Diese Frau brachte den Lipödem-Vorstoß ins Spiel

Foto: Privat

GESUNDHEIT. Die gesetzlichen Krankenkassen sollen nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) künftig das Absaugen von Körperfett bezahlen. Dabei geht es allerdings wie bereits ausführlich berichtet, nicht um die üblichen Fettpölsterchen, sondern eine schwere Krankheit. Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden laut Spahn täglich an den Folgen von Lipödem. Wir haben mit der Frau gesprochen, die den Minister auf die Spur gebracht hat. 




Hendrikje ter Balk ist die Frau, die den Minister auf den Leidensdruck der Frauen aufmerksam gemacht hat. Denn laut ihren Ausführungen wusste Jens Spahn im Vorfeld nichts von dem Urteil des Bundessozialgerichts, sagte aber, dass das Thema am Rande in den letzten Woche häufiger aufgetreten sei. „Aber es wurde deutlich, das er unwissend ist“, sagt die Frau, die in der Szene als Rikje bekannt ist.

Spahn habe von ihr fundierte Informationen „über den Leidensdruck von 3.8 Millionen Frauen, das BSG Urteil, die Faktenlage, fehlendes ärztliches Wissen, aktuell fehlende Unterstützung von der Frauenbeauftragten, Forschungsinhalte , Therapieoptionen und viele andere Themen erhalten. Er habe ihr versprochen, sich mit dem Thema zu befassen und eine vorbereitete Mappe mitgenommen.



Geballte Infos in nur zehn Minuten 

Jens Spahn sei sehr höflich, engagiert, neugierig und vor allem interessiert gewesen sagt Hendrikje ter Balk. Möglich wurde das treffen „durch einen kleinen Trick“. Hendrikje ter Balk besuchte den Minister während einer Sprechstunde und nutzte ihre Chance. „Ich hatte dann genau zehn Minuten Zeit, um ihm präzise und knapp das Krankheitsbild, die hohe Anzahl betroffener Frauen und weitere Erkenntnisse darzulegen“, berichtet ter Balk. Gleichzeitig übergab sie ihm ihre Ausarbeit und Spahn versprach, sich der Sache anzunehmen. Das Treffen war am 30. August 2018. Weitere Politiker reagierten offenbar nicht.

Schnelles Handeln ist möglich 

Dass die Umsetzung sehr schnell gehen kann, weiß die 34-Jährige aus ihren Recherchen. Im Gespräch mit Reporter24 äußert sie ganz klare Vorstellungen. Demnach habe das Bundesministerium für Gesundheit eine sofortige Handlungsmöglichkeit. Man müsse dem Bundesausschuss „eine Frist zur Beschlussfassung von Richtlinien in der Versorgung betroffener Frauen zu setzen“, sagt ter Balk. „Wenn es Herrn Spahn in der Angelegenheit der Lipödemversorgung wirklich um eine schnelle und unbürokratische Hilfe geht, ist die genannte Fristsetzung die effektivste Möglichkeit, sein Wort zu halten, so dass die betroffenen Frauen noch in diesem Jahr eine bedarfsgerechte Versorgung erhalten“.



Hohes Engagement

Die 34-Jährige ist selbst von Lipödem betroffen. Trotz schlanker Figur und Normalgewicht, wie sie sagt. Doch im Alltag nahmen die Schmerzen zu, ein normales Leben nicht mehr möglich. Sogar normale Umarmungen oder Berührungen waren mit starken Schmerzen verbunden. Die Diagnose habe sie zu spät erhalten, weshalb sie auch heute noch mit den Folgen kämpft. Frauen im fortgeschrittenen Stadium seien zum Teil bereits berufsunfähig durch das Lipödem. Die Lebensqualität der Betroffenen und deren Angehörigen sei auf körperlicher, psychischer, sozialer und beruflicher Ebene enorm eingeschränkt.

Von den Schmerzen geplagt, verkaufte Hendrikje ter Balk ihr Auto, um sich eine erste Operation leisten zu können. Danach besuchte die Kongresse und Tagungen, engagierte sich stark für das Thema. Es habe bereits einen Todesfall gegeben, weswegen die Umsetzung sehr eilig sei. Viele Frauen seien auch depressiv und suizidgefährdet. Ihre vielen Briefe und auch eine Petition seien fruchtlos gewesen. Nachdem die 34-Jährige alles ausgearbeitet hatte, suchte sie den Kontakt zu Minister. Nun hofft sie gemeinsam mit knapp vier Millionen Frauen auf tatkräftige Ergebnisse.




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