25. August 2019 - 18:03

Historischer Sieg: Sensationeller Medi-Triumph in Bamberg

Foto: Peter Mularczyk

BASKETBALL. Im 77. oberfränkischen Derby gegen Brose Bamberg hat Medi Bayreuth am Donnerstagabend Historisches geleistet. Zum ersten Mal seit Februar 1998 – also seit nahezu 21 Jahren – gelang ein Auswärtssieg beim Erzrivalen und früheren Serienmeister. Mit 94:84 (43:43) fiel der sensationelle Erfolg sogar recht deutlich aus, und er war aufgrund der besseren Mannschaftsleistung vollkommen verdient.




Das ist umso bemerkenswerter, als für die Bayreuther längst nicht alles optimal lief. Einen herben Rückschlag mussten sie bereits nach zwei Minuten hinnehmen, als Hassan Martin mit einer Fußverletzung ausschied. Der dafür eingewechselte Andreas Seiferth fügte sich aber gut ein, und auch die späteren geplanten Wechsel veränderten die Kräfteverhältnisse nicht. Zwar konnten die Bamberger solche Kaliber wie Tyrese Rice, Elias Harris oder Stevan Jelovac von der Bank bringen, doch auf Bayreuther Seite leisteten Gregor Hrovat oder Lukas Meisner ebenso wertvolle Beiträge. Zudem hatte das Medi-Team überraschend klare Vorteile ausgerechnet auf der zuletzt defensiv problematischen Position vier: De’Mon Brooks war mit 15 Punkten der klare Topscorer der ersten Halbzeit, während auf Bamberger Seite Jelovac und Augustine Rubit ungewohnt viele Fehler produzierten. So blieb das 12:7 (4.), die höchste Führung des Favoriten im ersten Viertel, und mit einem 7:0-Start ins zweite legten dann sogar die Bayreuther ein 27:22 vor.




Bei Medi feiert man den Trimph ausgelassen:

Mit dem Start in die zweite Hälfte wurde der Bayreuther Traum von der Sensation schnell konkret, weil auch die verbliebenen Problemzonen der ersten 20 Minuten überwunden wurden: Zehn Zähler des zuvor noch punktlosen Kassius Robertson sowie fünf des physisch gegen Rice klar unterlegenen David Stockton hatten neben dem 2000. BBL-Punkt von Seiferth entscheidenden Anteil an einem 17:5-Lauf zur 60:48-Führung nach viereinhalb Minuten. Die Bamberger wirkten in diesre Phase konsterniert und planlos. Durch zwei Dreier in kurzer Folge (Zisis, Hickman) verkürzten sie zwar auf 54:60, aber das machte ein unsportliches Foul von Rickey Hickman sofort wieder zunichte. Die Bayreuther nutzten diese Chance optimal mit zwei Freiwürfen von Brooks und einem Dreier von Bastian Doreth zum 65:54 (27.).




Feiern mit den mitgereisten Fans:

Von da an fanden die Gäste für alle weiteren Aufgaben überzeugende Lösungen, wobei Seiferth zunehmend unter dem Korb dominierte und Gregor Hrovat viele wichtige starke Szenen hatte (wenn auch hin und wieder mit ein wenig Glück bei seinen Würfen). So kamen die Bamberger nicht mehr näher als auf 66:70 (33.) und 71:75 (35.) heran. Am Ende mussten sie das wohl lauteste Pfeifkonzert der letzten Jahre über sich ergehen lassen.

Einzelkritik (Von Florian Kirchner)

ADONIS THOMAS (10 Punkte / 28:35 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 13): Der Forward startete mit wenig Fortune und stürzte sich überhastet in erfolglose Eins-gegen-Eins-Situationen; bekam Bedenkzeit auf der Bank und kam in allen Belangen verbessert zurück. Stark im dritten Viertel mit zehn Punkten; starke sieben Rebounds.




KASSIUS ROBERTSON (15 / 26:39 / 5): Der Scharfschütze kassierte frühzeitig sein zweites Foul, verteidigte aber jederzeit engagiert gegen körperlich überlegene Bamberger Gegenspieler (Hickman, Heckmann). Offensiv trat er erst nach der Pause in Erscheinung, sorgte für die bis dahin höchste Bayreuther Führung mit seinem zweiten Dreier zum 58:44 (25.) und war nach drei Vierteln bei einer zweistelligen Ausbeute (10) angelangt; vier Assists.

Nico Wenzl: Nicht eingesetzt.

DAVID STOCKTON (5 /22:54 / 5): Der Point Guard verstrickte sich vor der Pause mehrfach in erfolglosen Harakiri-Aktionen in der Offensive. Kam verbessert aus der Kabine und molk im Endspurt mehrfach erfolgreich die Uhr; sechs Assists.

Bastian Doreth (3 / 17:27 / 7): Der Kapitän zeigte einmal mehr eine solide rundum zuverlässige Leistung. Ein wichtiger Dreier gelang ihm in einer Bamberger Sturm-und-Drang-Phase; drei Assists.

Andreas Seiferth (18 / 26:53 / 13): Kam früh für den verletzt ausgeschiedenen Hassan Martin und wurde von seinen Mitspielern immer wieder am Brett gefunden. Biss sich nach schleppendem Start in die Partie hinein und war am Ende zweitbester Scorer; zwei Rebounds.

HASSAN MARTIN (0 / 1:53 / -2): Der „Wühlbüffel“ fiel früh wegen einer Fußverletzung aus.

Steve Wachalski (0 / 0:17 / 0): Nur ein Kurzeinsatz für den Routinier.

Gregor Hrovat (13 / 19:06 / 1): Der Slowene mit dem Kämpferherz wirkte als unermüdlicher Antreiber und extrem giftiger Verteidiger; punktete immer wieder aus schier ausweglosen Situationen; drei Rebounds, drei Assists.

Lukas Meisner (4 / 18:52 / -3): Traf zur höchsten Bayreuther Führung vor der Pause (27:22, 12.) und war ein wertvoller Ersatz nach dem Ausfall von Martin; vier Rebounds.

DE’MON BROOKS (26 / 31:44 / 10): Das Arbeitstier rackerte vom Start weg gegen die überaus athletische Garde um Rubit und Alexander. Suchte zudem die Verantwortung in der Offensive, wenn sich kein anderer traute. Am Ende Topscorer und neun Rebounds.




Nik Raivio (0 / 5:50 / 1): Kämpfte meist glücklos, aber mit viel Engagement.

Statistik

Brose Bamberg: Hickman (17 Punkte / 20:02 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 8), Rice (9 / 29:16 / -12), ZISIS (8 / 19:47 / -5), Jelovac (19 / 24:36 / 1), Stuckey (0 / 2:54 / -7), Schmidt (0 / 0:02 / 0), Harris (8 / 20:51 / -5), RUBIT (7 / 24:20 / -17), ALEXANDER (2 / 7:30 / 1), HECKMANN (11 / 27:21 / -11), TAYLOR (3 / 23:21 / -3); Feldwurfquote: 29/64 (45 Prozent), davon 8/25 Dreier (32 Prozent): Hickman (3/6), Heckmann (1/1), Taylor (1/3), Zisis (1/4), Jelovac (1/5), Rice (1/6); Freiwürfe: 18/25 (72 Prozent); Rebounds: 20 defensiv, 13 offensiv (Jelovac 6/2, Rubit 3/2); Assists: 17 (Rice 6, Zisis 4); Ballgewinne: 6; Ballverluste: 12 (Jelovac 3); Effektivität: 90 (Hickman 18, Jelovac 17, Heckmann 13, Harris 11).




Medi Bayreuth: Feldwurfquote: 35/69 (51 Prozent), davon 11/22 Dreier (50 Prozent): Brooks (4/6), Thomas (2/2), Robertson (2/3), Stockton (1/2), Hrovat (1/3), Doreth (1/3); Freiwürfe: 13/15 (87 Prozent); Rebounds: 24 defensiv, 12 offensiv (Brooks 7/2, Thomas 6/1); Assists: 20 (Stockton 6, Robertson 4); Ballgewinne: 6 (Thomas 3); Ballverluste: 11; Effektivität: 110 (Brooks 31, Seiferth 18, Robertson 17, Thomas 17, Hrovat 13).

SR: Panther, Fritz, Hack;

Stationen: 7:2 (3.), 7:7 (3.), 12:7 (4.), 14:14 (7.), 22:20 (1. Viertel), 22:27 (12.), 36:31 (15.), 36:36 (17.), 43:43 (Halbzeit), 48:60 (25.), 54:60 (27.), 54:65 (27.), 60:70 (3. Viertel), 66:70 (23.), 66:75 (24.), 71:75 (25.), 76:88 (39.), 84:94 (Ende).







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