23. Oktober 2019 - 18:19

Schlosskirchen-Sanierung: Folichon schaut von oben auf Wilhelmine

Das Deckengemälde ist fast fertig. Damit wird eine schmerzliche theologische Lücke geschlossen und die Schlosskirche soll räumlich wieder werden wie 1758, als die Kirche eingeweiht worden war. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Die gute Nachricht für alle, die die Schlosskirche vermissen: Die Restaurierung der Kirche liegt noch im Zeitplan. Ostern soll die Gemeinde ihr Gotteshaus zurückbekommen. Ganz anderes, als sie es kannten. Allerdings werden die Katholiken in der Innenstadt auf ein wichtiges Element verzichten müssen. Die Orgel wird erst nach Abschluss der Restaurierung eingebaut und gestimmt. Das wird bis Pfingsten dauern. Was auch noch fehlt: Die Entscheidung, wie die Säulen werden. Die fällt erst in 14 Tagen.




Wenn man mit dem Auto fährt und das Navigationssystem nutzt, dann kommt am Ende der Fahrt immer eine Ansage: „Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Die Schlosskirchengemeinde und ihr Pfarrer Christian Karl Steger haben ein wichtiges Ziel auf dem Weg zum Abschluss der Restaurierung ihrer Kirche schon erreicht: Obwohl die Emporen der Kirche nur grundiert sind, lässt sich erahnen, wie die Schlosskirche innen aussehen wird.

„Das Ziel ist, dass die Kirche heller wird“, sagt Steger am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Braun, mit dem die Emporen gefasst waren, habe sich wie ein dicker Strick durch die Kirche gezogen, habe dafür gesorgt, dass „der Raum länger wurde und eine drückende Niedrigkeit hatte“, wie Steger sagt. Zudem „hat der Kirche etwas gefehlt“. Diesen Eindruck hatten viele. Es war das Deckengemälde, das der Markgrafenkirche vor mehr als 150 Jahren genommen worden war.




Foto: Eric Waha

Details mit einem Augenzwinkern

Franz Fersch, der Kirchenmaler, der Anfang Oktober angefangen hat, die insgesamt rund 160 Quadratmeter Fläche – verteilt auf drei Deckenspiegel – zu bemalen und „die theologische Botschaft der Decke zu schließen und den Himmel zu öffnen“, wie Steger sagt, ist fast fertig. Am 7. Januar werden er und die Restauratoren, die sich um den Stuck Giovanni Battista Pedrozzis und die Farbfassungen in der Kirche kümmern, ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Ferschs eigene künstlerische Handschrift darf in der Decke deutlich werden. Und Bezüge aufnehmen. Im dritten Deckenspiegel, beispielsweise, taucht ein schwarz-weißes Hündchen in der Szene auf. „Folichon, der von oben auf das Grab Wilhelmines blickt“, wie Steger sagt. Schließlich ist die Markgräfin in der Schlosskirche bestattet worden. Nur wenige Monate nach der Einweihung der Kirche zu Ostern 1758. Fersch versteckt auch Details, die man durchaus mit einem Augenzwinkern wahrnehmen wird: Wie die Maus, die sich unter Jakobus eine Brezel aus einem Korb heraus stibitzt.




Foto: Eric Waha

Warm oder kalt?

Was jetzt zu klären ist, ist die Frage: warm oder kalt? In den kommenden 14 Tagen wird sich entscheiden, wie die Säulen, die die Empore tragen, die Ende der 60er Jahre bei der letzten Restaurierung in einer Art Flecktarn-Farbe gestrichen worden waren, marmoriert werden. „Ein gemeinsames Ringen“ dürfte das werden, an dem das staatliche und das bischöfliche Bauamt, das Denkmalamt, der Pfarrgemeinderat sowie die Kirchenverwaltung beteiligt sind. Die bläuliche Farbgebung stünde für den kälteren Farbton, die roséfarbene für den wärmeren.

Jede Partei habe da ihren Favoriten, sagt Steger. Die Säulen hatten zur gleichen Zeit eine neue Farbgebung erhalten, als auch an der Empore „eine Fehlinterpretation“ stattgefunden habe: Die restauratorische Fachbauleitung habe herausgefunden, dass man damals wohl „die oxidierte Grundfassung“ als das Braun eingestuft hatte, das man dann aufgetragen hat.




Foto: Eric Waha

Die Gemeinde vermisst ihre Schlosskirche

Während das Ringen um die Entscheidung der Farbgebung den Fertigstellungstermin nicht beeinflussen werde, sei jetzt schon klar, dass die Orgel nicht bis zur Wiedereröffnung 261 Jahre nach der Einweihung fertig sein wird. Zu aufwendig ist die Reinigung der Orgel, die ein Vielfaches des Deckengemäldes kosten wird, für das die Gemeinde rund 60.000 Euro zahlen muss. „Sie wird erst ganz am Ende eingebaut und gestimmt“, sagt Steger. „Das dauert bis Pfingsten.“

Wichtig sei aber, dass die Gemeinde „so bald wie möglich ihren Gottesdienst wieder in der Schlosskirche halten“ könne. Er sei stolz auf den Zusammenhalt der Gemeinde, sagt der Pfarrer. „Oft höre ich von den Leuten: Ich vermisse meine Schlosskirche. Aber es läuft alles weiter, wenn auch auf etwas kleinerer Flamme.“




Foto: Eric Waha

Ein geschichtsträchtiger Tabernakel

Ein Stück jedoch, das derzeit in der Kirche steht, wird seinen Platz wieder verlassen müssen: der Tabernakel, der Aufbewahrungsort für die Reliquien, aus dem 19. Jahrhundert. Ein geschichtsträchtiges Stück, das die Form der Gruft der Markgräfin aufnimmt. Er war in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1923 aufgebrochen worden. Die Täter hatten daraus unter anderem eine Monstranz geraubt, die die Schlosskirchengemeinde im 18. Jahrhundert von Papst Clemens XIII. geschenkt bekommen hatte.

Der damalige Schlosskirchenpfarrer Franz Seraph Stoß, „ein aufrechter Mann, der später ein breites Kreuz gegen die Nazis gezeigt hat“, wie Steger sagt, habe wegen des Diebstahls Zeit seines Lebens keine Strümpfe mehr getragen, weil er sich solche Vorwürfe gemacht habe.







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