26. Februar 2020 - 16:37

Kulmbach musste die Notaufnahme am Klinikum schließen

Das Klinikum Bayreuth musste Notfallpatienten aus Kulmbach und Umgebung behandeln, nachdem das dortige Klinikum die Notaufnahme dichtgemacht hatte. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH/KULMBACH. Das Klinikum Kulmbach hat seine Notaufnahme wegen Überlastung diese Woche von Dienstag, 14 Uhr, bis Mittwoch, 12 Uhr, dichtgemacht. Notfallpatienten wurden in dieser Zeit vom Rettungsdienst in benachbarte Krankenhäuser gebracht, bestätigte die Geschäftsführerin des Klinikums, Brigitte Angermann. Das Klinikum Bayreuth reagierte mit Unverständnis, denn die Belegungssituation sei „ebenfalls angespannt“.




„Wir haben den Rettungsdienst am Dienstag informiert, dass wir nicht mehr aufnahmefähig sind“, berichtete Angermann. Alle Stationen seien überbelegt, zur Ursache konnte sie nichts sagen. Diese sogenannte Abmeldung der Notaufnahme beim Rettungsdienst wegen Überbelegung komme maximal fünfmal pro Jahr vor, dies sei „nichts Ungewöhnliches“. Es gebe keine Grippewelle und kein Glatteis, aber die Patienten kämen gehäuft in die Notaufnahme, lautete das Fazit. Und: Mehr als die regulären 500 Betten sind derzeit belegt.

Das überraschende Dichtmachen der Notaufnahme sorgte im Klinikum Bayreuth offenbar für Irritationen. Die Nachricht traf dort am Dienstag ein. Daraufhin habe der medizinische Leiter der Notaufnahme, Florian Knorr, Kontakt mit der Notaufnahme am Klinikum Kulmbach aufgenommen, um den Hintergrund zu erfahren, schilderte Pressesprecher Frank Schmälzle.




Ein derartiges Vorgehen unter dem Jahr hat es laut Knorr bisher äußerst selten gegeben, gehäuft aber in der vergangenen Influenzasaison. Die Integrierten Leitstellen (ILS) Bayreuth/Kulmbach, Coburg und Hochfranken, der Rettungsdienst Bayreuth/Kulmbach und die Leiter der Notaufnahmen hatten abgesprochen, Abmeldungen aufgrund der Auswirkungen auf benachbarte Krankenhäuser zu vermeiden.

Das Klinikum Kulmbach teilte Knorr als Gründe für die Abmeldung mit: Eine volle Aufnahmestation, zu wenige Untersuchungszimmer in der Notaufnahme und eine Überbelegung der Stationen mit fünf Patienten in den Drei–Bett-Zimmern. Eine Versorgung von Herzinfarkten und Mehrfachverletzungen wurde aber zugesichert. Patienten mit oder ohne Einweisung würden aber nicht angenommen, selbst wenn sie nur ambulant abgeklärt werden müssten. In der Folge wurden in dem betreffenden Zeitraum zwölf Patienten aus Kulmbach und dem Einzugsgebiet im Klinikum Bayreuth eingeliefert, bilanzierte Schmälzle.




Die Abmeldung sei aus rettungsdienstlicher Sicht ein schwieriger Zustand, sodass ein Gespräch mit der Geschäftsführerin des Klinikums Kulmbach, dem stellvertretenden Leitstellenleiter sowie dem Rettungsdienstleiter Kulmbach noch am gestrigen Mittwoch stattfinden sollte, um das weitere Vorgehen zu regeln. Denn die Belegungssituation im Klinikum Bayreuth ist laut Schmälzle ebenfalls angespannt.

„Dennoch versorgen wir unser Einzugsgebiet und zur Gewährleistung der Patientensicherheit im Kulmbacher Bereich auch Patienten aus diesem Raum“, schilderte er. „Wir bitten aber etwaige Unannehmlichkeiten wie Flurbetten und Wartezeiten zu entschuldigen.“ Der Knackpunkt: Das Klinikum Bayreuth darf sich als Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe nur in absoluten Ausnahmefällen bei der Notbehandlung abmelden.




Wie die Integrierte Leitstelle Bayreuth/Kulmbach mitteilte, ist der Aufnahmestopp im Klinikum Kulmbach seit Mittwoch, 12 Uhr, wieder aufgehoben. Der Rettungsdienst, dessen Einsätze die Leitstelle steuert, fahre bei akuten Notfällen das Klinikum Kulmbach trotz Aufnahmestopps an, berichtete der stellvertretende ILS-Leiter, Martin Fiedler. Dort müsse dann entschieden werden, ob ein Transport in eine benachbarte Klinik zu verantworten sei oder nicht. Den letzten Aufnahmestopp von Krankenhäusern habe es im vergangenen Jahr zur Grippewelle gegeben.

Das Bayerische Rote Kreuz in Bayreuth fährt in Notfällen auch Krankenhäuser an, die sich für die Notaufnahme abgemeldet haben, bestätigte Kreisgeschäftsführer Peter Herzing. „Entscheidend ist immer der Einzelfall“, betonte der Kulmbacher BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold. Längere Transporte würden nur ausgeführt, „wenn dies medizinisch vertretbar ist“.







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