15. Dezember 2019 - 00:28

Nachruf auf Toni Heußinger: „Der große Auftritt, das war seins“

Toni Heußinger hat in seinem Toni's in der Sophienstraße viele Stammgäste gehabt. Am 28. Dezember ist Heußinger überraschend gestorben. Foto: Archiv

BINDLACH/BAYREUTH. Er war einer, der die Menschen mochte, der die Bayreuther anzog. Die wiederum ihn mochten. Seine liebevolle Art, mit Menschen umzugehen. Ein Netzwerker, der keine sozialen Netzwerke brauchte. Und der es mochte, im Mittelpunkt zu stehen, ohne aufdringlich zu sein. Jetzt ist Toni Heußinger nicht mehr da. Er ist überraschend im Alter von 69 Jahren gestorben.




An ihm kam man nicht vorbei. Im positiven Sinn. Wenn sein Laden in der Sophienstraße, das Toni’s, offen war, dann kam immer ein „Servus, na, wie geht’s“ aus der Tür. Und Toni Heußinger, den jeder nur bei seinem Vornamen nannte, war schon zur Stelle, um wenigstens ein paar Worte zu wechseln, Neuigkeiten auszutauschen, einen schönen Tag zu wünschen. Der kleine Laden, in dem es hauptsächlich flüssige Spezialitäten aus Südtirol, der Herzens-Heimat von Toni Heußinger, gab, war für den gebürtigen Harsdorfer die kleine Bühne für den großen Auftritt. „Man ist nicht ins Toni’s gegangen, sondern zum Toni“, sagt sein Sohn Andreas Heußinger im Gespräch.




Man ging nicht ins Toni’s, sondern zum Toni

Wahrscheinlich hätte Toni Heußinger in dem kleinen Weinlokal, das sich innerhalb kurzer Zeit und trotz der nur drei Tage Öffnungszeit in der Woche einen großen Stammkundenkreis erarbeitet hat, auch Schrauben verkaufen können. Die Leute wären dennoch gekommen. Zu ihm. Zum Toni. Gelernt hat Heußinger den Handelsberuf „beim Tauscher“, wie Andreas Heußinger sagt, einem der ersten supermarkt-ähnlichen Warenhäuser. „Danach war er bei der Süßen Quelle in der Leuschnerstraße, etwa zehn Jahre lang. Dann etwa zehn Jahre bei Getränke Marco in Kulmbach, wo er auch nach etwa zehn Jahren keine berufliche Perspektive mehr gesehen hat.“ Am 24. November 1994 machte er sich mit dem Getränkemarkt in Bindlach selbstständig. Auch hier der Schwerpunkt „auf Südtirol, das war seine zweite Heimat, ein großer Teil seines Lebens“, sagt Andreas Heußinger.




2012 übergab er das Getränkehaus an seine Söhne

Anfang 2012 haben die Brüder Thorsten und Andreas Heußinger das Geschäft übernommen, weil es dem Vater gesundheitlich nicht gut ging. „Eigentlich mussten wir über Nacht übernehmen.“ Doch schnell war klar: Toni ohne Auftrag, ohne Menschen, das geht gar nicht. „Im Juni 2013 haben wir das Toni’s eröffnet. Um für ihn etwas fürs Altenteil zu schaffen. Ein kleines, schönes Lädchen, das nicht so arg stressig ist. Das hat er gebraucht.“ Denn „der Toni war ein Verkäufer durch und durch. Einer mit Herz“, bringt sein Sohn auf den Punkt, was auch die Gäste, die sich schnell dort zu Hause fühlen sollten, schnell spürten.

Auf die Eröffnung folgte ein Schicksalsschlag: Anfang Juli 2013 starb Toni Heußingers Frau. Das Toni’s hat ihm geholfen, „es war gut, dass er eine Beschäftigung hatte“. Ansprache, die Möglichkeit, sich auszutauschen, mit anderen zu lachen. So wie er es auch auf dem Bayreuther Christkindlesmarkt getan hat mit seiner Südtiroler Hütte, im vergangenen Jahr zum neunten Mal.

Auch hier spielte die Gesundheit erst nicht mit. Anfang Dezember musste sich Toni Heußinger einer Operation unterziehen. „Eine Woche war er außer Gefecht. Und ist sofort, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zum Christkindlesmarkt gefahren. Nicht, um zu arbeiten, sondern dass er einfach da war“, sagt Andreas Heußinger. In der ersten Woche sei – trotz herrlichen Wetters – „ohne Toni weniger Frequenz gewesen. In den folgenden Wochen war schlechtes Wetter: Mit Toni waren die Leute da. Das war einfach sein Leben. Der große Auftritt, das war seins.“




Enge Freundschaft zu Helmut Lauterbach und dem Landhaus Gräfenthal

Wenn er nicht bei sich im Laden oder in der Bude stand, war Heußinger oft bei seinem Freund Helmut Lauterbach im Landhaus Gräfenthal. „Er war bei uns wie ein Familienmitglied. Einfach immer da“, sagt Lauterbach. Der Wein hat die beiden vor Jahrzehnten zusammengebracht, als Heußinger noch bei der Süßen Quelle in Bayreuth gearbeitet hat. „Auch später bei Marco und in seinem eigenen Getränkehaus in Bindlach“, sagt Lauterbach. „Wir haben immer eine sehr gute Verbindung gehabt.“ Man habe sich auch reiben können an ihm, an einem Menschen, der seine Kanten hatte. „Aber es war immer schnell wieder gut. Weil er das Schöne und Gute wollte. Den Umgang mit Leuten, das mochte er.“ Es sei bewundernswert gewesen, „wie viele Leute er kannte“ – und wie viele ihn.




Einfach so, weil es ihm Freude bereitet hat

Helmut Lauterbach sagt, Toni Heußinger sei „uns zugewandt gewesen, so lange ich mich erinnern kann. In jeder Hinsicht. Seine Reisen nach Südtirol hat er oft so geplant, dass sie bei uns ihren Endpunkt hatten. Dann hat er eine Brotzeit mitgebracht, wir haben zusammen noch einen Wein probiert.“ Selbst in der Zeit, als er das Toni’s hatte, „was ihn sehr erfreut hat, weil es ein neuer Lebensabschnitt für ihn war, kam er oft vorbei – um uns etwas zu besorgen, zu helfen, sich an die Theke zu stellen und einzuschenken“. Einfach so, weil es ihm Freude gemacht hat.

Am 28. Dezember ist Toni Heußinger gestorben.







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