Tigers mit freier Kontingentstelle: Ivan Kolozvary kein Ausländer mehr

Neuer Personalausweis, gleiches Trikot: Ivan Kolozvary erhielt die deutsche Staatsbürgerschaft und verlängerte seinen Vertrag bei den Bayreuther Tigers um eine weitere Saison. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. „Ich habe ihn auch als Slowaken sehr gemocht“, versichert Petri Kujala glaubhaft. Dennoch eröffnen sich dem Trainer der Bayreuth Tigers mit der Einbürgerung von Ivan Kolozvary ganz neue Perspektiven im Kampf um den Klassenerhalt in der DEL2. Denn mit Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft hat der 35-jährige Center eine Kontingentstelle frei gemacht, die bis zur Schließung des Transferfensters am 15. Februar wieder besetzt werden könnte.





Ob die Bayreuther die Chance nutzen werden, hängt davon ab, „ob uns ein möglicher neuer Spieler besser macht und auch bezahlbar ist“, sagt Petri Kujala. Und Geschäftsführer Matthias Wendel ergänzt: „Nur um unseren Kader größer zu machen, werden wir sicher keinen Ausländer nachverpflichten. Aber wir halten unsere Augen und Ohren offen und schlagen gegebenenfalls noch einmal zu.“ Gleichzeitig hat Ivan Kolozvary seinen Vertrag bei den Tigers um eine Saison verlängert.

Er geht damit in seine siebte Spielzeit in Bayreuth. Im Jahr 2013 kam er vom Nord-Oberligisten Saale Bulls Halle an den Roten Main und zählte hier beständig zu den Leistungsträgern – zunächst in der Oberliga, dann in der DEL2. Bis heute erzielte er im Trikot des EHC und der Tigers 114 Tore und lieferte 271 Vorlagen. „Wir haben uns hier immer sehr, sehr wohlgefühlt“, sagt der ehemalige slowakische U 20-Nationalspieler. Für ihn ging am Donnerstagabend ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, als er die Einbürgerungsurkunde im Rathaus entgegennahm.

Schon an diesem Wochenende steht er beim ESV Kaufbeuren (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen die Ravensburg Towerstars (Sonntag, 18.30 Uhr) das erste Mal als Deutscher auf dem Eis. „Ich glaube nicht, dass ihn das irgendwie anders macht“, scherzt Petri Kujala, „zumindest hoffe ich das nicht“. Ivan Kolozvary hat an sich selbst auch noch keine Veränderungen wahrgenommen. „Ich glaube, da passiert auch nichts mehr.“ Nicht einmal ein Heißhunger auf Bratwürste oder Leberwurstbrot habe sich eingestellt, versichert er schmunzelnd.



Frage zur Farbkombination zur bayerischen Flagge

Warum er die Einbürgerung angestrebt hat und sich dem Test der Ausländerbehörde, darunter Fragen zu Bundesrat, Bundestag und zur Farbkombination der bayerischen Flagge, unterzogen hat, erklärt er so: „Es war für mich und meine Familie. Wir leben ja schon lange hier, fühlen uns unheimlich wohl und möchten gerne noch länger bleiben. So haben wir bessere Chancen in der Zukunft. Aber natürlich war es auch ein bisschen für die Tigers. Sie haben jetzt die Möglichkeit, eine Ausländerstelle neu zu besetzen.“

Kolozvary selbst hätte sich wohl gar keine Gedanken darüber machen müssen, auch als Ausländer bei den Tigers einen erneuten Vertrag zu bekommen. Dafür ist Kujalas Wertschätzung für seinen Stürmer einfach zu groß. Es klingt für die Verhältnisse des Finnen fast schon überschwänglich, wenn er den Stürmer als „absoluter Leistungsträger“, als „ein Vorbild auf und neben dem Eis“ bezeichnet. „Viele sagen, ein Kontingentspieler muss mehr Tore machen. Das sehe ich nicht so. Bei mir muss ein guter Ausländer keine 80 Punkte am Ende der Saison haben. Ich habe da andere Maßstäbe. Und die erfüllt Ivan voll und ganz“, sagt Kujala.




Ohne Druck gegen zwei Spitzenmannschaften

Der Coach sieht sich zehn Spieltage vor Saisonende mit seinem Team einem erneuten Fernduell mit den punktgleichen Eispiraten Crimmitschau um den hintersten Nichtabstiegsplatz ausgesetzt. Rein tabellarisch gesehen haben die Eispiraten um ihren neu verpflichteten Stürmer Adrian Grygiel (von den Krefeld Pinguinen aus der DEL) das leichtere Programm an diesem Wochenende. Wie die Tigers haben sie es mit dem jüngst entthronten Spitzenreiter Ravensburg Towerstars zu tun. Nach der hohen Auswärtshürde am Freitag aber haben sie mit Deggendorf eines der auswärtsschwächsten Teams der Liga zu Gast. Die Tigers indes stehen gleich zwei Spitzenteams gegenüber. Aber besonders groß ist der Respekt nicht. „Wir spielen gegen diese Topteams einfach besser, weil der Druck nicht so groß ist und wir auch nicht gezwungen sind, das Spiel zu machen“, sagt Ivan Kolozvary.

Sein Trainer freut sich besonders auf das Spiel beim ESV Kaufbeuren, dessen Vormarsch an die Spitze nach zuvor fünf glatten Siegen in Folge zuletzt in Ravensburg mit 1:6 jäh gestoppt wurde. „Kaufbeuren ist ein Team, das läuferisch sehr stark ist und hart arbeitet. Deshalb sind die Spiele gegen sie auch immer relativ klar. Wer härter arbeitet, der gewinnt diese Duelle.“ Als einen brandgefährlichen Kontrahenten bezeichnet der 48-jährige Finne die Ravensburg Towerstars. Deren jüngster Durchhänger mit nur sieben Punkten aus den letzten sechs Spielen sei erklärbar. „Sie hatten viele Ausfälle und Verletzte.“ Auch bei den Tigers waren unter der Woche einige Spieler krank. Noch nicht wieder eingreifen kann der am Knöchel verletzte Kapitän Jozef Potac.







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