, das hohe Niveau zu halten. Darüber hinaus überraschte die Reaktion von Trainer Dejan Radonjic auf das krankheitsbedingte Fehlen von Spielmacher Stefan Jovic: Maodo Lo blieb im gesamten zweiten Viertel auf der Bank, und Braydon Hobbs bekam insgesamt nur vier Einsatzminuten. Dafür spielte Petteri Koponen lange als Pointgard, wodurch aber die Scorer-Qualitäten des Finnen kaum zur Geltung kamen (2/7 Würfe).

Lange Zeit blieben das allerdings Randaspekte, weil die Münchner bei jeder Andeutung einer kritischen Situation in der Lage schienen, durch Einwechslung der besten Spieler oder mehr Engagement in der Verteidigung sofort etwas zuzulegen. So wirkte es beim 37:35 (16.), beim 50:47 (24.) und auch noch beim Dreier von Danilo Barthel zum 71:66 als Antwort auf die starken ersten vier Minuten der Bayreuther im Schlussviertel.



Zwei Minuten vor Schluss mit 81:78 vorn

Nach dem ersten Ausgleich beim 71:71 und erst recht 2:40 Minuten vor dem Ende nach dem Dreier von Kassius Robertson zur ersten Medi-Führung mit 78:76 war es jedoch mit dieser Souveränität des Titelverteidigers vorbei. Das standen nämlich schon die besten Münchner um den glänzenden Derrick Williams auf dem Feld, und Radonjic konnte nur noch den mit vier Fouls belasteten Nihad Djedovic als Verstärkung bringen. In den verbleibenden zwei Minuten nach dem Robertson-Dreier zum 78:81 retteten sich die Münchner allein durch die individuelle Klasse von Williams in die Verlängerung. Der Amerikaner mit über 400 NBA-Einsätzen erzielte die letzten sechs Bayern-Punkte und hatte in der letzten Sekunde sogar den Wurf zum Sieg, der aber sehr gut verteidigt wurde.

In der Extra-Spielzeit gab dann die Routine der Münchner den Ausschlag. Sie legten wieder in der Defensive zu und fanden unter der Regie von Lo relativ sichere spielerische Lösungen. So schien die Partie 52 Sekunden vor dem Ende bereits entschieden zu sein, als Robertson beim Stand von 96:90 ein Ballverlust unterlief. Amaize vergab jedoch beide unmittelbar folgenden Freiwürfe, was neun Sekunden später De’Mon Brooks für Bayreuth besser machte. Als dann Gregor Hrovat und Bastian Doreth mit gemeinsamem Druck auf Lo ein Ballgewinn gelang und Robertson einen schwierigen Dreier verwandelte, stand es bei Restspielzeit von 14 Sekunden nur noch 96:95.

Drei Sekunden später schien für einen Sekundenbruchteil die Wende perfekt, doch die Schiedsrichter bewerteten einen möglichen Ballgewinn von Brooks gegen Djedovic als Foul. Nach den Freiwürfen zum 98:95 erfüllte sich dagegen auf der anderen Seite die Hoffnung von Hrovat auf einen Foulpfiff gegen Vladimir Lucic nicht.



Statistik

Bayern München: Dangubic (0 Punkte / 12:58 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -8), Hobbs (0 / 3:58 / -7), King (3 / 8:23 / -3), Koponen (5 / 15:41 / -12), Radosevic (4 / 13:50 / -2), LUCIC (17 / 32:37 / 17), LO (14 / 25:52 / 24), DJEDOVIC (17 / 29:02 / -1), Amaize (2 / 16:50 / 5), BARTHEL (12 / 32:24 / 4), Williams (27 / 28:38 / 5), OGUNSIPE (0 / 4:47 / 8); Feldwurfquote: 36/66 (55 Prozent), davon 11/25 Dreier (44 Prozent): Djedovic (3/6), Lo (2/3), Lucic (2/4), King (1/2), Barthel (1/2), Williams (1/3), Koponen (1/3); Freiwürfe: 18/26 (69 Prozent); Rebounds: 22 defensiv, 7 offensiv (Williams 4/3); Assists: 24 (Lo 5, Amaize 4); Ballgewinne: 15 (Lo 6, Barthel 3); Ballverluste: 11 (Lo 3); Effektivität: 123 (Williams 31, Djedovic 18, Lo 18, Barthel 18).




Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 35/65 (54 Prozent), davon 11/23 Dreier (48 Prozent): (Robertson 5/7, Doreth 2/2, Brooks 2/5, Meisner 1/1, Raivio 1/2); Freiwürfe: 14/15 (93 Prozent); Rebounds: 26 defensiv, 7 offensiv (Brooks 7/2, Seiferth 4/2); Assists: 22 (Stockton 5, Seiferth 4, Thomas 4); Ballgewinne: 5; Ballverluste: 17 (Robertson 6); Effektivität: 109 (Brooks 23, Raivio 15, Robertson 14, Seiferth 14).

SR: Lottermoser, Simonow, Arik; Zuschauer: 5828.

Stationen: 13:3 (4.), 29:15 (10.), 29:18 (1. Viertel), 37:35 (16.), 44:35 (19.), 47:40 (Halbzeit), 50:47 (24.), 63:50 (28.), 66:58 (3. Viertel), 71:71 (36.), 76:78 (38.), 78:81 (39.), 84:84 (4. Viertel), 91:86 (43.), 96:90 (44.), 96:95 (45.), 101:95 (Ende).







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