Neuer Bayreuther Kulturreferent: „Eins draufsetzen“


BAYREUTH. Im zweiten Anlauf hat Bayreuth einen Kulturreferenten: Benedikt M. Stegmayer (37) wurde vom Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung gewählt. Sein Ziel ist es, in der „Kulturstadt par excellence“ auf das Angebot „noch eins oben draufsetzen.“




Der Ruf kam plötzlich und er hat nicht mehr damit gerechnet. Aber Stegmayer betont mehrfach im Gespräch mit dem Kurier, wie sehr er sich gefreut hat. Ausgerechnet Bayreuth, diese Kulturstadt, von der es „wenige gibt in Deutschland“. Und deshalb habe es ihn sehr überrascht, „dass man doch noch mal …“ Weil die Stadt und die Stelle eben „äußerst attraktiv“ sei.

Natürlich kennt er die Geschichte um den ersten Kulturreferenten Tobias Knoblich, der gewählt wurde, sich dann aber für das Amt des Kulturdezernenten in Erfurt aufstellen ließ – und die Wahl gewann. Ob Stegmayer das Gefühl habe, die zweite Wahl zu sein, beantwortet er mit fester Stimme: „Nein, ich habe nicht das Gefühl.“ Im Gegenteil. Er betont, ein völlig anderes Profil zu haben als Knoblich, dem er einen „tollen Lebenslauf“ attestiert. Stegmayer: „Mein Lebenslauf hat andere Schwerpunkte und ich habe einen anderen kulturellen Hintergrund.“



Sein Vater ist Künstler, seine Mutter leitet das Kulturamt der Stadt Pullach. „Ich komme aus einer Künstlerfamilie.“ Stegmayer spricht von einem „vielfältigen kulturellen Hintergrund“, geprägt einerseits durch die „Hochkultur der Eltern“, andererseits durch das „rebellierende Kind, das sich viel aneignet“. Er habe keinerlei Vorbehalte gegen irgendeine Art der Künste. „Ich versteh mich als Generalist.“

Er studierte Philosophie im englischen Cambridge, danach in Berlin Kunstgeschichte, ging auch für je ein Jahr nach Paris und Tübingen. Er hat seinen Bachelor und Master of Arts in Kunstgeschichte, Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft. Von 2008 bis 2011 war er Geschäftsführender Gesellschafter des Verlags für zeitgenössische Kunst und Theorie, ehe er von 2011 bis 2015 als Beauftragter für Bildende Kunst zur Stadt Mannheim wechselte. Seit 2015 leitet Stegmayer das Kulturamt der Stadt Esslingen am Neckar, die etwas größer ist als Bayreuth. Dort war er Chef von 170 Mitarbeitern. In seine Verantwortung fielen alle städtischen Einrichtungen, von Museen über die Bücherei bis zur Musikschule. Trotzdem empfindet er den Sprung von dort nach Bayreuth als einen großen. „Kulturell hat Bayreuth eine außergewöhnliche Stellung.“




Zu seinen Zielen gehörten „ganz wesentliche Aufgaben wie das Friedrichs-Forum und das Opernhaus“. Zum Zentrum möchte er nichts sagen. Die Informationen aus der Zeitung seien zu dünn. Er lobt die Kulturszene der Stadt als reich und sieht sie „beflügelt“ durch die Kulturstadt. Diese steigerten die Kreativität der Menschen. Allerdings kenne er die kleinen Szene-Orte nicht und wisse noch nicht genau, wer was macht.

Dass ein zweiter Wahlgang nötig war, um seine Stelle zu besetzen, habe „weder der Stadt noch dem Amt geschadet“, sagt Stegmayer. „Da habe ich keine Befürchtungen.“ Es sei nur „ärgerlich für die Stadt, weil es eine längere Vakanz“ gebe. „Herr Knoblich hatte gute Gründe für seine Entscheidung, das muss ich nicht kommentieren.“ Aber das mache „weder die Stadt noch das Amt unattraktiv“.



„Stegmayer hat den Stadtrat aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und Berufserfahrung überzeugt. Es ist ein gutes Signal, dass die Position des Kultur- und Tourismusreferenten nun wieder qualifiziert besetzt werden kann“, wird Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe zitiert. Mit der Personalentscheidung stelle die Stadt die Weichen, um den Bereich Kultur als Standortfaktor weiter zu verstärken.

Wann Stegmayer seinen Dienst antritt, steht noch nicht fest. Er muss in Esslingen noch kündigen. Aber auf jeden Fall dieses Jahr. Er will mit seiner Frau und seinem 15 Monate alten Söhnchen nach Bayreuth ziehen. „So dass ich zu Fuß zum Arbeitsort gehen kann. Je näher, je besser.“ Er weiß, ihn erwarte ein arbeitsintensiver Job, da wolle er nicht viel Zeit auf der Straße verlieren.







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