26. Februar 2020 - 09:05

Paar sucht Drei-Zimmer-Wohnung: Auch für 1000 Euro Miete nichts zu finden

Rudolf Linhardt und Christine Graf suchen krampfhaft in Bayreuth eine bezahlbare Wohnung, finden jedoch nichts. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Rudolf Linhardt (63) und seine Lebensgefährtin Christine Graf (50) suchen seit vier Monaten eine Drei-Zimmer-Mietwohnung in Bayreuth. Der pensionierte Justizbeamte und die Psychotherapeutin (HPG) wären sogar bereit, bis zu 1000 Euro Miete warm im Monat auszugeben – doch sie finden nichts.




Beide wohnen derzeit in Unternschreez im Landkreis Bayreuth in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit 100 Quadratmetern und einer Warmmiete von 700 Euro. „Wir sind glücklich und zufrieden mit der Wohnung, haben ein gutes Verhältnis zum Vermieter“, berichtet Graf. Da beide körperlich behindert sind, wollen sie auf mittlere Frist in die Stadt ziehen, um dort kurze Wege zum Arzt, zum Einkaufen und für Veranstaltungen zu haben.




Die Probleme

Seit Monaten verfolgen sie die Mietangebote im Nordbayerischen Kurier und im Internet, doch sie finden keine entsprechende Wohnung zu dem angepeilten Maximalpreis. Dies hat nach den Erfahrungen der beiden folgende Gründe: Die Mieter wollen häufig sofort vermieten, zum Teil sind die Wohnungen schon unter der Hand vergeben, und: Wenn man kleine, nachvollziehbare Ansprüche stellt, wie etwa beim Zustand des Bades oder der Fenster, fällt man sofort durch das Raster. Dabei sind ihre Wünsche nichts Außergewöhnliches: ein Aufzug und ein Balkon wären ideal. In Bayreuth werde sehr viel Wohnraum für die aktuell rund 13 500 Studenten angeboten, doch „normale“ Wohnungssuchende schauen durch die Finger, bedauert Graf.




Studie: Mieten stiegen um 63 Prozent

Eine Übersicht des Online-Immobilienportals immowelt.de aus 2017 zeigt: Die Mieten in den vergangenen zehn Jahren seien bayernweit am meisten in Bayreuth gestiegen, nämlich um 63 Prozent. Das Online-Portal hat sämtliche Städte und Landkreise in Bayern unter die Lupe genommen. Ergebnis: Nirgendwo im Süden von Deutschland sind die Mieten so stark angestiegen wie in Bayreuth. Seit 2008 seien die Mietpreise in der Festspielstadt im Durchschnitt um 63 Prozent nach oben geklettert. Allerdings liege das Preisniveau in Bayreuth mit 9,10 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter noch deutlich unter dem Durchschnitt der Großstädte, heißt es in der Analyse weiter. Gründe für die hohe Steigerungsrate in Bayreuth sehen die Experten in erster Linie in den steigenden Studentenzahlen. Zudem würden viele Menschen die Lebensqualität und das gute Arbeitsplatzangebot in der Stadt schätzen. Dank der Lage an der A 9 sei die Stadt auch verkehrsmäßig gut angebunden.




Bis zu 30 Interessierte bei Besichtigung

Linhardt hat sich seit zwei Jahren bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewog und seit vier Wochen beim genossenschaftlichen Bauverein in Bayreuth auf die Warteliste setzen lassen, doch es habe bislang keine einzige Rückmeldung gegeben. Durch das schlechte Angebot besonders bei größeren Wohnungen würden die Leute gezwungen, ins Umland zu ziehen. „Die Nachfrage nach größeren Wohnungen ist in Bayreuth größer als das Angebot“, stellt Linhardt unmissverständlich fest. „Wir gehören zur Mittelschicht, finden aber trotzdem keine Wohnung“, klagt das Paar. Bei Besichtigungen haben beide erlebt, dass sich weitere 20 bis 30 Interessenten die Klinke in die Hand gegeben haben.




Stadt betont Wohnraumbeschaffung

Bayreuth verzeichne als attraktiver Lebens- und Wohnort eine sehr starke Wohnungsnachfrage, bestätigte Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt. Um der Entwicklung entgegen zu wirken, arbeite die Stadt seit Jahren an der Schaffung zusätzlichen Wohnraums. In den vergangenen Jahren sei Planungsrecht für viele Hundert neue private Wohnungen geschaffen worden. Aktuelle Beispiele: Im Bereich Scheffelstraße/Am Mühlgraben entstehen 50 bis 75 neue Wohneinheiten. Für weitere 107 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau steht das neue Mischgebiet Insel/Sophienkarree, und auch im Lainecker Baugebiet Kalte Leite werde es zusätzliche Möglichkeiten geben. Ein Schwerpunkt beim künftigen Wohnungsbau werde auch das Areal rund um das Rathaus II sein. Auch die städtische Gewog investiere hohe Millionenbeträge in Neubauprojekte.




Bauverein: Lange Warteliste

Der genossenschaftliche Bauverein Bayreuth spricht von einer hohen Nachfrage bei Drei-Zimmer-Wohnungen. Der Bauverein biete freie Wohnungen erst den Genossen an; gibt es keine Nachfrage, werde die lange Warteliste abgearbeitet, berichtet stellvertretende Geschäftsleiterin Irene Grabner. Bei Drei-Zimmer-Wohnungen stünden 100 bis 150 Bewerber auf der Warteliste. Derzeit gibt es lediglich eine einzige vermittelbare Drei-Zimmer-Wohnung. Die Genossenschaft hat rund 2000 Wohnungen im Eigentum und in der Vermietung, erläutert Grabner. Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens 520 Euro. Der Grundgedanke der Genossenschaft ist, ihren Mitgliedern bezahlbaren und sicheren Wohnraum zu schaffen.







Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen