24. August 2019 - 07:24

Elektro-Parken mit Verwechslungsgefahr: Ärger mit dem E

Einmal zum Elektroparken nach Bayreuth - und schon hat der Spaß 15 Euro gekostet. Denn Gerhard Popp hat den falschen Parkplatz mit seinem Elektro-Smart erwischt. Ärgerlich, sagt er. Gerade vor dem Hintergrund, dass Stadt und Stadtwerke Elektromobilität fördern wollen. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Man darf nicht alles für bare Münze nehmen, gerade, wenn etwas kostenlos ist: Das ist die eine Sichtweise, die für den Besitzer eines Elektroautos erst einmal mit einem Strafzettel endete. Zwar parken Elektroautos in Bayreuth kostenlos – aber eben längst nicht überall. Das sei kompliziert. Und inkonsequent, sagt der erwischte Falschparker.




Gerard Popp und seine Frau Gisela haben sich ganz bewusst für ein Elektroauto entschieden. „Für Stadtfahrten. Oder im Sommer, wenn wir zum Badesee fahren“, sagt Gerhard Popp am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Da brauche er kein großes Auto, könne die kurzen Strecken gut mit einem lokal so gut wie emissionsfreien Auto zurücklegen.

Ärger bei einer der ersten Stadtfahrten

Über eine der ersten Stadtfahrten mit dem neuen, weißen Smart mit Akku allerdings muss sich Popp ärgern. Abends noch schnell von Bindlach nach Bayreuth, kurz Besorgungen machen. Und das verlockende Angebot vor Augen, dass Elektroautos in Bayreuth schließlich überall kostenlos parken, fährt Popp vor wenigen Tagen gegen 18 Uhr in die Stadt, stallt sein Auto auf dem Parkplatz Am Sendelbach ab, legt die Parkscheibe aus und geht einkaufen.




15 Euro für ein paar Minuten Parken

Als er zu seinem Auto zurückkommt, klemmt ein Strafzettel in Höhe von 15 Euro unterm Scheibenwischer. Popp ärgert sich, denn aus der Kurier-Berichterstattung vom Oktober vergangenen Jahres hat er noch im Kopf, dass Elektroautos auf öffentlichen Parkplätzen kostenlos parken. Und auch, dass nach Angaben der Stadtwerke neben dem Parkplatz am Sendelbach eine Schnelllade-Station gebaut werden soll. Stattdessen habe ihm das Parken „im spärlichen Mondlicht neben dreckigen Schuhen auch einen Strafzettel über 15 Euro“ eingebracht, wie Popp an den Kurier schreibt.

Umständliche Regelung

Popp klemmt sich dahinter, telefoniert: „Aus Telefonaten mit dem städtischen Verkehrsamt und den Stadtwerken habe ich zwischenzeitlich gelernt, dass es in Bayreuth städtische und ,stadtwerkische’ Parkplätze gibt.“ Genau das ist ein Umstand, der Popp ärgert: „Die Stadtwerke sind eine 100-prozentige Tochter der Stadt. Dort sitzen Stadträte im Aufsichtsrat. Stadträte, die beschlossen haben, dass Elektroautos in Bayreuth kostenlos parken.“ Eine Regelung, die Popp „umständlich und kompliziert“ nennt, wenn man zwischen städtischen und Parkplätzen der Stadtwerke trennt.




Stadtwerke regeln das: Strafzettel wird zurückgenommen

Zudem widerspreche eine solche Regelung dem Leitbild der Stadtwerke, „die sich ehrlich, unkompliziert und agil nennen“, wie Popp sagt. Wobei er die Stadtwerke bei der Lösung des Problems in seinem Fall „durchaus unkompliziert“ bezeichnet. Die „äußerst kundenorientierte Sachbearbeiterin“ habe dafür gesorgt, dass Popp nicht auf den 15 Euro sitzen geblieben ist.

Parkplätze sind im Internet jetzt ausgewiesen

Und: Seine Telefonate hätten „zumindest bewirkt, dass jetzt – immerhin drei Monate nach dem Stadtratsbeschluss – die Internetseite der Stadt aktualisiert wurde und die Parkplätze Am Sendelbach und beim Liebesbier als fett gedruckte Beispiele für Privatparkplätze benannt sind“.

„Gutes Beispiel für Verwechslungsgefahr“

Jan Koch, der Pressesprecher der Stadtwerke, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, er könne „den Ärger nachvollziehen“, der sich bei Gerhard Popp eingestellt hat. Allerdings sei der missglückte Parkvorgang „ein gutes Beispiel für die Verwechslungsgefahr“, sagt Koch. Parkplatz sei eben nicht Parkplatz. Auf dem Sendelbach-Parkplatz wiesen Schilder an der Einfahrt klar darauf hin, dass man hier einen Privatparkplatz befahre. „Wir sind ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen und somit sind die städtischen Entscheidungen nicht auf uns umzusetzen.“




Schnelllader kommt nebenden Parkplatz

Es sei richtig, dass die Stadtwerke einen Schnelllader für Elektrofahrzeuge dort bauen werden. „Aber eben am Parkplatz und nicht auf dem Parkplatz. Damit, hoffen wir, ist die Kuh vom Eis.“ Denn während des Ladevorgangs stehen Elektroautos kostenlos – nur der Strom müsse bezahlt werden. Es hätten „alle nichts gewonnen, wenn die Nutzer sauer sind“, sagt Koch.

Parkplatz wird saniert und bekommt eine Schranke

Der aktuell geschotterte Parkplatz Am Sendelbach werde wohl bald saniert, sagt Koch auf Nachfrage. „Das wollen wir in dem Jahr anpacken.“ Die Stadtwerke hoffen auf einen positiven Bescheid des Bauantrags, man wolle „eine teilasphaltierte Fläche schaffen“. Ein Privatparkplatz – mit Schranke.







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